Sie betreiben eine Datenbank mit geschäftskritischen Daten? WZ-IT übernimmt Managed MySQL Hosting, Managed MariaDB Hosting und Managed Percona Hosting, einschließlich Sicherung, geprüfter Wiederherstellung und Überwachung. Vorhaben gemeinsam einordnen
Wer 2026 eine Datenbank aus der MySQL-Familie auswählt, findet dazu widersprüchliche Leistungsvergleiche. Das liegt nicht an schlechter Recherche, sondern daran, dass die Hersteller sich derzeit öffentlich über die Messungen streiten.
Im Januar 2026 hat Percona einen Vergleich der MySQL-Familie veröffentlicht, im April hat MariaDB.org förmlich widersprochen. Beide Beiträge sind belegt und öffentlich. Sie kommen zu unterschiedlichen Schlüssen, und der Unterschied liegt in der Konfiguration.
Dieser Beitrag ordnet die drei Systeme anhand überprüfbarer Merkmale ein, gibt den Streit wieder, ohne ihn zu entscheiden, und benennt die Fragen, die eine Auswahl tatsächlich beantworten muss.
Stand: 12. Oktober 2026.
Inhaltsverzeichnis
- Warum dieser Vergleich gerade schwierig ist
- Die drei Systeme im Überblick
- Der Benchmark-Streit 2026
- Was sich daraus ableiten lässt
- Herkunft und Lizenz
- Kompatibilität: der teuerste Irrtum
- Welches System wofür
- Was vor der Entscheidung geprüft gehört
- Unser Vorgehen bei WZ-IT
- Weiterführende Guides
Warum dieser Vergleich gerade schwierig ist
Leistungsvergleiche zwischen Datenbanken sind selten neutral, weil sie fast immer von einer der beteiligten Parteien stammen. 2026 ist das ungewöhnlich gut dokumentiert: Es liegen zwei ausführliche, öffentlich einsehbare Darstellungen vor, die einander widersprechen und beide begründet sind.
Das ist für Leser wertvoller als ein weiterer Vergleich mit eigenen Zahlen. Wer die beiden Positionen kennt, kann einschätzen, wie belastbar veröffentlichte Zahlen zu diesem Thema überhaupt sind.
Die drei Systeme im Überblick
Angaben aus den öffentlichen Repositories, Stand 12. Oktober 2026.
| System | Repository | GitHub-Sterne | Lizenz | Herkunft |
|---|---|---|---|---|
| MySQL | mysql/mysql-server | 12.457 | GPL-2.0 mit FOSS-Ausnahme | Oracle |
| MariaDB | MariaDB/server | 8.353 | GPL-2.0 | MariaDB Foundation, Abspaltung 2009 |
| Percona Server | percona/percona-server | 1.275 | folgt MySQL | Percona, Abwandlung von MySQL |
Die Sternezahlen sagen wenig über die Verbreitung. MySQL und MariaDB werden überwiegend über Distributionspakete installiert, nicht über GitHub, und Percona Server ist ein Werkzeug für Betreiber, nicht für Entwickler. Alle drei Repositories wurden in den Tagen vor dem 12. Oktober 2026 aktualisiert.
Eine Warnung zu den Versionsständen: Für MySQL und Percona Server sind die GitHub-Releases keine verlässliche Quelle. Percona weist dort einen Stand von 2017 aus, veröffentlicht seine Versionen aber laufend über eigene Kanäle. Wer Versionen prüft, prüft die Herstellerseiten.
Der Benchmark-Streit 2026
Percona, 23. Januar 2026. Der Leistungsvergleich stellt MySQL Community 8.4 und 9.5, Percona Server 8.4 und 9.5 sowie MariaDB 11.8.5 gegenüber. Getestet wurde mit TPC-C-ähnlichen Lasten im Verhältnis 50 Prozent Lesen zu 50 Prozent Schreiben sowie mit Sysbench.
Das Ergebnis: Percona Server und MySQL liegen dicht beieinander. MariaDB arbeitet bis 32 gleichzeitige Verbindungen gut, kann bei höherer Nebenläufigkeit im TPC-C-Test den Verkehr jedoch nicht mehr bedienen, während es bei isolierten Lesevorgängen gut abschneidet. Das Fazit lautet, MySQL beziehungsweise Percona 9.5 sei die derzeit leistungsfähigste Version der Familie.
