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Die VMware-Lizenzfalle im Mittelstand: das Essentials Kit hat keinen Nachfolger

Die VMware-Lizenzfalle im Mittelstand: das Essentials Kit hat keinen Nachfolger

Hinweis zum Inhalt: Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zusammengestellt. Technische Details, Preise, Versionen, Lizenzmodelle und externe Inhalte können sich ändern. Bitte prüfen Sie die genannten Angaben eigenständig, insbesondere vor geschäftskritischen oder sicherheitsrelevanten Entscheidungen. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung.

Steht Ihre VMware-Verlängerung an? WZ-IT rechnet die Lizenzlage durch, stellt Alternativen gegenüber und begleitet den Umstieg, siehe Proxmox statt VMware. Lage gemeinsam durchrechnen

Die Berichterstattung über VMware-Preise arbeitet mit großen Zahlen: Vervierfachungen, 60 Prozent Mehrkosten, Prozentwerte aus Analystenberichten. Solche Zahlen sind eindrücklich und für Ihre Planung wertlos, weil Broadcom keine öffentliche Preisliste führt und jede Konditionsfrage über einen Partner verhandelt wird.

Was sich dagegen belegen lässt, sind die strukturellen Änderungen, und eine davon trifft kleine Umgebungen besonders: Das Produkt, das für Drei-Host-Cluster gedacht war, gibt es nicht mehr, und es hat keinen Nachfolger.

Dieser Beitrag ordnet ein, was tatsächlich geändert wurde, was davon wieder zurückgenommen wurde, und wie Sie Ihre eigene Lage berechnen, statt mit fremden Zahlen zu planen. Stand 31. August 2026, ergänzt am 1. Oktober 2026 um die Befragung durch die EU-Kommission.

Inhaltsverzeichnis

Was sich tatsächlich geändert hat

Broadcom hat VMware im November 2023 übernommen. Seitdem sind drei Änderungen belegt und dauerhaft:

Änderung Folge
Keine Dauerlizenzen mehr Nur noch Abonnements über ein, drei oder fünf Jahre
Abrechnung pro Kern statt pro Prozessor Mindestmengen wirken sich auf kleine Umgebungen stärker aus
Portfolio zusammengefasst Die Kits Essentials und Essentials Plus wurden eingestellt

Bestehende Dauerlizenzen laufen weiter. Was endet, ist die Fortsetzung im bisherigen Modell bei der nächsten Verlängerung.

Das Essentials Kit und sein fehlender Nachfolger

Das vSphere Essentials Kit und das Essentials Plus Kit waren die Antwort auf eine bestimmte Größenordnung: drei Hosts, überschaubare Kernzahl, ein Preis, den ein Mittelständler ohne Ausschreibung freigeben konnte.

Beide wurden eingestellt. Ein direkter Nachfolger für diese Größenordnung existiert nicht. Betroffene werden auf vSphere Foundation verwiesen, ein Bündel, das Bestandteile enthält, die kleine Umgebungen nicht brauchen, und entsprechend anders kalkuliert ist.

Das ist die eigentliche Nachricht für den Mittelstand, und sie geht in der Diskussion über Prozentwerte unter. Es geht nicht darum, dass dasselbe Produkt teurer geworden ist. Es geht darum, dass das passende Produkt nicht mehr angeboten wird und die verbleibenden Bündel für eine andere Zielgruppe geschnitten sind.

Wer heute drei Hosts virtualisiert, kauft künftig ein Bündel, das für größere Umgebungen gedacht ist, oder wechselt die Plattform. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.

Die 72-Kern-Episode und was daraus zu lernen ist

Im April 2025 kündigte Broadcom an, die Mindestbestellmenge von 16 auf 72 Kerne je Abonnement anzuheben. Für einen Cluster mit 32 Kernen hätte das bedeutet, 72 zu lizenzieren und 40 davon nie zu nutzen.

Nach Protesten aus dem Mittelstand, von Außenstellen und von öffentlichen Rechenzentren wurde die Entscheidung noch im selben Jahr zurückgenommen. Es gilt wieder eine Untergrenze von 16 Kernen.

Diese Episode ist aus zwei Gründen wichtig.

Erstens praktisch: Wer eine Aufstellung aus dem Jahr 2025 liest, findet dort die 72 und rechnet mit einer Zahl, die nicht mehr gilt. Etliche Vergleichsseiten führen sie weiterhin.

Zweitens grundsätzlich: Die Bedingungen haben sich innerhalb von zwei Jahren mehrfach geändert, in beide Richtungen. Wer eine Plattformentscheidung auf angekündigte Konditionen stützt, stützt sie auf etwas, das sich vor der nächsten Verlängerung wieder ändern kann. Das ist das eigentliche Planungsrisiko, nicht die Höhe eines einzelnen Preises.

