Wissen Sie, unter welcher Lizenz Ihre Komponenten heute stehen? WZ-IT prüft den Open-Source-Bestand und verfolgt Lizenz- und Versionsstände im Rahmen von Managed Open Source und Managed Operations. Bestand gemeinsam sichten
Seit 2018 hat eine Reihe bekannter Open-Source-Projekte die Lizenz gewechselt, meistens weg von einer anerkannten Open-Source-Lizenz hin zu einem Modell mit Einschränkungen. Zwei haben den Schritt inzwischen teilweise zurückgenommen, einer hat sein freies Angebot ganz eingestellt.
Für Betreiber entsteht daraus eine unangenehme Lage: Eine Komponente, die vor drei Jahren unbedenklich war, steht heute möglicherweise unter anderen Bedingungen. Und weil das leise passiert, merkt man es selten von selbst.
Dieser Beitrag stellt die Chronik zusammen, sagt bei jedem Projekt, was heute gilt, und beantwortet die einzige Frage, die für die meisten zählt: betrifft es meinen Einsatz überhaupt?
Alle Lizenzangaben aus den Lizenzdateien der Projekte, Stand 1. September 2026.
Inhaltsverzeichnis
- Die Chronik im Überblick
- Was die Lizenzen bedeuten
- MongoDB 2018
- Elastic 2021 und die Rücknahme
- HashiCorp 2023 und OpenTofu
- Redis 2024 und die Rücknahme
- MinIO 2025 bis 2026
- Das Muster dahinter
- Betrifft es Ihren Einsatz
- Unser Vorgehen bei WZ-IT
- Weiterführende Guides
Die Chronik im Überblick
| Jahr | Projekt | Von | Nach | Abspaltung | Heute |
|---|---|---|---|---|---|
| 2018 | MongoDB | AGPL | SSPL | keine durchgesetzte | SSPL |
| 2021 | Elasticsearch | Apache-2.0 | SSPL und Elastic License | OpenSearch | AGPLv3 wieder möglich |
| 2023 | Terraform | MPL-2.0 | BSL 1.1 | OpenTofu | BSL 1.1, Lizenzgeber IBM |
| 2023 | Vault | MPL-2.0 | BSL 1.1 | OpenBao | BSL 1.1 |
| 2024 | Redis | BSD | SSPL und RSAL | Valkey | AGPLv3 wieder möglich |
| 2025/26 | MinIO | AGPL blieb | Community Edition eingestellt | keine | archiviert |
Zwei Rücknahmen, zwei bestehende Wechsel, ein vollständiger Rückzug. Das Bild ist damit weniger einheitlich, als die Erzählung vom "Ende von Open Source" nahelegt.
Was die Lizenzen bedeuten
Die drei Kürzel, um die es geht, unterscheiden sich erheblich.
SSPL (Server Side Public License). Verlangt, dass wer die Software als Dienst anbietet, den gesamten Quelltext der Dienstinfrastruktur offenlegt. Die Open Source Initiative erkennt SSPL nicht als Open-Source-Lizenz an, weil sie den Einsatzzweck einschränkt.
BSL (Business Source License). Erlaubt Nutzung und Änderung, verbietet aber, die Software als konkurrierendes Angebot bereitzustellen. Nach einer festgelegten Frist, üblicherweise vier Jahre je Version, wandelt sich die Lizenz in eine echte Open-Source-Lizenz. Auch BSL ist keine anerkannte Open-Source-Lizenz.
AGPLv3. Eine anerkannte Open-Source-Lizenz. Verlangt, dass Änderungen offengelegt werden, wenn die Software über ein Netzwerk bereitgestellt wird. Für den internen Eigengebrauch ohne Weitergabe ist das in aller Regel unproblematisch.
Der entscheidende Unterschied: AGPLv3 verlangt Offenlegung von Änderungen, SSPL von der gesamten Umgebung, BSL verbietet ein konkurrierendes Angebot.
MongoDB 2018
Der Anfang der Reihe. MongoDB wechselte von AGPL zu SSPL, mit der Begründung, Cloud-Anbieter böten die Datenbank als Dienst an, ohne zur Entwicklung beizutragen.
Eine Abspaltung hat sich nicht durchgesetzt. MongoDB steht bis heute unter SSPL.
Elastic 2021 und die Rücknahme
Elasticsearch wechselte 2021 von Apache-2.0 auf ein Modell aus SSPL und Elastic License, mit derselben Begründung. AWS reagierte mit OpenSearch, einer Abspaltung unter Apache-2.0, die sich etabliert hat. Wie sich die beiden heute unterscheiden, haben wir in einem eigenen Vergleich beschrieben.
Bemerkenswert ist der zweite Schritt: Elastic hat die Entscheidung teilweise zurückgenommen. Die Lizenzdatei weist heute eine Dreifachlizenzierung aus, bei der neben SSPL und Elastic License auch AGPLv3 zur Wahl steht, also eine anerkannte Open-Source-Lizenz.
HashiCorp 2023 und OpenTofu
HashiCorp stellte 2023 Terraform, Vault und weitere Produkte von MPL-2.0 auf BSL 1.1 um. Die Reaktion kam schnell und organisiert: OpenTofu als Abspaltung von Terraform, OpenBao als Abspaltung von Vault, beide unter Dach der Linux Foundation.