MariaDB.org, 3. April 2026. Die Antwort widerspricht nicht den Messwerten, sondern der Versuchsanordnung. Drei Punkte:
- Versionswahl. Getestet wurde eine MariaDB-Version, von der öffentlich bekannt war, dass sie Leistungsprobleme hatte, während eine neuere verfügbar war.
- Ungleiche Konfiguration. MySQL, Percona Server und MariaDB 11 liefen mit 4 GB InnoDB-Logdateien, MariaDB 12 nur mit der Hälfte.
- Falsch gesetzte Grundparameter. Veraltete Variablen seien nicht angepasst worden.
Ausdrücklich anerkannt wird die Offenlegung: Dass mehrere Versionen in denselben Diagrammen erscheinen und die Testumgebung öffentlich einsehbar ist, sei zu begrüßen. Die Schlussfolgerung sei aber enger zu lesen, als der Beitrag nahelegt.
Ein Hinweis zur Einordnung: Percona nennt in dem Beitrag vom Januar MariaDB 11.8.5, die Antwort von MariaDB argumentiert über Version 12.1.2 gegenüber 12.3.1. Die Antwort bezieht sich damit auf einen späteren Stand der Messreihe. Wer die Diskussion nachvollziehen will, liest beide Quellen im Original.
Was sich daraus ableiten lässt
Nicht, welches System schneller ist. Wohl aber drei Dinge, die für eine Entscheidung nützlicher sind:
Konfiguration schlägt Produktwahl. Der Streit dreht sich vollständig um Einstellungen, nicht um Architektur. Eine falsch dimensionierte InnoDB-Logdatei kostet mehr Leistung als der Unterschied zwischen den Systemen. Wer ein Leistungsproblem hat, wechselt nicht das Produkt, sondern misst die eigene Konfiguration.
Verhalten unter Last unterscheidet sich vom Verhalten im Einzeltest. In beiden Darstellungen liegen die Systeme bei geringer Nebenläufigkeit dicht beieinander und trennen sich erst bei vielen gleichzeitigen Verbindungen. Ein Vergleich, der nur mit wenigen Verbindungen misst, sagt über den Produktivbetrieb wenig aus.
Veröffentlichte Zahlen zu diesem Thema sind mit Vorsicht zu behandeln, auch die aus diesem Beitrag zitierten. Belastbar wird eine Aussage erst mit dem eigenen Datenbestand und dem eigenen Abfragemuster.
Herkunft und Lizenz
MySQL gehört seit der Übernahme von Sun durch Oracle im Jahr 2010 zu Oracle. Die Community Edition steht unter GPL-2.0 mit einer FOSS-Ausnahme, daneben verkauft Oracle kommerzielle Lizenzen mit anderen Bedingungen. Für den Eigenbetrieb ist die Community Edition frei nutzbar. MySQL 8.0 hat mit Version 8.0.46 im April 2026 sein Lebensende erreicht und erhält keine Sicherheitsupdates mehr; Oracle empfiehlt den Wechsel auf MySQL 8.4 LTS oder eine neuere Version wie MySQL 9.7 (seit 21. April 2026).
MariaDB entstand 2009 als Abspaltung, geführt von ursprünglichen MySQL-Entwicklern, mit dem erklärten Ziel, die Weiterentwicklung unabhängig von Oracle zu halten. Der Server steht unter GPL-2.0. Aktuell sind MariaDB 12.3 LTS (12.3.3 vom 24. August 2026) und das Rolling Release 13.0, das mit 13.0.2 am 15. September 2026 den GA-Status erreicht hat.
Percona Server ist keine Abspaltung, sondern eine Abwandlung: Es folgt den MySQL-Versionen und ergänzt sie um Werkzeuge für Betrieb und Diagnose. Wer Percona einsetzt, bleibt im MySQL-Zweig.
Bemerkenswert im Vergleich zu anderen Feldern: Keines der drei Systeme hat den Weg zu einer eingeschränkten Lizenz genommen, wie er bei MongoDB, Elasticsearch oder Redis zu beobachten war. Die MySQL-Familie ist in dieser Hinsicht ruhig geblieben.
Kompatibilität: der teuerste Irrtum
Die verbreitetste Fehlannahme lautet, MariaDB sei ein Ersatz für MySQL, den man einfach einspielt. Das galt in den ersten Jahren nach der Abspaltung weitgehend und gilt heute nicht mehr.
Auseinandergelaufen sind unter anderem:
- JSON-Verarbeitung. MySQL und MariaDB haben unterschiedliche Wege gewählt.
- Systemtabellen. Alles, was direkt darauf zugreift, ist prüfpflichtig.