Warum Zahlen aus Blogbeiträgen hier nicht tragen

Es kursieren konkrete Fallzahlen: ein Finanzdienstleister, dessen Rechnung sich vervierfacht habe, ein Mittelständler, dessen Budget von 35.000 auf über 200.000 Euro gestiegen sei.

Solche Zahlen sind als Hinweis brauchbar und als Planungsgrundlage nicht, aus einem einfachen Grund: Broadcom führt keine öffentliche Preisliste. Konditionen werden über Partner verhandelt und hängen von Kernzahl, Laufzeit, Bündel und Verhandlungsposition ab. Zwei Unternehmen derselben Größe können unterschiedliche Angebote bekommen.

Belastbar ist nur ein Angebot für Ihre konkrete Umgebung. Alles andere ist Kontext.

Wir nennen deshalb in diesem Beitrag bewusst keine Eurobeträge. Was wir stattdessen liefern, ist der Weg zu Ihrer eigenen Zahl.

So berechnen Sie Ihre eigene Lage

Vier Angaben genügen, um ein Angebot einordnen zu können:

1. Kerne, nicht Hosts. Zählen Sie die physischen Kerne aller Hosts zusammen, die virtualisiert werden. Das ist die Abrechnungsgrundlage. Drei Hosts mit je zwei Prozessoren zu 16 Kernen ergeben 96 Kerne.

2. Die Mindestmenge. Lizenziert werden mindestens 16 Kerne je physischem Prozessor, auch wenn die CPU weniger Kerne hat (Broadcom Knowledge Base). Bei kleinen Hosts kann das bedeuten, dass Sie mehr lizenzieren als verbaut ist.

3. Das Bündel. Klären Sie, welches Bündel Ihnen angeboten wird und welche Bestandteile davon Sie tatsächlich einsetzen werden. Bündel enthalten regelmäßig Komponenten, die in kleinen Umgebungen ungenutzt bleiben, aber im Preis stecken.

4. Die Laufzeit. Ein Preis für ein Jahr und ein Preis für fünf Jahre sind verschiedene Aussagen. Fragen Sie beides ab und rechnen Sie auf Jahreskosten um.

Mit diesen vier Angaben lässt sich ein Angebot mit einer Alternative vergleichen. Ohne sie vergleicht man Eindrücke.

Die EU-Kommission befragt Cloud-Anbieter

Im September 2026 ist die Lizenzpolitik von Broadcom bei der EU-Wettbewerbsaufsicht angekommen. Der Stand (Oktober 2026):

Datum Ereignis Quelle
11. September 2026 Bloomberg berichtet, dass die Generaldirektion Wettbewerb (GD COMP) europäische Cloud-Anbieter zur Bedeutung und Ersetzbarkeit von VMware sowie zu Zertifizierungsregeln befragt SDxCentral, 14. September 2026
vor September 2026 Der Branchenverband CISPE hat bei der Kommission Beschwerde gegen die Schließung des VMware-Partnerprogramms für Cloud-Anbieter (VCSP) eingelegt SDxCentral
15. September 2026 CISPE fordert einstweilige Maßnahmen und wirft Broadcom vor, die Mehrheit der europäischen Cloud-Anbieter von VMware-Angeboten auszuschließen und Endkunden das Recht auf eigene Lizenzen (BYOL) zu entziehen CISPE
Stand 1. Oktober 2026 Ein förmliches Verfahren ist nach diesen Berichten nicht eröffnet SDxCentral

Die Befragung von Marktteilnehmern ist ein Vorschritt. Mögliche nächste Schritte wären ein förmliches Verfahren oder einstweilige Maßnahmen; ob und wann es dazu kommt, ist offen.

Für ein mittelständisches Unternehmen ändert das an der eigenen Rechnung vorerst nichts. Zwei Punkte sind trotzdem relevant:

  • VMware beim Hosting-Anbieter. Wer vSphere nicht selbst betreibt, sondern bei einem Cloud- oder Hosting-Anbieter nutzt, ist von der Schließung des Partnerprogramms direkt betroffen. Hier lohnt die Frage an den Anbieter, unter welchen Bedingungen er VMware weiter anbietet.
  • Keine Planung auf eine Entscheidung aus Brüssel. Eine Verlängerung aufzuschieben in der Erwartung, dass die Kommission die Bedingungen ändert, ersetzt eine Planung durch eine Hoffnung. Der feste Termin bleibt das eigene Vertragsende.

Der Zeitpunkt der Entscheidung

Es gibt keinen Anlass für Eile. Bestehende Umgebungen laufen weiter, und eine Migration unter Zeitdruck ist der teuerste Weg, sie durchzuführen.