Dieser Wechsel ist der einzige der Reihe, der nicht zurückgenommen wurde. Im Gegenteil: Ein Blick in die Lizenzdatei von Terraform zeigt heute als Lizenzgeber International Business Machines Corporation (IBM) eingetragen. Die Übernahme von HashiCorp durch IBM ist damit bis in den Lizenztext durchgeschlagen.
OpenTofu steht unter MPL-2.0 und wird aktiv entwickelt. Für Terraform-Nutzer ist der Wechsel technisch überschaubar, weil die Konfigurationssprache dieselbe ist.
Redis 2024 und die Rücknahme
Redis wechselte im März 2024 von BSD auf ein Modell aus SSPL und RSAL. AWS und Google gründeten daraufhin Valkey als Abspaltung unter BSD-3-Clause.
Im Mai 2025 nahm Redis den Schritt teilweise zurück und ergänzte AGPLv3 als weitere Wahlmöglichkeit. Die Lizenzdatei beschreibt seit Redis 8 ein Modell mit drei Optionen: RSALv2, SSPLv1 oder AGPLv3.
Damit steht Redis wieder unter einer anerkannten Open-Source-Lizenz, wenn man sie wählt. Valkey existiert weiter und wird aktiv entwickelt.
MinIO 2025 bis 2026
Der Sonderfall der Reihe, weil hier keine Lizenz gewechselt wurde. MinIO stand und steht unter AGPL-3.0. Eingestellt wurde stattdessen das freie Angebot selbst: Verwaltungsoberfläche aus der Community Edition entfernt (Mai 2025), Wartungsmodus (Dezember 2025), Repository archiviert (April 2026).
Das zeigt eine Variante, die in der Diskussion um Lizenzen untergeht: Ein Projekt kann unter einer freien Lizenz stehen und trotzdem aufhören, verfügbar zu sein. Was daraus für Betreiber folgt, haben wir gesondert beschrieben.
Das Muster dahinter
Über sechs Jahre wiederholt sich dieselbe Konstellation:
- Ein einzelnes Unternehmen kontrolliert das Projekt. Nicht eine Stiftung, nicht eine breite Gemeinschaft.
- Ein Cloud-Anbieter verkauft es als Dienst, ohne wesentlich zur Entwicklung beizutragen.
- Kapitalgeber erwarten eine Rendite aus einem Produkt, das kostenlos verfügbar ist.
Wo diese drei zusammentreffen, ist eine Lizenzänderung wahrscheinlich. Wo eines fehlt, ist sie es nicht: Projekte unter Stiftungsdach oder mit breiter Trägerschaft haben diesen Weg nicht genommen.
Das ist keine Vorhersage für einzelne Projekte, sondern ein Prüfraster. Wer eine Komponente einsetzt, auf die alle drei Punkte zutreffen, sollte wissen, welche Alternative es gäbe, auch wenn heute nichts zu tun ist.
Betrifft es Ihren Einsatz
Für die meisten Betreiber lautet die Antwort: nein, und das geht in der Aufregung unter.
| Ihr Einsatz | Betroffen? |
|---|---|
| Interner Eigengebrauch, keine Weitergabe | praktisch nie |
| Software in ein eigenes Produkt eingebettet und ausgeliefert | prüfen, bei AGPL und BSL relevant |
| Als Dienst für Dritte betrieben | prüfen, Kernfall aller Einschränkungen |
| Weiterverkauf oder White-Label | prüfen, Kernfall |
Konkret: Wer Terraform nutzt, um die eigene Infrastruktur zu verwalten, ist von der BSL nicht betroffen. Wer Terraform als Bestandteil eines Angebots für Kunden bereitstellt, sollte die Bedingungen anwaltlich prüfen lassen.
Dasselbe gilt für AGPL: Interner Betrieb ohne Weitergabe löst keine Offenlegungspflicht aus. Ein Dienst für Dritte, in dem eigene Änderungen stecken, sehr wohl.
Wir geben dazu keine Rechtsberatung. Was wir beitragen können, ist die technische Seite: welche Komponente in welcher Version mit welcher Lizenz tatsächlich läuft.
Unser Vorgehen bei WZ-IT
Wir führen für betreute Umgebungen eine Liste der eingesetzten Komponenten mit Version und Lizenz. Das klingt nach Bürokratie und ist die Voraussetzung dafür, eine Meldung wie den MinIO-Rückzug überhaupt auf den eigenen Bestand beziehen zu können.
Bei Lizenzänderungen prüfen wir zuerst, ob der konkrete Einsatz betroffen ist, und raten in der Mehrzahl der Fälle zu nichts. Ein Wechsel ohne Anlass kostet Zeit und erzeugt Risiko.
Wo wir raten, ist bei aufgegebenen Projekten. Eine archivierte Komponente ist ein anderes Problem als eine mit unbequemer Lizenz: Bei der Lizenz kann man prüfen, ob sie stört, bei der Aufgabe läuft die Zeit.
Weiterführende Guides
- MinIO ist archiviert: Alternativen im Vergleich - der aktuellste Fall der Reihe
- OpenSearch gegen Elasticsearch - die Abspaltung von 2021 heute
- Self-hosted PaaS im Vergleich - wo Lizenzgrenzen auch im Kleinen verlaufen
- Managed Operations - laufende Beobachtung von Versionen und Lizenzen
Unklar, welche Lizenzlage für Ihre Komponenten gilt? Wir erfassen den Bestand und sagen, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht und wo nicht. Termin vereinbaren












