Wollen Sie Dateien im eigenen Haus ablegen? WZ-IT plant, überführt und betreibt Dateiablagen auf eigener Infrastruktur, siehe Managed Open Source. Vorhaben gemeinsam einordnen
Vergleiche selbst gehosteter Dateiablagen enden meistens bei Funktionslisten und Synchronisationsgeschwindigkeit. Beides ist messbar und beides ist für die Entscheidung zweitrangig.
Der Grund, warum Unternehmen diese Systeme überhaupt betrachten, ist Souveränität. Und dafür zählt eine Frage, die in keiner Funktionsliste steht: Wem gehört die Software, und wo arbeiten die Leute, die sie schreiben?
Bei diesem Produktfeld ist die Antwort ungewöhnlich bewegt. Derselbe Quelltext wurde zweimal abgespalten, und beide Male sind die Entwickler gegangen.
Alle Angaben aus den Repositories und Lizenzdateien, Stand 31. August 2026.
Inhaltsverzeichnis
- Zweimal abgespalten, zweimal ohne die Entwickler
- Die Kandidaten im Überblick
- Nextcloud
- Seafile
- OpenCloud
- ownCloud
- Wo die Daten liegen und warum das zählt
- Welches wofür
- Was ein Vergleich nicht beantwortet
- Unser Vorgehen bei WZ-IT
- Weiterführende Guides
Zweimal abgespalten, zweimal ohne die Entwickler
Die Geschichte erklärt das heutige Feld besser als jede Gegenüberstellung.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2010 | ownCloud wird gegründet |
| 2016 | Der Gründer und ein Großteil des Teams gehen und starten Nextcloud |
| Ende 2023 | Kiteworks, ein US-Anbieter, übernimmt ownCloud zusammen mit Dracoon |
| Januar 2025 | Rund 15 Entwickler von ownCloud Infinite Scale gehen und gründen OpenCloud |
Zweimal derselbe Vorgang: Der Quelltext blieb, die Leute gingen. Beim ersten Mal entstand Nextcloud, das heute das größte Projekt des Feldes ist. Beim zweiten Mal entstand OpenCloud, getragen von der Berliner Heinlein-Gruppe, die auch mailbox.org und OpenTalk betreibt.
Für eine Entscheidung folgt daraus keine Vorverurteilung, aber eine Frage, die man stellen sollte: Wer entwickelt die Software, die ich in fünf Jahren noch betreiben will, und in wessen Auftrag?
Die Kandidaten im Überblick
Angaben aus den öffentlichen Repositories, Stand 31. August 2026.
| Nextcloud | Seafile | OpenCloud | ownCloud | |
|---|---|---|---|---|
| GitHub-Sterne | 36.644 | 15.183 | 5.871 | 2.106 (ocis) |
| Lizenz Kern | AGPL-3.0 | GPLv2 mit Zusatz | Apache-2.0 | Apache-2.0 |
| kostenpflichtige Stufe | Abonnement | Professional proprietär | Abonnement | Abonnement |
| Trägerschaft | Nextcloud GmbH (DE) | Seafile Ltd. (CN) | Heinlein-Gruppe (DE) | Kiteworks (US) |
| letzter Push | 31.08.2026 | 28.08.2026 | 31.08.2026 | 31.08.2026 |
| Ausrichtung | Zusammenarbeitsplattform | Dateisynchronisation | Dateiablage | Dateiablage |
Alle vier werden aktiv entwickelt. Keines davon ist im Rückzug.
Nextcloud
Nextcloud ist das größte und funktionsreichste Projekt des Feldes. Der Server steht unter AGPL-3.0, ohne Nutzergrenze und ohne Funktionssperre in der freien Ausgabe. Kostenpflichtig sind Support, Betriebsunterstützung und Zusatzfunktionen für sehr große Installationen.
Was mitkommt, geht weit über Dateien hinaus: Kalender, Kontakte, Videogespräche, Dokumentenbearbeitung über Collabora oder OnlyOffice, Formulare, Aufgaben, ein App-Katalog mit mehreren hundert Erweiterungen.
Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Wer eine Zusammenarbeitsplattform sucht, findet hier die vollständigste quelloffene Antwort. Wer nur Dateien synchronisieren will, betreibt deutlich mehr Software, als die Aufgabe verlangt, mit entsprechendem Aufwand bei Aktualisierungen und Absicherung. Was ein Hauptversionswechsel konkret verlangt, zeigt der Beitrag zum Update auf Nextcloud 35.
Die Trägerschaft liegt bei der Nextcloud GmbH in Deutschland. Für Beschaffungen mit Souveränitätsanforderung ist das der unkomplizierteste Fall im Feld.
Seafile
Seafile verfolgt einen anderen Ansatz und ist darin das spezialisierteste der vier: Es synchronisiert Dateien, und das schneller als die Konkurrenz, besonders bei vielen kleinen Dateien.
Der Grund liegt im Speicheraufbau. Seafile legt Dateien nicht als gewöhnliche Dateien ab, sondern zerlegt sie in Blöcke und verwaltet sie in einem eigenen Format, ähnlich wie Git das mit Quelltext macht. Das macht Abgleiche schnell und Speicherung platzsparend.
Die Lizenzgrenze ist die schärfste im Vergleich. Die Community Edition steht unter GPLv2 mit einer Zusatzerlaubnis für die OpenSSL-Anbindung. Die Professional Edition ist proprietär und bis drei Nutzer ohne Lizenzdatei nutzbar.
In der Professional Edition liegen unter anderem:
- Volltextsuche innerhalb von Dokumenten
- feingranulare Rechte auf Ordner und Unterordner
- LDAP- und Active-Directory-Anbindung
- Abteilungs- und Organisationsverwaltung
Der dritte Punkt ist für Unternehmen der entscheidende. Wer ab zwanzig Nutzern Konten nicht doppelt pflegen will, braucht die kostenpflichtige Ausgabe. Bei den drei anderen Kandidaten ist die Verzeichnisanbindung in der freien Ausgabe enthalten.
Die Trägerschaft liegt bei Seafile Ltd. mit Ursprung in China. Ob das für Ihre Beschaffung eine Rolle spielt, ist eine Frage Ihrer Vorgaben, keine technische.
OpenCloud
OpenCloud ist der jüngste Kandidat und der interessanteste Fall. Es ist eine direkte Abspaltung von ownCloud Infinite Scale, entstanden im Januar 2025, gebaut von denselben rund 15 Entwicklern, die Infinite Scale zuvor bei ownCloud entwickelt hatten.
Es steht unter Apache-2.0, der freizügigsten Lizenz im Vergleich, und ist in Go geschrieben statt in PHP. Das zeigt sich im Betrieb: geringerer Ressourcenbedarf und ein einfacherer Aufbau als bei den PHP-Systemen.
Träger ist die OpenCloud GmbH der Heinlein-Gruppe in Berlin, die seit dreißig Jahren quelloffene Infrastruktur betreibt, darunter mailbox.org und OpenTalk.
Der Vorbehalt ist das Alter. Ein Projekt aus dem Jahr 2025 hat weniger Betriebsjahre hinter sich als Nextcloud oder Seafile, und der Funktionsumfang ist bewusst enger. Wer eine Zusammenarbeitsplattform braucht, findet sie hier nicht. Wer eine moderne Dateiablage mit deutscher Trägerschaft sucht, findet hier den direktesten Weg.
ownCloud
ownCloud ist der Ursprung des Feldes und heute sein schwierigster Fall.
Die Software wird weiter entwickelt, die Repositories werden aktualisiert, und Kiteworks hat für ownCloud ein Open Source Program Office eingerichtet und die Beitragsvereinbarung abgeschafft. Das sind Schritte, die in die richtige Richtung zeigen.
Zwei Punkte bleiben und gehören auf den Tisch:
Die Eigentümerfrage. Kiteworks ist ein US-Unternehmen. Für Beschaffungen, deren Anlass gerade die Unabhängigkeit von US-Anbietern ist, ist das ein Widerspruch zum Beschaffungsgrund, unabhängig von der Qualität der Software.
Der Weggang des Teams. Die Entwickler, die Infinite Scale gebaut haben, arbeiten seit Januar 2025 an OpenCloud. Das lässt sich durch Organisationsstrukturen nicht ersetzen.
