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restic, Borg oder Kopia: Backup-Werkzeuge im Vergleich für den Unternehmensbetrieb

restic, Borg oder Kopia: Backup-Werkzeuge im Vergleich für den Unternehmensbetrieb

Hinweis zum Inhalt: Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zusammengestellt. Technische Details, Preise, Versionen, Lizenzmodelle und externe Inhalte können sich ändern. Bitte prüfen Sie die genannten Angaben eigenständig, insbesondere vor geschäftskritischen oder sicherheitsrelevanten Entscheidungen. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung.

Läuft Ihre Sicherung, aber wurde die Wiederherstellung nie geprüft? WZ-IT richtet Sicherungen ein, testet die Wiederherstellung regelmäßig und dokumentiert sie als Teil von Managed Operations. Sicherungskonzept gemeinsam prüfen

Vergleiche zwischen restic, Borg und Kopia gibt es reichlich, und fast alle stammen aus der Heimserver-Ecke. Dort zählen andere Dinge: Wie schnell läuft der erste Durchlauf, wie viel Platz spart die Deduplizierung, welches Werkzeug hat die schönere Oberfläche.

Im Unternehmensbetrieb verschiebt sich das. Eine Sicherung, die täglich läuft, ist wertlos, solange niemand geprüft hat, ob daraus ein arbeitsfähiges System zurückkommt. Und die Frage, welches Werkzeug 15 Prozent schneller sichert, ist nachrangig gegenüber der Frage, wer im Ernstfall die Wiederherstellung durchführt.

Dieser Beitrag ordnet die drei Werkzeuge anhand überprüfbarer Merkmale ein und benennt danach die Punkte, an denen Sicherungskonzepte tatsächlich scheitern. Alle Angaben aus den Repositories, Stand Juli 2026.

Inhaltsverzeichnis

Die drei Werkzeuge im Überblick

Angaben aus den öffentlichen Repositories, Stand Juli 2026.

Werkzeug GitHub-Sterne Lizenz Aktuelle Version Veröffentlicht Oberfläche
restic 35.691 BSD-2-Clause v0.19.1 05.07.2026 Kommandozeile
Kopia 13.951 Apache-2.0 v0.23.1 16.06.2026 Kommandozeile und grafisch
Borg 13.649 BSD-3-Clause 1.4.5 18.07.2026 Kommandozeile

Alle drei sind uneingeschränkt quelloffen. Keines trennt Funktionen in einen proprietären Teil ab, wie es in anderen Bereichen üblich geworden ist. Für ein Werkzeug, das im Ernstfall zwischen Ihnen und dem Datenverlust steht, ist das ein nicht unerheblicher Punkt.

Was alle drei gleich machen

Die Gemeinsamkeiten sind größer als die Unterschiede, und das wird in Vergleichen selten deutlich gesagt:

  • Verschlüsselung vor der Übertragung, mit Schlüsseln, die beim Betreiber bleiben
  • Deduplizierung auf Blockebene, sodass gleiche Inhalte nur einmal liegen
  • Versionierte Sicherungspunkte, aus denen sich ein beliebiger früherer Stand herstellen lässt
  • Aufbewahrungsregeln, etwa täglich sieben, wöchentlich vier, monatlich zwölf
  • Prüfbarkeit der abgelegten Daten gegen stille Verfälschung

Wer eines der drei sauber betreibt, hat kein schlechteres Ergebnis als mit einem der anderen. Die Auswahl entscheidet über Aufwand und Passung, nicht über Sicherheit.

Wo sie sich unterscheiden

Merkmal restic Borg Kopia
S3-kompatible Ziele direkt ja nein, Umweg nötig ja
Grafische Anwendung nein nein ja
Gegenstelle einfacher Speicher Programm auf der Gegenseite einfacher Speicher
Formale Version vor 1.0 1.x vor 1.0

Der wichtigste Unterschied im Betrieb ist die Gegenstelle. Borg erwartet auf der Zielseite ein laufendes Borg, was Geschwindigkeit bringt und einen Server voraussetzt. restic und Kopia behandeln das Ziel als dummen Speicher, was Objektspeicher unmittelbar nutzbar macht und Rechenlast auf die Quelle verlagert.

Daraus folgt eine praktische Regel: Wer nach Objektspeicher sichern will, ohne dafür einen weiteren Server zu betreiben, kommt mit restic oder Kopia schneller ans Ziel. Wer ohnehin einen Sicherungsserver betreibt, kann Borgs Modell nutzen.

Der Versionsstand als Entscheidungsfaktor

Ein Punkt, der in Heimserver-Vergleichen nicht vorkommt, im Unternehmen aber gefragt wird: restic und Kopia stehen formal vor Version 1.0.

Das ist kein Ausschlusskriterium. Beide werden seit Jahren produktiv eingesetzt, restic hat mit über 35.000 Sternen die größte Verbreitung der drei. Aber eine Vorversion behält sich üblicherweise Änderungen an Verhalten und Formaten vor, und bei einem Sicherungswerkzeug betrifft das im Zweifel die Lesbarkeit älterer Sicherungspunkte.

Praktische Folge, unabhängig von der Wahl: Aktualisierungen des Sicherungswerkzeugs gehören getestet wie jede andere Änderung, und zwar mit einer Wiederherstellung aus einem vor der Aktualisierung erstellten Sicherungspunkt.

restic

Das verbreitetste der drei, unter BSD-2-Clause, geschrieben in Go und als einzelne ausführbare Datei verteilbar. Spricht S3, Backblaze B2, Azure, Google Cloud Storage sowie SFTP direkt an und lässt sich über rclone an praktisch jedes weitere Ziel anbinden.

