Metabase-Notfallpatch: SQL-Injection mit CVSS 10.0 wird aktiv ausgenutzt

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Self-hosted Software im Blick behalten, bevor es brennt? Wir überwachen Schwachstellen für die von uns betriebenen Systeme und patchen im vereinbarten Fenster - siehe CVE-Monitoring und Managed Operations, oder direkt ein Erstgespräch vereinbaren.
Metabase hat am 6. August 2026 zwei kritische Schwachstellen geschlossen. Die schwerwiegendere trägt CVSS 10.0 und wird laut Hersteller aktiv ausgenutzt: Ein nicht authentifizierter Angreifer kann über den Endpunkt /api/session/reset_password SQL in die Anwendungsdatenbank einschleusen und sich damit Administratorrechte verschaffen (GHSA-vwf4-m7j8-wcjf).
Zwei Dinge machen diesen Fall über Metabase hinaus interessant. Erstens: Es ist „nur" eine SQL-Injection und trotzdem der Höchstwert. Zweitens: Es gibt keine CVE-Nummer - wer sein Schwachstellenmanagement allein auf CVE-Feeds stützt, sieht diese Lücke gerade nicht.
Inhaltsverzeichnis
- Was genau passiert ist
- Warum eine SQL-Injection CVSS 10.0 bekommt
- Betroffene und gepatchte Versionen
- Sofortmaßnahmen
- Nacharbeit nach dem Update
- Die Lücke ohne CVE - ein blinder Fleck im Monitoring
- Was das für Analytics-Werkzeuge grundsätzlich heißt
- Unser Vorgehen bei WZ-IT
- Weiterführende Guides
Was genau passiert ist
Metabase hat am 6. August 2026 zwei Advisories veröffentlicht. Beide sind SQL-Injection in die Anwendungsdatenbank von Metabase, beide führen zu Administratorzugriff - sie unterscheiden sich in der Voraussetzung.
| GHSA-vwf4-m7j8-wcjf | GHSA-r8h2-qpfx-mx59 | |
|---|---|---|
| CVSS | 10.0 | 9.6 |
| Vektor | AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:C/C:H/I:H/A:H |
AV:N/AC:L/PR:N/UI:R/S:C/C:H/I:H/A:H |
| Einfallstor | /api/session/reset_password |
öffentlich geteiltes Dashboard oder Card |
| Voraussetzung | keine | Field-Filter-Parameter im öffentlichen Link |
| Aktive Ausnutzung | vom Hersteller bestätigt | nicht erwähnt |
Der Unterschied im Vektor ist genau ein Buchstabe: UI:N gegen UI:R. Die erste Lücke braucht keinerlei Zutun - kein Klick, kein Login, keine Vorbedingung. Für die zweite genügt dem Angreifer die UUID eines öffentlichen Links; öffentliches Teilen ist in Metabase standardmäßig aktiviert.
Wichtig zur Einordnung: Dies ist keine Remote Code Execution. Es wird kein Code auf dem Server ausgeführt. Das macht die Sache nicht harmloser, wie der nächste Abschnitt zeigt - aber wer nach RCE-Signaturen sucht, sucht am falschen Muster.
Warum eine SQL-Injection CVSS 10.0 bekommt
Der entscheidende Teil des Vektors ist S:C - Scope Changed. Er besagt, dass der Schaden die Grenze der verwundbaren Komponente überschreitet.
Genau das ist bei einem Business-Intelligence-Werkzeug der Fall. Metabase ist kein System, das eigene Daten hält. Es ist ein System, das Zugangsdaten zu fremden Daten hält: PostgreSQL, MySQL, Snowflake, BigQuery, Redshift, das Data Warehouse. Wer Metabase-Administrator wird, liest anschließend die hinterlegten Verbindungen aus.
Die Rechnung ist damit nicht „ein kompromittiertes Analytics-Tool", sondern „ein kompromittierter Zugang zu jeder angebundenen Datenquelle". Der Hersteller nennt in der Folgenabschätzung ausdrücklich das Auslesen gespeicherter Datenbank-Zugangsdaten und den Datenabfluss über die verbundenen Systeme.