Der Zeitpunkt, an dem eine Entscheidung fällt, ist die nächste Vertragsverlängerung. Daraus folgt ein sinnvoller Vorlauf:

Zeitpunkt Was ansteht
9 bis 12 Monate vorher Angebot einholen, Kernzahl ermitteln, Alternativen grob bewerten
6 Monate vorher Alternative in einer Testumgebung mit echten Maschinen erproben
3 Monate vorher Entscheidung treffen, bei Wechsel die Reihenfolge festlegen
Verlängerung Wechsel oder bewusste Verlängerung mit verhandelten Konditionen

Wer diesen Vorlauf hat, verhandelt anders. Ein Angebot, zu dem eine erprobte Alternative existiert, wird anders bewertet als eines ohne Ausweichmöglichkeit.

Was ein Wechsel wirklich kostet

Der häufigste Fehler in der Wirtschaftlichkeitsrechnung ist, Lizenzkosten gegen Lizenzkosten zu stellen. Das fällt zugunsten des Wechsels aus und ist unvollständig.

Was dazugehört:

Die Migration selbst. Virtuelle Maschinen zu übertragen ist ein gelöstes Problem. Der Aufwand liegt in der Reihenfolge, den Ausfallfenstern und dem Rückweg, der offenbleiben muss.

Die Sicherung. Sicherungslösungen für vSphere arbeiten über Schnittstellen, die es unter Proxmox so nicht gibt. Der Proxmox Backup Server übernimmt die Aufgabe, muss aber eingerichtet und die Wiederherstellung erprobt werden.

Die Überwachung. Vorhandene Prüfungen und Alarme greifen auf vSphere zu und müssen neu aufgesetzt werden. Welche Werkzeuge dafür in Frage kommen, haben wir im Monitoring-Vergleich eingeordnet.

Freigaben von Fremdherstellern. Prüfen Sie vor der Entscheidung, ob eine eingesetzte Anwendung ausdrücklich nur für vSphere freigegeben ist. Das ist selten, aber wenn es zutrifft, entscheidet es die Frage.

Einarbeitung. Ein Team, das vSphere seit zehn Jahren kennt, braucht Zeit für eine neue Oberfläche und andere Begriffe.

Rechnet man das ein, spricht das Ergebnis in den meisten mittelständischen Umgebungen weiterhin für den Wechsel, aber der Vorteil stellt sich später ein als die reine Lizenzrechnung nahelegt.

Wann VMware die richtige Wahl bleibt

Es gibt Umgebungen, in denen ein Wechsel nicht die richtige Antwort ist:

  • Anwendungen mit ausdrücklicher Freigabe nur für vSphere, wo eine Abweichung den Herstellersupport kostet
  • Sehr große Installationen, bei denen der Verhandlungsspielraum größer und der Migrationsaufwand erheblich ist
  • Umgebungen kurz vor einer ohnehin geplanten Erneuerung, bei denen sich die Frage in achtzehn Monaten neu stellt
  • Teams ohne Kapazität für eine Migration, solange die Kosten tragbar sind

In diesen Fällen ist die richtige Arbeit nicht der Wechsel, sondern die Verhandlung: Laufzeit, Bündelumfang und die Konditionen für die übernächste Verlängerung.

Unser Vorgehen bei WZ-IT

Wir beginnen mit der Kernzahl und dem Vertragsdatum, nicht mit einer Produktempfehlung. Beides zusammen ergibt, wie viel Zeit für eine geordnete Entscheidung bleibt.

Wenn ein Wechsel in Frage kommt, bauen wir eine Testumgebung mit echten Maschinen aus dem Bestand auf, nicht mit Beispielen. Erst wenn dort Migration, Sicherung und Wiederherstellung funktioniert haben, ist die Alternative belastbar. Was der Umstieg fachlich bedeutet, haben wir im Vergleich von Proxmox VE und VMware beschrieben.

Den laufenden Betrieb übernehmen wir auf Wunsch, einschließlich Sicherung, Überwachung und Aktualisierung im vereinbarten Fenster.

Weiterführende Guides

Wann läuft Ihr Vertrag aus? Wir ermitteln die Kernzahl, ordnen ein Angebot ein und bauen eine erprobte Alternative auf, bevor entschieden werden muss. Termin vereinbaren

Quellen

Timo Wevelsiep

Geschrieben von

Timo Wevelsiep

Co-Founder & CEO

Co-Founder von WZ-IT. Spezialisiert auf Cloud-Infrastruktur, Open-Source-Plattformen und Managed Services für KMUs und Enterprise-Kunden weltweit.

Häufig gestellte Fragen

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