Die Stärke ist die Breite der Ziele und die Einfachheit der Einrichtung. Die aktuelle Version v0.19.1 stammt vom 5. Juli 2026.

Borg

Das älteste der drei und das einzige mit einer 1.x-Version, aktuell 1.4.5 vom 18. Juli 2026, unter BSD-3-Clause. Ausgelegt auf ein Repository, das entweder lokal liegt oder über SSH erreichbar ist, mit Borg auf der Gegenseite.

Diese Bauart bringt Geschwindigkeitsvorteile bei großen Beständen und setzt einen Sicherungsserver voraus. Für Objektspeicher als Ziel ist Borg der umständlichste Weg der drei.

Kopia

Das jüngste der drei, unter Apache-2.0, und das einzige mit einer grafischen Anwendung neben der Kommandozeile. Spricht ebenfalls S3-kompatible Ziele direkt an. Aktuell v0.23.1 vom 16. Juni 2026.

Die grafische Oberfläche ist der klarste Unterschied. Für Server im automatisierten Betrieb spielt sie keine Rolle, für Arbeitsplatzsicherungen durch wechselnde Personen schon.

Abgrenzung: Dateisicherung ist nicht Systemsicherung

Ein Punkt, an dem Konzepte regelmäßig auseinanderfallen: Diese drei Werkzeuge sichern Dateien und Verzeichnisse innerhalb eines laufenden Systems. Sie sichern keine virtuellen Maschinen als Ganzes.

Wer Proxmox betreibt, braucht für Maschinen und Container eine Sicherung, die die Virtualisierung kennt. Dafür gibt es den Proxmox Backup Server, der auf Blockebene arbeitet und Änderungen zwischen Sicherungsläufen verfolgt. Wie sich der mit Objektspeicher verbindet, haben wir gesondert beschrieben.

In der Praxis laufen beide Ebenen nebeneinander: die Maschinensicherung für den vollständigen Wiederanlauf, die Dateisicherung für einzelne Datenbestände, längere Aufbewahrung oder Systeme außerhalb der Virtualisierung.

Welches Werkzeug wofür

Ausgangslage Naheliegende Wahl Begründung
Ziel ist ein Objektspeicher, kein eigener Sicherungsserver restic größte Zielauswahl, einfachste Einrichtung
Sicherungsserver vorhanden, große Bestände über LAN oder SSH Borg Gegenstelle rechnet mit, einzige 1.x-Version
Arbeitsplätze mit wechselnden Nutzern, Oberfläche gewünscht Kopia grafische Anwendung, S3-Ziele direkt
Virtuelle Maschinen unter Proxmox Proxmox Backup Server arbeitet auf Blockebene mit Kenntnis der Virtualisierung
Mehrere der obigen Fälle Kombination eine Ebene je Aufgabe, keine Universallösung erzwingen

Woran Sicherungskonzepte tatsächlich scheitern

Nach unserer Erfahrung entscheidet keiner der Punkte oben über den Ausgang eines Ernstfalls. Diese vier tun es:

Die Wiederherstellung wurde nie geprüft. Der häufigste Befund. Sicherungen laufen seit Jahren, niemand hat je zurückgespielt. Ob das Ergebnis ein arbeitsfähiges System ist, weiß man erst, wenn man es braucht, und dann ist es zu spät für Überraschungen.

Es gibt nur einen Ablageort. Verschlüsselungsangriffe zielen inzwischen ausdrücklich auf erreichbare Sicherungen. Eine Kopie, die vom gesicherten System aus gelöscht werden kann, ist im Angriffsfall keine.

Die Wiederherstellungsdauer ist unbekannt. Aus drei Terabyte über eine 100-Mbit-Leitung zurückzuspielen dauert Tage. Wenn die Erwartung bei vier Stunden liegt, ist das Konzept falsch dimensioniert, unabhängig vom Werkzeug.

Datenbanken werden dateiweise gesichert. Eine laufende Datenbank im Dateisystem mitzunehmen ergibt im Zweifel einen unbrauchbaren Stand. Datenbanken brauchen einen eigenen Auszug oder eine Momentaufnahme mit Kenntnis der Anwendung.

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Unser Vorgehen bei WZ-IT

Wir setzen alle drei Werkzeuge ein, je nach Umgebung, und haben keine Hausmarke. Die Auswahl fällt nach dem Ablageort und danach, wer die Sicherung bedienen können muss.

Was wir nicht verhandeln, ist der Wiederherstellungstest. Er gehört in den Betrieb, nicht in die Absicht, und er wird dokumentiert. Aus demselben Grund gehört zu jedem Konzept eine benannte Wiederherstellungsdauer, gemessen statt geschätzt.

Bei virtualisierten Umgebungen kombinieren wir Maschinensicherung und Dateisicherung, statt eine Ebene beides erledigen zu lassen. Das kostet etwas mehr Speicher und spart im Ernstfall Stunden.

Weiterführende Guides

Wissen Sie, wie lange eine vollständige Wiederherstellung dauert? Wir messen es, statt zu schätzen, und bringen Sicherung und Erwartung in Übereinstimmung. Termin vereinbaren

Quellen

Timo Wevelsiep

Geschrieben von

Timo Wevelsiep

Co-Founder & CEO

Co-Founder von WZ-IT. Spezialisiert auf Cloud-Infrastruktur, Open-Source-Plattformen und Managed Services für KMUs und Enterprise-Kunden weltweit.

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