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MinIO ist archiviert: S3-kompatibler Speicher zum Selbsthosten im Vergleich

Timo Wevelsiep
Timo Wevelsiep
#MinIO #ObjectStorage #S3 #SeaweedFS #SelfHosted

Hinweis zum Inhalt: Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zusammengestellt. Technische Details, Preise, Versionen, Lizenzmodelle und externe Inhalte können sich ändern. Bitte prüfen Sie die genannten Angaben eigenständig, insbesondere vor geschäftskritischen oder sicherheitsrelevanten Entscheidungen. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung.

MinIO ist archiviert: S3-kompatibler Speicher zum Selbsthosten im Vergleich

Betreiben Sie MinIO als Backup-Ziel oder Anwendungsspeicher? WZ-IT prüft den Bestand, plant den Wechsel etwa zu SeaweedFS oder RustFS und übernimmt auf Wunsch den laufenden Betrieb. Bestand gemeinsam einordnen

MinIO war jahrelang die Standardantwort auf die Frage nach S3-kompatiblem Speicher im eigenen Haus. Diese Antwort gilt nicht mehr: Das öffentliche Repository ist archiviert, der letzte Push datiert vom 24. April 2026.

Das trifft viele Installationen, die still und zuverlässig laufen und deshalb niemandem auffallen. Wir haben MinIO in eigenen Beiträgen zur S3-Migration nach Hetzner selbst empfohlen. Diese Empfehlung gilt so nicht mehr, und dieser Beitrag zieht die Konsequenz.

Er ordnet ein, was genau passiert ist, wie dringend ein Wechsel ist und welche Alternativen tragen. Alle Angaben aus den Repositories, Stand 28. August 2026.

Inhaltsverzeichnis

Was mit MinIO passiert ist

Der Rückzug lief in drei Schritten über gut ein Jahr:

Zeitpunkt Was geschah
Mai 2025 Verwaltungsoberfläche aus der Community Edition entfernt, übrig blieb ein einfacher Objekt-Browser
Dezember 2025 Wechsel in den Wartungsmodus: keine neuen Funktionen, keine aktive Bearbeitung von Meldungen
April 2026 Repository archiviert, seitdem schreibgeschützt

Der letzte Push auf minio/minio datiert vom 24. April 2026. Zum Vergleich: SeaweedFS, RustFS und Ceph wurden am 24. August 2026 aktualisiert, also am Tag der Recherche für diesen Beitrag.

Das Unternehmen selbst ist aktiv und entwickelt sein kommerzielles Produkt AIStor weiter. Was endet, ist die frei verfügbare Ausgabe.

Wie tragfähig dieser Bruch für andere Projekte war, zeigt eine Entscheidung von außen: Kubeflow Pipelines hat seinen Standard-Objektspeicher nach MinIOs Rückzug auf SeaweedFS umgestellt.

Wie dringend ist ein Wechsel

Eine archivierte Software wird nicht über Nacht unsicher. Sie wird es mit der ersten Schwachstelle, für die niemand mehr eine Lösung veröffentlicht. Die Dringlichkeit hängt deshalb an der Erreichbarkeit, nicht am Datum.

Einsatz Dringlichkeit
Aus dem Internet erreichbar hoch - jede künftige Schwachstelle wirkt unmittelbar
Nur intern, aber von vielen Systemen genutzt mittel - geordnet planen, nicht aufschieben
Nur intern, reines Backup-Ziel, wenige Zugriffe niedrig - im nächsten Wartungsfenster

Was in jedem Fall gilt: Der Bestand gehört erfasst. Wer nicht weiß, wo überall MinIO läuft, kann die Frage nicht beantworten. In gewachsenen Umgebungen steht es oft an drei Stellen, von denen zwei niemand mehr auf dem Schirm hat.

Die Alternativen im Überblick

Angaben aus den öffentlichen Repositories, Stand 28. August 2026.

System GitHub-Sterne Lizenz Letzter Push Ausrichtung
SeaweedFS 34.235 Apache-2.0 24.08.2026 verteilt, stark bei vielen kleinen Dateien
RustFS 31.347 Apache-2.0 24.08.2026 MinIO-nah, mit Weboberfläche
Ceph 16.959 LGPL 24.08.2026 vollständiges Speichersystem
Garage - AGPL-3.0 laufend schlank, für verteilte Standorte
MinIO 61.382 AGPL-3.0 24.04.2026 archiviert

Garage wird nicht auf GitHub entwickelt, sondern auf der eigenen Infrastruktur des Deuxfleurs-Kollektivs; die Sternezahl fehlt deshalb und wäre auch nicht vergleichbar.

SeaweedFS

SeaweedFS ist die naheliegendste Wahl für die meisten MinIO-Installationen. Existiert seit über zehn Jahren, steht unter Apache-2.0, hat viele Mitwirkende und wird aktiv gepflegt.