- Replikation. Aufbau und Kennungen unterscheiden sich.
- Zeitstempel und Zeichensätze. Verhalten in Randfällen weicht ab.
Praktische Folge: Ein Wechsel ist ein Projekt mit Test, nicht ein Austausch im Wartungsfenster. Bei einfachen Anwendungen verläuft er oft unauffällig, bei gewachsenen selten.
Und bei Standardanwendungen entscheidet ohnehin der Hersteller: Wenn die Freigabe MySQL 8.0 nennt, verlagert der Betrieb auf MariaDB das Risiko auf den Betreiber, auch wenn es zunächst funktioniert. Da MySQL 8.0 seit April 2026 keine Updates mehr erhält, gehört in diesem Fall zuerst die Frage an den Hersteller, wann MySQL 8.4 freigegeben wird.
Welches System wofür
| Ausgangslage | Naheliegende Wahl | Begründung |
|---|---|---|
| Standardanwendung mit Herstellerfreigabe | das freigegebene System | Abweichung verlagert das Risiko auf Sie |
| Bestehende MySQL-Installation, Betrieb soll besser werden | Percona Server | bleibt im MySQL-Zweig, ergänzt Betriebswerkzeuge |
| Neue Eigenentwicklung, Unabhängigkeit von Oracle gewünscht | MariaDB | eigene Entwicklung, GPL-2.0, klare Herkunft |
| Bestehende MariaDB-Installation ohne Beschwerden | MariaDB behalten | ein Wechsel ohne Anlass erzeugt nur Risiko |
| Anwendung existiert noch nicht | Frage neu stellen | dann gehört PostgreSQL in die Auswahl |
Was vor der Entscheidung geprüft gehört
Was verlangt die Anwendung? Bei Standardsoftware die Freigabeliste, bei Eigenentwicklung die tatsächlich genutzten Funktionen.
Wie sieht die Last aus? Nicht die Datenmenge, sondern die Zahl gleichzeitiger Verbindungen und das Verhältnis von Lesen zu Schreiben. Genau daran trennen sich die Systeme, wie beide Seiten des Streits zeigen.
Wer betreibt es? Sicherung mit geprüfter Wiederherstellung, Überwachung von Replikation und Sperren, ein Aktualisierungspfad über Hauptversionen hinweg. Diese Arbeit fällt bei allen drei Systemen an und ist der größere Posten als die Produktwahl.
Wie kommt man wieder heraus? Ein logischer Auszug in ein herstellerunabhängiges Format sollte regelmäßig laufen und geprüft sein. Das ist zugleich die beste Sicherung gegen Fehlentscheidungen.
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Unser Vorgehen bei WZ-IT
Wir betreiben alle drei Systeme für Kunden und wählen nicht nach Leistungsversprechen aus, sondern nach der Anwendung darüber. In der Mehrzahl der Fälle ist die Wahl bereits getroffen, bevor wir dazukommen, weil eine Standardanwendung sie vorgibt oder ein Bestand migriert wird.
Wo wir mitentscheiden, ist die Frage fast nie "welches ist schneller", sondern "wer hält es am Laufen und wie kommen wir im Ernstfall zurück". Eine Sicherung, deren Wiederherstellung nie geprobt wurde, ist bei jedem der drei Systeme gleich wertlos.
Leistungsprobleme lösen wir nicht durch einen Systemwechsel. Zuerst wird gemessen, wo die Zeit tatsächlich hingeht. In den meisten Fällen liegt es an Abfragen, Indizes oder Speichereinstellungen, nicht am Produktnamen.
Weiterführende Guides
- PostgreSQL-Expertise - wenn die Anwendung noch nicht festgelegt ist
- MySQL, MariaDB und Percona - die Systeme im Einzelnen
- Managed Operations - Betrieb, Sicherung und Wiederherstellung im Vertrag
- Managed Open Source - Anwendung und Datenbank aus einer Hand
Unklar, welches System zu Ihrer Anwendung passt? Wir sichten Anwendung, Last und Betriebsmodell und sagen, was die Entscheidung wirklich beeinflusst. Termin vereinbaren
Quellen
- Percona: MySQL January 2026 Performance Review
- MariaDB.org: A response to Percona's 2026 MySQL ecosystem benchmark
- MariaDB Server auf GitHub
- MySQL Server auf GitHub
- MySQL 8.0 Release Notes (End of Life)
- MySQL 9.7 Release Notes
- MariaDB: Announcing MariaDB Community Server 13.0 GA
- Percona Server auf GitHub












