Zabbix vs. Prometheus: zwei Weltbilder, kein Entweder-oder
Timo Wevelsiep•Aktualisiert: 09.07.2026Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung.
Zabbix oder Prometheus? Kaum ein Monitoring-Vergleich wird so oft als Entweder-oder gestellt - und kaum einer ist so schief. Die beiden Systeme stammen aus verschiedenen Welten, beantworten verschiedene Fragen und treffen sich nur an der Oberfläche. Dieser Artikel erklärt beide Architekturen und gibt eine klare Empfehlung, die bewusst kein Lagerdenken ist (Stand Juli 2026). Wer zwei direkte Konkurrenten vergleichen will, findet das unter Zabbix vs. Checkmk und Zabbix vs. PRTG.
Zwei Herkünfte, zwei Weltbilder
Prometheus wurde ursprünglich bei SoundCloud entwickelt, kam 2016 als zweites Projekt nach Kubernetes in die Cloud Native Computing Foundation und trägt seit dem 9. August 2018 den Graduated-Status - die höchste Reifestufe der CNCF. Es ist ein Metrik-System: Es sammelt Zahlenreihen, speichert sie in einer eigenen Zeitreihendatenbank (TSDB) und macht sie über die Abfragesprache PromQL auswertbar (Überblick).
Zabbix kommt aus der klassischen Infrastruktur-Welt: Server, VMs, Netzwerkgeräte, Dienste. Es ist eine integrierte Monitoring-Plattform unter AGPLv3 (Lizenz) - Datensammlung, Alarmlogik, Eskalationsketten, Dashboards und Berichtswesen stecken in einem Produkt mit einer Web-Oberfläche, die Daten liegen in MySQL oder PostgreSQL (Anforderungen).
Schon an dieser Stelle zeigt sich: Das eine ist ein spezialisierter Baustein für Metriken, das andere eine komplette Plattform. Wer beides in denselben Feature-Vergleich zwingt, vergleicht ein Objektiv mit einer Kamera.
Prometheus: Pull, TSDB, PromQL
Prometheus arbeitet nach dem Pull-Modell: Der Server ruft in kurzen Intervallen HTTP-Endpunkte ab, auf denen Anwendungen und Exporter ihre Metriken bereitstellen. Für praktisch jede verbreitete Software existiert ein Exporter - von node_exporter für Linux-Hosts bis zu Exportern für Datenbanken, Message-Broker und Netzwerkgeräte (Exporter-Übersicht). In Kubernetes kommt Service-Discovery dazu: Neue Pods werden automatisch gefunden und abgefragt - genau deshalb ist Prometheus dort der De-facto-Standard.
Ausgewertet wird mit PromQL, einer Abfragesprache über das mehrdimensionale Datenmodell aus Metriknamen und Labels. Alarmregeln werden ebenfalls in PromQL formuliert; das Verschicken und Gruppieren der Alarme übernimmt der Alertmanager als separate Komponente (Doku). Dashboards liefert Prometheus nicht selbst - dafür wird in der Praxis fast immer Grafana danebengestellt.
Wichtig zu verstehen ist die Speicher-Philosophie: Prometheus speichert lokal, standardmäßig 15 Tage, und die lokale TSDB ist bewusst nicht geclustert oder repliziert (Storage-Doku). Das ist kein Mangel, sondern Design: Jeder Prometheus-Server ist autonom und bleibt auch dann funktionsfähig, wenn andere Infrastruktur ausfällt. Langzeit-Aufbewahrung und Hochverfügbarkeit löst das Ökosystem über Remote Write an Systeme wie Thanos oder Grafana Mimir.
Zabbix: die integrierte Plattform
Zabbix sammelt Daten über eigene Agenten, über SNMP für Netzwerkgeräte, IPMI für Server-Hardware sowie über HTTP-Checks und eigene Skripte. Templates bündeln Items, Trigger und Discovery-Regeln je Technologie - vom Linux-Server bis zum offiziellen Proxmox-Template (Proxmox mit Zabbix überwachen). Trigger definieren Alarmbedingungen, Eskalationsketten regeln, wer wann benachrichtigt wird und was passiert, wenn niemand reagiert - alles konfigurierbar in derselben Web-Oberfläche, in der auch Dashboards und Berichte liegen.
Dazu kommt Planbarkeit: Zabbix pflegt LTS-Linien mit langen Support-Zeiträumen - 7.0 LTS erhält vollen Support bis zum 30.06.2027, 8.0 ist als nächste LTS-Version für 2026 angekündigt (Release-Politik). Die History liegt in SQL und lässt sich so lange aufbewahren, wie Storage und Housekeeping es erlauben - Langzeitdaten sind hier kein Anbauteil, sondern eingebaut.
Der direkte Vergleich
| Zabbix | Prometheus | |
|---|---|---|
| Charakter | Integrierte Monitoring-Plattform | Metrik-System plus Ökosystem |
| Datensammlung | Agent, SNMP, IPMI, HTTP, Skripte | Pull über HTTP von Exportern, Service-Discovery |
| Datenhaltung | SQL (MySQL/PostgreSQL), History langfristig | Eigene TSDB, lokal, Standard-Retention 15 Tage |
| Abfrage | Web-UI, Trigger-Ausdrücke | PromQL |
| Alarmierung | Integriert: Trigger, Eskalationen, Medien | Alertmanager als separate Komponente |
| Dashboards | Integrierte Web-UI | Extern, typischerweise Grafana |
| Langzeit-Metriken | Eingebaut (SQL-History) | Über Remote Write: Thanos, Mimir |
| Releases | LTS-Linien, 7.0 LTS bis 30.06.2027 | Kürzere Release-Zyklen, CNCF-Governance |
| Zuhause | Server, VMs, Netzwerk, Proxmox | Kubernetes, Container, Microservices |
Kein Entweder-oder: wann welches System
Unsere ehrliche Linie, die sich mit unserem eigenen Stack deckt:
Zabbix für klassische Infrastruktur. Wer Server, VMs, Netzwerkgeräte und Proxmox-Cluster überwacht, bekommt mit Zabbix Trigger, Eskalation, Inventar und Dashboards aus einer Hand - ohne drei Komponenten zu verdrahten. SNMP- und IPMI-Support sind eingebaut, die LTS-Planbarkeit passt zu Umgebungen, die fünf Jahre stabil laufen sollen.