Das ist der Grund, warum eine Lücke ohne Codeausführung beim Höchstwert landet - und der Grund, warum das Update allein nicht reicht.
Betroffene und gepatchte Versionen
Metabase pflegt mehrere Zweige parallel. Betroffen sind:
| Zweig | betroffen bis | gepatcht ab |
|---|---|---|
| x.58 | x.58.23 | x.58.24 |
| x.59 | x.59.20 | x.59.21 |
| x.60 | x.60.16 | x.60.17 |
| x.61 | x.61.10 | x.61.11 |
| x.62 | x.62.8 | x.62.9 |
| x.63 | x.63.4 | x.63.5 |
Für die 10.0er-Lücke endet der betroffene Bereich in x.63 bei x.63.3, für die zweite bei x.63.4 - in beiden Fällen behebt x.63.5 das Problem. Wer eine ältere Hauptversion als x.58 betreibt, muss zuerst auf einen der gepflegten Zweige, bevor der Patch greift.
Prüfen lässt sich die laufende Version im Metabase-Dashboard unter Einstellungen oder direkt am Container-Tag.
Sofortmaßnahmen
Erste Wahl bleibt das Update. Wo das nicht binnen Stunden geht, nennt der Hersteller Übergangsmaßnahmen:
- Für die unauthentifizierte Lücke: den Endpunkt
/api/session/reset_passwordnetzseitig sperren - im Reverse Proxy, in der Web Application Firewall oder in der Ingress-Regel. Das deaktiviert die Passwort-Zurücksetzung, was in Umgebungen mit SSO ohnehin kein Verlust ist. - Für die zweite Lücke: öffentliches Teilen abschalten oder zumindest alle öffentlichen Links zurückziehen, die Field-Filter-Parameter enthalten.
Beides sind Notnägel. Sie schließen einen bekannten Weg, nicht die Schwachstelle.
Der wirksamste Schutz ist ohnehin struktureller Art: Ein Analytics-Werkzeug gehört nicht ins offene Internet. Erreichbarkeit ausschließlich über identitätsbasierten Fernzugriff statt über einen öffentlichen Port hätte beide Angriffswege von vornherein ins Leere laufen lassen.
Nacharbeit nach dem Update
Für die aktiv ausgenutzte Lücke reicht das Einspielen des Patches ausdrücklich nicht. Wer eine erreichbare Instanz betrieben hat, muss davon ausgehen, dass ein Zugriff stattgefunden haben kann. Der Hersteller nennt fünf Schritte:
- Alle Sitzungen löschen - Einträge in der Tabelle
core_sessionentfernen, damit übernommene Sitzungen ungültig werden - API-Schlüssel prüfen und alles widerrufen, was nicht zweifelsfrei bekannt ist
- Administratorkonten durchsehen - neu angelegte Konten und geänderte Rollen sind das erste Zeichen
- Datenbank-Zugangsdaten rotieren - alle, die in Metabase hinterlegt sind
- Zugriffsprotokolle der angebundenen Systeme auswerten und die Aktivitätshistorie in Metabase prüfen
Punkt 4 ist der aufwendigste und der wichtigste. Wenn die hinterlegten Zugangsdaten abgeflossen sind, hilft ein gepatchtes Metabase nichts - der Angreifer spricht dann direkt mit der Datenbank.
Punkt 5 ist der, an dem die meisten scheitern. Wer keine Protokolle vorhält oder sie nicht auswerten kann, kann die Frage „ist etwas passiert?" nicht beantworten - und muss im Zweifel vom schlechteren Fall ausgehen.
Die Lücke ohne CVE - ein blinder Fleck im Monitoring
Beide Advisories tragen keine CVE-Nummer. Metabase hat sie als GitHub Security Advisory veröffentlicht; eine Zuweisung ist bislang nicht erfolgt.
Das ist nicht ungewöhnlich, hat aber praktische Folgen: Ein Schwachstellenscanner, der gegen die National Vulnerability Database abgleicht, meldet zu diesen Lücken nichts - obwohl eine davon aktiv ausgenutzt wird. Wer sein Schwachstellenmanagement allein auf CVE-Feeds stützt, hat hier einen blinden Fleck von möglicherweise mehreren Tagen.