Für Bestandsinstallationen folgt daraus kein Handlungsdruck. Für Neuentscheidungen ist es der Punkt, an dem die meisten Unternehmen zu OpenCloud oder Nextcloud greifen.
Wo die Daten liegen und warum das zählt
Ein Unterschied, der in Vergleichen selten vorkommt und im Ernstfall der wichtigste ist: Kommen Sie ohne die Anwendung an Ihre Daten?
| Lösung | Ablageform | ohne die Anwendung lesbar? |
|---|---|---|
| Nextcloud | gewöhnliche Dateien plus Datenbank für Metadaten | ja |
| ownCloud | gewöhnliche Dateien plus Datenbank | ja |
| OpenCloud | eigener Speicheraufbau, Dateien zugänglich | weitgehend |
| Seafile | blockbasiert im eigenen Format | nein, nur über Seafile-Werkzeuge |
Das ist kein Argument gegen Seafile, dessen Geschwindigkeit genau aus diesem Aufbau kommt. Es ist ein Argument dafür, die Sicherungsstrategie daran auszurichten: Bei Seafile muss die Sicherung über die vorgesehenen Werkzeuge laufen, ein Dateisystem-Abbild allein genügt nicht.
Wie eine Sicherung aussieht, die diesen Unterschied berücksichtigt, haben wir im Vergleich der Backup-Werkzeuge beschrieben.
Welches wofür
| Ausgangslage | naheliegende Wahl |
|---|---|
| Zusammenarbeit über Dateien hinaus, Kalender, Dokumente, Videogespräche | Nextcloud |
| Schlanke Dateiablage, deutsche Trägerschaft, moderner Aufbau | OpenCloud |
| Synchronisation vieler kleiner Dateien, Geschwindigkeit entscheidend | Seafile, Professional einplanen |
| Bestehende ownCloud Infinite Scale | Wechsel zu OpenCloud prüfen, der Weg ist kurz |
| Ablösung von OneDrive oder Google Drive | Nextcloud oder OpenCloud, je nach Funktionsbedarf |
Was ein Vergleich nicht beantwortet
Drei Punkte entscheiden über den Erfolg und stehen in keiner Tabelle:
Die Übernahme der Bestände. Dateien zu kopieren ist der einfache Teil. Freigaben, Berechtigungen, Versionsstände und externe Links sind der aufwendige, und sie lassen sich je nach Quelle unterschiedlich gut übertragen.
Das Verhalten der Beschäftigten. Eine Dateiablage, die langsamer ist als das Werkzeug, das sie ersetzt, wird umgangen. Dann liegen Dateien wieder auf privaten Konten, und die Souveränität ist auf dem Papier gewonnen und in der Praxis verloren.
Die Wiederherstellung. Nicht die Sicherung, die Wiederherstellung. Wer nie geprüft hat, ob sich ein einzelner Ordner mit Berechtigungen zurückholen lässt, hat eine Sicherung mit unbekanntem Wert.
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Unser Vorgehen bei WZ-IT
Wir beginnen mit der Nutzungsfrage, nicht mit der Produktfrage: Was sollen die Beschäftigten damit tun, und was tun sie heute stattdessen. Daraus ergibt sich meist schon, ob eine Zusammenarbeitsplattform gebraucht wird oder eine Dateiablage genügt.
Nextcloud betreiben wir für Kunden seit Jahren, einschließlich Anbindung an Keycloak oder Authentik und Dokumentenbearbeitung über Collabora. Wo eine schlanke Ablage gefragt ist, sehen wir uns OpenCloud an.
Zur Übernahme gehört bei uns ein Rückholtest, bevor das alte System abgeschaltet wird. Eine Migration gilt erst als abgeschlossen, wenn eine Wiederherstellung einmal funktioniert hat.
Weiterführende Guides
- Nextcloud vs. SharePoint - die Open-Source-Ablage gegen Microsoft 365 abgewogen
- WeTransfer gegen Nextcloud - Dateiaustausch mit Externen
- Nextcloud bei WZ-IT - Aufbau, Anbindung und Betrieb
- restic, Borg oder Kopia - Sicherung für Dateiablagen
- Lizenzwechsel bei Open Source - warum Trägerschaft eine Betriebsfrage ist
- Managed Open Source - Betrieb quelloffener Anwendungen
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