Prometheus für Kubernetes und Cloud-native. In Container-Umgebungen ist Prometheus gesetzt: Service-Discovery findet Pods automatisch, jede moderne Anwendung exportiert Prometheus-Metriken, und das Ökosystem aus Alertmanager, Grafana und Operatoren ist auf genau diesen Fall gebaut. Zabbix dort hineinzuzwingen erzeugt Reibung ohne Gewinn.
Beide parallel ist kein Antipattern, sondern der Normalfall. Ein typisches Bild aus unseren Kundenprojekten: Zabbix überwacht die Proxmox-Hosts, VMs und das Netzwerk, Prometheus läuft in den Kubernetes-Clustern und überwacht Workloads - jedes System dort, wo es zuhause ist. Genau so betreiben wir es auch selbst.
Was diese Entscheidung kostet, hängt weniger vom Tool als vom Betriebsmodell ab - die vollständige Rechnung inklusive Plattform und Personal steht in Was kostet Server-Monitoring?.
Das ehrliche Fazit
Die Frage „Zabbix oder Prometheus?“ hat eine bessere Formulierung: „Was überwache ich eigentlich?“ Für klassische Server- und Virtualisierungs-Landschaften ist Zabbix die rundere Antwort, für Kubernetes ist Prometheus der Standard - und die meisten gewachsenen Umgebungen haben beides und fahren mit der Kombination am besten. Misstrauen ist eher dort angebracht, wo jemand eines der beiden Systeme für alles verkaufen will.
Unser Vorgehen bei WZ-IT
Wir betreiben beide Welten produktiv: Managed Zabbix für Server, VMs und Proxmox - als dedizierte Instanz oder als Server-Monitoring als Service mit Aufschaltung auf unseren hochverfügbaren Zabbix-Cluster ab 79,90 Euro pro Monat. In Kubernetes-Umgebungen setzen wir Prometheus mit Alertmanager auf und integrieren die Alarmwege mit dem restlichen Monitoring. Welche Aufteilung für Ihre Umgebung die richtige ist, klären wir in einem kostenlosen Erstgespräch.
Sie möchten Monitoring nicht selbst betreiben? WZ-IT übernimmt Einrichtung, Betrieb und Wartung – DSGVO-konform aus Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Antworten auf die wichtigsten Fragen
Nein. Prometheus ist ein Metrik-System mit Pull-Modell und PromQL, das im Kubernetes-Umfeld der De-facto-Standard ist. Zabbix ist eine integrierte Monitoring-Plattform mit Agenten, SNMP, Triggern und Eskalationsketten für klassische Server, VMs und Netzwerkgeräte. Die beiden beantworten unterschiedliche Fragen - viele Umgebungen betreiben sinnvollerweise beide parallel.
Die Architektur: Prometheus sammelt Metriken per Pull über HTTP von Exportern, speichert sie in einer eigenen Zeitreihendatenbank und lagert Alarmierung an den separaten Alertmanager aus. Zabbix bringt Datensammlung (Agent, SNMP, IPMI, HTTP), Trigger, Eskalationen und Web-Oberfläche in einem Produkt mit und speichert in SQL (MySQL oder PostgreSQL).
Prometheus wurde 2016 als zweites Projekt nach Kubernetes in die CNCF aufgenommen und hat seit August 2018 den Graduated-Status. Das Pull-Modell mit Service-Discovery passt zu dynamischen Container-Umgebungen, in denen Pods ständig entstehen und verschwinden, und praktisch jede cloud-native Software exportiert ihre Metriken im Prometheus-Format.
Standardmäßig 15 Tage lokal. Die lokale Speicherung ist bewusst nicht geclustert oder repliziert - das ist eine Designentscheidung zugunsten von Einfachheit und Zuverlässigkeit. Für Langzeit-Aufbewahrung und Hochverfügbarkeit werden Metriken per Remote Write an Systeme wie Thanos oder Grafana Mimir weitergereicht.
Ja, Zabbix bringt Integrationen für Kubernetes mit. In der Praxis ist das cloud-native Ökosystem aber klar auf Prometheus ausgerichtet: Operatoren, Helm-Charts und die meisten Tools liefern ihre Metriken im Prometheus-Format mit fertigen Dashboards. Wer Kubernetes ernsthaft betreibt, fährt mit Prometheus im Cluster meist besser - und lässt Zabbix die Infrastruktur darunter überwachen.
Ja, und zwar genau in dieser Aufteilung: Zabbix für klassische Server, VMs, Netzwerk und Proxmox - als Managed Zabbix oder als Aufschaltung auf unseren hochverfügbaren Cluster ab 79,90 Euro pro Monat. In Kubernetes-Umgebungen setzen wir auf Prometheus mit Alertmanager. Welche Kombination zu Ihrer Umgebung passt, klären wir im kostenlosen Erstgespräch.