Belastbares Monitoring für selbst gehostete Software zieht deshalb mehrere Quellen zusammen: CVE und NVD, aber auch die GitHub Security Advisories der eingesetzten Projekte, deren Release Notes und die Hersteller-Announcements. Wie wir das aufsetzen, steht in CVE-Monitoring für selbst gehostete Software.
Was das für Analytics-Werkzeuge grundsätzlich heißt
Der Fall Metabase ist kein Einzelfall, sondern ein Muster. Business-Intelligence-Werkzeuge, ETL-Strecken und Dashboard-Plattformen haben alle dieselbe Eigenschaft: Sie sind Zugangsdaten-Tresore. Ihre Aufgabe besteht darin, sich mit möglichst vielen Datenquellen zu verbinden.
Daraus folgen drei Regeln, die unabhängig vom Produkt gelten:
Nicht öffentlich erreichbar. Ein BI-Werkzeug hat keinen Grund, aus dem offenen Internet erreichbar zu sein. Zugriff über identitätsbasierten Fernzugriff mit Mehrfaktorauthentifizierung kostet wenig und nimmt einer ganzen Klasse von Angriffen die Grundlage.
Getrennte Datenbankbenutzer mit Lesezugriff. Wenn Metabase mit einem Konto verbunden ist, das nur lesen darf und nur die benötigten Schemata sieht, ist ein kompromittiertes Metabase ein Datenleck - aber keine Übernahme des Data Warehouse.
Zugangsdaten rotierbar halten. Der fünfte Nacharbeitsschritt oben ist nur dann in Stunden statt Tagen erledigt, wenn vorher jemand aufgeschrieben hat, welche Zugangsdaten wo hinterlegt sind.
Unser Vorgehen bei WZ-IT
Für die von uns betriebenen Systeme überwachen wir Schwachstellen nicht nur über CVE-Feeds, sondern über die Advisory-Kanäle der eingesetzten Projekte - genau deshalb, weil Fälle wie dieser ohne CVE-Nummer auflaufen. Kritische Meldungen bewerten wir gegen den tatsächlichen Bestand: Welche Version läuft wo, ist die Instanz überhaupt erreichbar, und greift eine der Übergangsmaßnahmen.
Beim Einrichten selbst gehosteter Anwendungen setzen wir die drei Punkte aus dem vorigen Abschnitt als Standard: kein öffentlicher Zugang, getrennte Datenbankbenutzer mit dem geringstmöglichen Recht, dokumentierte Zugangsdaten. Das ist kein Mehraufwand im Betrieb, sondern der Unterschied zwischen einem Patch-Wochenende und einer Meldung nach NIS2.
Wenn Sie nicht sicher sind, wie Ihre bestehende Instanz dasteht: Der Server-Audit prüft Erreichbarkeit, Zugänge, Aktualisierungsstand und Wiederherstellbarkeit an einer Linux-Instanz zum Festpreis. Für den laufenden Betrieb ist CVE-Monitoring der passende Baustein.
Weiterführende Guides
- CVE-Monitoring für selbst gehostete Software - wie Schwachstellenmanagement ohne eigenes Security-Team funktioniert
- cPanel CVE-2026-41940 - derselbe Mechanismus, anderes Produkt
- OPNsense 26.1.8 - Patch-Management am Perimeter
- Linux-Kernel-Schwachstellen 2026 - warum Patch-Management Chefsache ist
- Managed Open Source - Betrieb quelloffener Anwendungen mit Wartungsfenster
- Compliance und NIS2 - Meldepflichten und was sie voraussetzen
Metabase im Einsatz und unsicher, ob die Instanz sauber ist? Wir prüfen Version, Erreichbarkeit und Zugriffsspuren, spielen den Patch ein und arbeiten die Nacharbeit ab - kurz sprechen oder direkt zum Server-Audit.
