Mailcow, Stalwart oder Mailu: Mailserver selbst betreiben im Vergleich

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E-Mail im eigenen Haus statt bei einem Hyperscaler? WZ-IT richtet Mailserver wie Mailcow ein, klärt die Zustellbarkeit vorab und übernimmt Managed Hosting und laufenden Betrieb. Vorhaben gemeinsam einordnen
Der eigene Mailserver ist das Sinnbild für souveräne IT und zugleich der Dienst, bei dem der Selbstbetrieb am häufigsten schiefgeht. Nicht wegen der Software, sondern weil E-Mail von etwas abhängt, das man nicht installieren kann: Reputation.
Dieser Beitrag ordnet die drei verbreiteten quelloffenen Lösungen ein und beginnt mit der Frage, die davor kommt: Ist ein eigener Mailserver überhaupt die richtige Antwort?
Alle Angaben aus den Repositories, Stand 4. September 2026.
Inhaltsverzeichnis
- Die Frage davor: selbst betreiben oder nicht
- Die drei im Überblick
- Zwei Bauarten, nicht drei
- Mailcow
- Stalwart
- Mailu
- Welches wofür
- Zustellbarkeit: die eigentliche Hürde
- Was beim Umzug tatsächlich Arbeit macht
- Unser Vorgehen bei WZ-IT
- Weiterführende Guides
Die Frage davor: selbst betreiben oder nicht
E-Mail hat pro Nutzer den höchsten Betriebsanspruch aller üblichen Dienste. Der Grund ist nicht die Technik, sondern dass die Funktion von der Bewertung durch andere abhängt: Ob Ihre Nachrichten ankommen, entscheiden fremde Systeme anhand Ihrer Reputation.
Diese Reputation baut sich über Monate auf und ist in Tagen verloren, etwa durch ein kompromittiertes Postfach, das Werbenachrichten verschickt.
Selbst betreiben ist richtig, wenn Daten das Haus nicht verlassen dürfen, wenn eine benannte Person den Dienst verantwortet und wenn Aufwand für Überwachung und Aktualisierung eingeplant ist.
Selbst betreiben ist falsch, wenn niemand zuständig ist, wenn der Server im Nebenbei laufen soll oder wenn der einzige Grund Kostenersparnis ist. Ein europäischer Anbieter mit Vertrag ist dann sowohl souveräner als auch zuverlässiger als ein schlecht betreuter eigener Server.
Das ist keine Zurückhaltung gegenüber dem Selbstbetrieb. Es ist die Voraussetzung dafür, dass er funktioniert.
Die drei im Überblick
Angaben aus den öffentlichen Repositories, Stand 4. September 2026.
| Stalwart | Mailcow | Mailu | |
|---|---|---|---|
| GitHub-Sterne | 14.325 | 13.313 | 7.471 |
| Lizenz | AGPL-3.0 und SELv2 | GPL-3.0 | MIT |
| Aufbau | einzelne Anwendung in Rust | Container-Verbund | Container-Verbund |
| Webmail | keines eingebaut | SOGo | Roundcube oder SnappyMail |
| Kalender und Kontakte | CalDAV und CardDAV eingebaut | über SOGo | über Webmail |
Ein Hinweis zur Lizenz von Stalwart: Das Projekt ist zweifach lizenziert unter AGPL-3.0 und der Stalwart Enterprise License v2. Ein Teil der Funktionen fällt damit unter die kommerzielle Lizenz. Wer eine bestimmte Funktion braucht, prüft vor der Entscheidung, auf welcher Seite sie liegt. Mailcow und Mailu haben diese Trennung nicht.
Zwei Bauarten, nicht drei
Der wesentliche Unterschied verläuft nicht zwischen drei Produkten, sondern zwischen zwei Ansätzen.
Mailcow und Mailu bündeln bekannte Einzelkomponenten. Postfix für den Versand, Dovecot für die Postfächer, Rspamd für die Spamfilterung, dazu Webmail und Verwaltung, alles in Containern. Der Vorteil: Jede Komponente ist seit Jahrzehnten erprobt, und für jedes Problem existiert dokumentiertes Wissen. Der Nachteil: viele bewegliche Teile.
Stalwart ist eine einzelne Anwendung. SMTP, IMAP, JMAP, CalDAV und CardDAV in einer in Rust geschriebenen Binärdatei. Der Vorteil: deutlich geringerer Ressourcenbedarf und ein Bruchteil der beweglichen Teile. Der Nachteil: ein junges Projekt an einer Stelle, an der Reife besonders zählt, und kein Rückgriff auf das über Jahrzehnte gewachsene Wissen zu Postfix und Dovecot.
Mailcow
Mailcow ist der ausgereifteste Vertreter für Unternehmen und die verbreitetste Wahl in der Größenordnung von 25 bis 150 Postfächern. Unter GPL-3.0, als Docker-Verbund betrieben.