Ausgelegt ist es auf verteilte Ablage mit besonderer Stärke bei vielen kleinen Dateien, einem Fall, in dem klassische Objektspeicher oft schwächeln. Die S3-Schnittstelle ist ausgereift.

Die Umstellung von Kubeflow Pipelines auf SeaweedFS als Standard ist das belastbarste Signal für Tragfähigkeit, das ein Projekt in dieser Lage bekommen kann: eine Entscheidung von außen, unter Zeitdruck, mit vielen betroffenen Installationen.

Garage

Entwickelt vom Deuxfleurs-Kollektiv, unter AGPL-3.0, bewusst schlank gehalten. Der Zielfall sind mehrere Standorte, zwischen denen Daten redundant liegen sollen, ohne dass dafür ein System von Cephs Komplexität nötig wird.

Stärke: geringer Ressourcenbedarf, einfache Inbetriebnahme, ausgelegt auf geografische Verteilung. Grenze: kleineres Ökosystem, weniger auffindbare Lösungen für Sonderfälle, keine Weboberfläche im Umfang von MinIO.

RustFS

RustFS ist der jüngste Kandidat, in Rust geschrieben, unter Apache-2.0 und mit eingebauter Weboberfläche. Positioniert sich ausdrücklich als das, was MinIO vor der Lizenz- und Funktionsentwicklung war.

Mit 31.347 Sternen hat es schnell Aufmerksamkeit gefunden. Für den Umstieg ist es die vertrauteste Oberfläche. Die Einschränkung ist das Alter: Ein Projekt, das seit kurzem existiert, hat weniger produktive Betriebsjahre hinter sich als SeaweedFS oder Ceph, und genau darauf kommt es bei einem Speichersystem an.

Wer wegen der Aufgabe eines Projekts wechselt, sollte beim Nachfolger auf Beständigkeit achten und nicht nur auf Vertrautheit.

Ceph

Kein schlanker Ersatz, sondern ein vollständiges verteiltes Speichersystem für Block-, Datei- und Objektspeicher. Der S3-Zugang läuft über das RADOS Gateway.

Sinnvoll ist Ceph in genau einem Fall: wenn es ohnehin schon läuft. Wer unter Proxmox einen Ceph-Verbund für virtuelle Maschinen betreibt, bekommt Objektspeicher ohne zusätzliches System obendrauf.

Für reinen S3-Bedarf ohne bestehendes Ceph ist der Aufwand unverhältnismäßig. Der Ressourcenbedarf liegt deutlich über dem der schlanken Alternativen, und die Betriebskomplexität ist eine andere Größenordnung.

Die oft bessere Antwort: gar nicht selbst hosten

Ein Teil der MinIO-Installationen existiert nur, weil ein S3-Endpunkt gebraucht wurde und MinIO schnell aufgesetzt war. Für diesen Fall ist der ehrlichste Rat, den Betrieb nicht zu ersetzen, sondern abzugeben.

Objektspeicher bei einem europäischen Anbieter wie Hetzner kostet wenig, verursacht keinen Betriebsaufwand und löst die Frage nach Aktualisierungen dauerhaft. Wie sich das mit Hetzner Object Storage einrichten lässt, haben wir für AWS S3 und Azure Blob Storage beschrieben.

Selbst hosten bleibt richtig, wenn Daten das Haus nicht verlassen dürfen, wenn sehr große Mengen anfallen oder wenn der Speicher innerhalb einer abgeschotteten Umgebung liegen muss.

Was beim Umzug tatsächlich Arbeit macht

Die Daten müssen kopiert werden. Alle Kandidaten sprechen S3, aber keiner liest MinIOs Ablageformat. Der Umzug läuft über rclone oder ein gleichwertiges Werkzeug von Endpunkt zu Endpunkt. Der Platz muss dafür zweimal vorhanden sein oder es wird in Etappen gearbeitet.

Die Randbereiche der S3-Schnittstelle sind nicht überall gleich. Versionierung, Objektsperren, Lebenszyklusregeln und serverseitige Verschlüsselung werden unterschiedlich vollständig unterstützt. Wer eines davon nutzt, prüft es vor der Auswahl, nicht danach.

Zugangsdaten und Richtlinien werden neu angelegt. Benutzer, Schlüssel und Zugriffsregeln übertragen sich nicht. Das ist überschaubar, wenn es wenige sind, und Fleißarbeit, wenn über Jahre viele entstanden sind.

Backups sind ein Sonderfall. Wenn MinIO als Ziel eines Sicherungssystems dient, etwa für den Proxmox Backup Server, gehört zum Umzug ein Wiederherstellungstest aus dem neuen Ziel. Ein Backup, das nach dem Umzug nicht geprüft wurde, ist kein Backup.

Unser Vorgehen bei WZ-IT

Wir haben MinIO in eigenen Beiträgen empfohlen und korrigieren das. Diese Beiträge bekommen einen Hinweis, statt stehenzubleiben, als wäre nichts geschehen.