Quellen
- GHSA-vwf4-m7j8-wcjf: SQL injection using an unauthenticated endpoint leading to admin access
- GHSA-r8h2-qpfx-mx59: SQL injection using a publicly shared dashboard leading to admin access
- Metabase: Übersicht aller Security Advisories
- FIRST: CVSS v3.1 Specification Document (Scope-Metrik)
- BSI: NIS-2 und Meldepflichten für Unternehmen
Häufig gestellte Fragen
Antworten auf wichtige Fragen zu diesem Thema
Betroffen sind x.58.0 bis x.58.23, x.59.0 bis x.59.20, x.60.0 bis x.60.16, x.61.0 bis x.61.10, x.62.0 bis x.62.8 sowie x.63.0 bis x.63.4. Gepatcht sind x.58.24, x.59.21, x.60.17, x.61.11, x.62.9 und x.63.5. Wer eine ältere Hauptversion betreibt, muss zuerst auf einen dieser Zweige.
Nein. Metabase hat beide Schwachstellen am 6. August 2026 als GitHub Security Advisory veröffentlicht, ohne dass eine CVE zugewiesen wurde. Die belastbaren Kennungen sind GHSA-vwf4-m7j8-wcjf und GHSA-r8h2-qpfx-mx59. Schwachstellenscanner, die ausschließlich gegen die NVD abgleichen, melden dazu aktuell nichts.
Wegen der Scope-Änderung im Vektor (S:C). Die Injektion trifft die Anwendungsdatenbank von Metabase, aber dort liegen die Zugangsdaten zu allen angebundenen Datenquellen. Der Schaden bleibt also nicht in Metabase, sondern reicht in jedes verbundene Data Warehouse.
Für die unauthentifizierte Lücke den Endpunkt /api/session/reset_password netzseitig sperren. Für die zweite Lücke öffentliches Teilen abschalten oder zumindest alle öffentlichen Links mit Field-Filter-Parametern zurückziehen. Beides sind Übergangsmaßnahmen, kein Ersatz für das Update.
Nein. Metabase nennt für die aktiv ausgenutzte Lücke ausdrücklich Nacharbeit: alle Sitzungen in der Tabelle core_session löschen, unbekannte API-Schlüssel widerrufen, Administratorkonten auf unbefugte Änderungen prüfen, Datenbank-Zugangsdaten rotieren und die Zugriffsprotokolle der angebundenen Systeme durchsehen.
Das hängt davon ab, ob Ihr Unternehmen unter NIS2 fällt und ob es Anhaltspunkte für einen erheblichen Sicherheitsvorfall gibt. Ein reines Update ohne Kompromittierungshinweise ist kein meldepflichtiger Vorfall. Sobald jedoch Hinweise auf unbefugten Zugriff vorliegen, greifen kurze Meldefristen - dann zählt, ob Sie die Protokolle überhaupt auswerten können.
Nein. Beide Schwachstellen vom 6. August 2026 sind SQL-Injection in die Anwendungsdatenbank von Metabase, die zu Administratorzugriff führt. Es wird kein Code auf dem Server ausgeführt. Eine ältere Metabase-Schwachstelle mit Codeausführung existiert zwar - GHSA-8wx2-rxp2-4x35 beziehungsweise CVE-2026-59826 vom 30. Juni 2026 - das ist aber ein anderer Vorgang.
In der Oberfläche unter Einstellungen im Administrationsbereich, oder bei Container-Betrieb direkt am Image-Tag. Metabase nennt Versionen in der Form x.63.5, wobei x für die Ausgabe steht: v für die Open-Source-Variante, 1 für die Enterprise-Variante. Für die Bewertung zählt nur der Teil hinter dem Punkt.
Die Advisories treffen dazu keine Aussage. Sie richten sich ausdrücklich an Self-Hosting-Betreiber und nennen Versionsbereiche der selbst betriebenen Ausgaben. Wer Metabase Cloud nutzt, sollte den Status beim Anbieter erfragen, statt aus dem Schweigen der Advisories auf Betroffenheit oder Nichtbetroffenheit zu schließen.

Geschrieben von
Timo Wevelsiep
Co-Founder & CEO
Co-Founder von WZ-IT. Spezialisiert auf Cloud-Infrastruktur, Open-Source-Plattformen und Managed Services für KMUs und Enterprise-Kunden weltweit.
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