Bringt mit SOGo Webmail, Kalender, Kontakte und Aufgabenverwaltung mit, dazu eine Verwaltungsoberfläche, mit der sich Postfächer, Weiterleitungen und Filter ohne Kommandozeile pflegen lassen.
Der Ressourcenbedarf ist entsprechend: Als Anforderung werden rund 6 GB Arbeitsspeicher zuzüglich Auslagerungsspeicher genannt.
Voraussetzung ist jemand, der einen Docker-Verbund pflegen kann und will. Wo diese Person existiert, ist Mailcow die naheliegende Wahl.
Stalwart
Das jüngste der drei und das mit dem interessantesten Ansatz. Eine einzelne Anwendung in Rust, die alle Protokolle selbst spricht, mit deutlich geringerem Ressourcenbedarf als ein Container-Verbund.
Stärke: wenig bewegliche Teile, moderne Protokollunterstützung einschließlich JMAP, Kalender und Kontakte ohne Zusatzsystem.
Grenzen: kein eingebautes Webmail, sodass Roundcube oder SOGo danebengestellt werden muss. Und die Zweifachlizenzierung, die einen Teil der Funktionen der kommerziellen Ausgabe vorbehält.
Für technisch geführte Umgebungen mit begrenzten Ressourcen ist es eine ernsthafte Alternative. Für ein Unternehmen, das eine fertige Lösung erwartet, ist Mailcow näher am Bedarf.
Mailu
Der leichtgewichtige Verwandte von Mailcow, unter MIT. Ebenfalls ein Verbund aus Postfix, Dovecot und Rspamd, aber schlanker geschnitten und mit einfacherer Einrichtung.
Stärke: geringerer Ressourcenbedarf als Mailcow bei ähnlichem Ansatz, gut geeignet für den Betrieb unter Kubernetes.
Grenze: kleinerer Funktionsumfang bei Verwaltung und Gruppenarbeit. Für Unternehmen mit Bedarf an Kalendern und geteilten Postfächern reicht es seltener als Mailcow.
Welches wofür
| Ausgangslage | Naheliegende Wahl | Begründung |
|---|---|---|
| 25 bis 150 Postfächer, Kalender und Webmail nötig | Mailcow | vollständigstes Paket, breit erprobt |
| Begrenzte Ressourcen, technisch geführtes Team | Stalwart | eine Anwendung statt Verbund, Lizenzgrenze prüfen |
| Betrieb unter Kubernetes gewünscht | Mailu | dafür ausgelegt, MIT-Lizenz |
| Niemand ist für den Dienst zuständig | keine davon | europäischer Anbieter statt eigener Server |
| Nur Kostenersparnis als Grund | keine davon | E-Mail ist der falsche Dienst dafür |
Zustellbarkeit: die eigentliche Hürde
Hier scheitern Umzüge, nicht an der Softwarewahl. Vier Punkte, die vor dem ersten produktiven Versand stehen müssen:
SPF, DKIM und DMARC. Ohne korrekte Einträge im DNS wird ein neuer Absender von großen Anbietern misstrauisch behandelt oder abgelehnt. Diese Einträge gehören gesetzt und geprüft, bevor die erste Nachricht rausgeht.
Der IP-Bereich. Nicht jede IP-Adresse eignet sich. Manche Bereiche stehen bei Anbietern pauschal unter Verdacht, weil dort viel Spam entstand. Das gehört vor der Serverwahl geprüft, nicht danach.
Der Rückwärts-DNS-Eintrag. Der PTR-Eintrag muss zum Absendernamen passen. Ein fehlender oder falscher Eintrag ist einer der häufigsten Gründe für Ablehnung.
Das Aufwärmen. Ein neuer Absender, der plötzlich hunderte Nachrichten sendet, sieht aus wie ein Spamversender. Der Versand wird über Tage gesteigert, nicht am Umzugstag umgestellt.
Diese vier Punkte sind unabhängig von der Softwarewahl und machen den größeren Teil der Vorbereitung aus.
Was beim Umzug tatsächlich Arbeit macht
Nachrichten wandern zuverlässig, über IMAP-Synchronisation mit Werkzeugen wie imapsync. Das ist der einfache Teil.
Kalender, Kontakte und Verteiler wandern schlecht. Je nach Quelle sind sie unterschiedlich gut exportierbar, und Abwesenheitsregeln sowie Filterregeln übertragen sich in der Regel gar nicht.
Die Umstellung braucht ein Zeitfenster mit Parallelbetrieb. Beide Systeme empfangen eine Weile, bis die DNS-Änderung überall angekommen ist. Wer hart umschaltet, verliert Nachrichten.
Die Aufbewahrung ist ein eigenes Thema. Geschäftliche E-Mail unterliegt in Deutschland handels- und steuerrechtlichen Aufbewahrungsfristen. Ein Mailserver erfüllt das nicht von sich aus; dafür braucht es eine revisionssichere Archivierung neben dem Postfach. Diese Frage gehört vor den Umzug geklärt, nicht danach.