Bei bestehenden Installationen fragen wir zuerst nach der Erreichbarkeit und dem Zweck, nicht nach dem Nachfolger. Ein internes Backup-Ziel hat eine andere Dringlichkeit als ein Endpunkt am Netzrand.

Bei der Auswahl neigen wir zu SeaweedFS, weil Betriebsjahre bei Speichersystemen mehr wiegen als Vertrautheit der Oberfläche. Wo Ceph bereits läuft, nutzen wir dessen RADOS Gateway statt ein zweites System danebenzustellen. Und in einem guten Teil der Fälle empfehlen wir, den Objektspeicher gar nicht selbst zu betreiben.

Zum Umzug gehört bei uns immer ein Wiederherstellungstest aus dem neuen Ziel, bevor das alte abgeschaltet wird.

Weiterführende Guides

Wissen Sie, wo überall MinIO bei Ihnen läuft? Wir erfassen den Bestand, bewerten die Dringlichkeit und begleiten den Wechsel einschließlich Wiederherstellungstest. Termin vereinbaren

Quellen

Anfrage

Objektspeicher ablösen oder betreiben lassen

Wir prüfen, ob Ihre MinIO-Installation ein Risiko ist, und begleiten den Wechsel auf eine gepflegte Alternative.

Worum geht es bei Ihnen?

Wie sollen wir antworten?

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf wichtige Fragen zu diesem Thema

Die Community Edition ja, das Unternehmen nicht. Das öffentliche Repository wurde im April 2026 archiviert und ist seitdem schreibgeschützt. Der letzte Push auf minio/minio datiert vom 24. April 2026. MinIO Inc. entwickelt sein kommerzielles Produkt AIStor weiter.

Ja, laufende Installationen funktionieren unverändert. Was entfällt, sind neue Versionen, geprüfte Sicherheitsaktualisierungen und offizielle Binärpakete. Damit wird jede künftig gefundene Schwachstelle zu einem Problem ohne Herstellerlösung.

Das hängt an der Erreichbarkeit. Ein MinIO, das nur aus dem internen Netz erreichbar ist und als Backup-Ziel dient, kann geordnet migriert werden. Eine aus dem Internet erreichbare Instanz gehört auf die vordere Liste, weil dort eine ungepatchte Schwachstelle unmittelbar wirkt.

Im Mai 2025 wurde die Verwaltungsoberfläche aus der Community Edition entfernt und nur ein einfacher Objekt-Browser blieb übrig. Im Dezember 2025 folgte der Wechsel in den Wartungsmodus ohne neue Funktionen. Im April 2026 wurde das Repository archiviert.

Für die meisten Fälle SeaweedFS, weil es lange existiert, breit eingesetzt wird und unter Apache-2.0 steht. Kubeflow Pipelines hat seinen Standard-Objektspeicher nach MinIOs Rückzug auf SeaweedFS umgestellt, was die Tragfähigkeit zeigt.

Ein in Rust geschriebener, S3-kompatibler Objektspeicher unter Apache-2.0 mit eingebauter Weboberfläche, der sich ausdrücklich als Antwort auf MinIOs Lizenz- und Funktionsentwicklung positioniert. Das Projekt ist deutlich jünger als SeaweedFS und Ceph.

Wenn Sie ohnehin Ceph für Block- oder Dateispeicher betreiben, etwa unter Proxmox. Dann kommt der Objektspeicher über das RADOS Gateway ohne zusätzliches System dazu. Für reinen S3-Bedarf ohne bestehendes Ceph ist der Betriebsaufwand unverhältnismäßig.

Umkopieren. Alle genannten Systeme sprechen die S3-Schnittstelle, aber jedes hält seine Daten in einem eigenen Format. Der Umzug läuft über ein Werkzeug wie rclone von einem Endpunkt zum anderen, und dafür muss der Platz zweimal vorhanden sein oder in Etappen gearbeitet werden.

In der Regel nur der Endpunkt und die Zugangsdaten, weil alle Kandidaten S3-kompatibel sind. Zu prüfen sind Randbereiche: Versionierung, Objektsperren, Lebenszyklusregeln und serverseitige Verschlüsselung werden nicht überall gleich vollständig unterstützt.

Oft ja. Wer Objektspeicher nur als Backup-Ziel braucht, fährt mit einem europäischen Anbieter meist günstiger und ohne Betriebsaufwand. Selbst hosten lohnt sich, wenn Daten das Haus nicht verlassen dürfen oder sehr große Mengen anfallen.

Timo Wevelsiep

Geschrieben von

Timo Wevelsiep

Co-Founder & CEO

Co-Founder von WZ-IT. Spezialisiert auf Cloud-Infrastruktur, Open-Source-Plattformen und Managed Services für KMUs und Enterprise-Kunden weltweit.

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