Unser Vorgehen bei WZ-IT
Wir fragen zuerst, wer den Dienst verantwortet. Wenn darauf keine Antwort kommt, raten wir vom Selbstbetrieb ab, und zwar unabhängig von der Postfachzahl. E-Mail verzeiht Vernachlässigung schlechter als jeder andere Dienst.
Wo wir betreiben, prüfen wir die Zustellbarkeit vor der Softwareauswahl: IP-Bereich, Rückwärts-DNS, bestehende Reputation der Domain. Diese Prüfung entscheidet häufiger über den Erfolg als die Wahl zwischen Mailcow und Stalwart.
In der Mehrzahl der Fälle setzen wir Mailcow ein, weil Kalender und Webmail mitkommen und der Stack in der typischen Unternehmensgröße seit Jahren erprobt ist. Stalwart nutzen wir, wo Ressourcen knapp sind und das Team technisch geführt ist.
Und zum Umzug gehört bei uns die Klärung der Archivierung, bevor das erste Postfach wandert.
Weiterführende Guides
- Managed Open Source - Einrichtung und Betrieb quelloffener Anwendungen
- Managed Operations - Überwachung, Sicherung und Reaktion auf Störungen
- Compliance im Betrieb - Aufbewahrung und Nachweispflichten
- Nextcloud - Dateien und Zusammenarbeit neben der E-Mail
Unklar, ob ein eigener Mailserver zu Ihnen passt? Wir prüfen Zustellbarkeit, Zuständigkeit und Aufbewahrung, bevor eine Software ausgewählt wird. Termin vereinbaren
Quellen
E-Mail auf eigener Infrastruktur
Wir richten einen Mailserver ein, kümmern uns um Zustellbarkeit und übernehmen den laufenden Betrieb.
Häufig gestellte Fragen
Antworten auf wichtige Fragen zu diesem Thema
Nicht in jedem Fall. E-Mail ist der Dienst mit dem höchsten Betriebsanspruch pro Nutzer, weil Zustellbarkeit von Reputation abhängt und diese sich langsam aufbaut und schnell verliert. Wer keinen Verantwortlichen benennen kann, fährt mit einem europäischen Anbieter besser als mit einem schlecht betreuten eigenen Server.
Mailcow steht unter GPL-3.0, Mailu unter MIT. Stalwart ist zweifach lizenziert unter AGPL-3.0 und der Stalwart Enterprise License v2, wobei ein Teil der Funktionen unter die kommerzielle Lizenz fällt.
Der Aufbau. Mailcow und Mailu sind Zusammenstellungen bekannter Einzelkomponenten wie Postfix, Dovecot und Rspamd in Containern. Stalwart ist eine einzelne in Rust geschriebene Anwendung, die SMTP, IMAP, JMAP, CalDAV und CardDAV selbst beherrscht.
Stalwart. Als einzelne Anwendung kommt es mit deutlich weniger Arbeitsspeicher aus als ein Container-Verbund. Mailcow nennt als Anforderung rund 6 GB Arbeitsspeicher zuzüglich Auslagerungsspeicher.
Mailcow bringt SOGo mit, das Webmail, Kalender, Kontakte und Aufgaben abdeckt. Mailu liefert Roundcube oder SnappyMail als Webmail. Stalwart hat kein eingebautes Webmail; wer eines will, stellt es daneben.
Mailcow ist dafür die verbreitetste Wahl, weil Webmail, Kalender und Verwaltungsoberfläche mitkommen und der Stack seit Jahren in dieser Größenordnung betrieben wird. Voraussetzung ist jemand, der einen Docker-Verbund pflegen kann.
Nicht die Software, sondern die Zustellbarkeit. Ein neuer Absender hat keine Reputation, und ohne korrekte SPF-, DKIM- und DMARC-Einträge sowie einen sauberen IP-Bereich landen Nachrichten im Spam. Das gehört Wochen vor dem Umzug vorbereitet.
Nachrichten in aller Regel ja, über IMAP-Synchronisation mit Werkzeugen wie imapsync. Aufwendiger sind Kalender, Kontakte, Verteiler, Abwesenheitsregeln und Filterregeln, die je nach Quelle unterschiedlich gut exportierbar sind.
Sendende Server versuchen die Zustellung über mehrere Tage erneut, eingehende Nachrichten gehen also nicht sofort verloren. Ausgehende Kommunikation steht dagegen still. Ein zweiter empfangender Server ist mit überschaubarem Aufwand einzurichten und wird häufig vergessen.
Geschäftliche E-Mail unterliegt in Deutschland handels- und steuerrechtlichen Aufbewahrungsfristen. Ein Mailserver allein erfüllt das nicht; dafür braucht es eine revisionssichere Archivierung neben dem Postfach. Diese Frage gehört vor den Umzug geklärt.

Geschrieben von
Timo Wevelsiep
Co-Founder & CEO
Co-Founder von WZ-IT. Spezialisiert auf Cloud-Infrastruktur, Open-Source-Plattformen und Managed Services für KMUs und Enterprise-Kunden weltweit.
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