Zammad, FreeScout, osTicket oder Chatwoot: Ticketsysteme selbst hosten

Hinweis zum Inhalt: Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zusammengestellt. Technische Details, Preise, Versionen, Lizenzmodelle und externe Inhalte können sich ändern. Bitte prüfen Sie die genannten Angaben eigenständig, insbesondere vor geschäftskritischen oder sicherheitsrelevanten Entscheidungen. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung.

Bearbeiten mehrere Personen dasselbe Postfach? WZ-IT richtet Ticketsysteme ein, überführt Bestände und übernimmt den Betrieb, siehe Managed Open Source. Vorhaben gemeinsam einordnen
Bei quelloffenen Ticketsystemen ist die Funktionsliste selten das Problem. Alle Kandidaten verwalten Vorgänge, weisen zu, eskalieren und werten aus.
Das Problem ist, wo die freie Ausgabe endet, und dieses Feld zeigt dafür vier verschiedene Bauarten. In einem Fall liegt die Grenze im Repository, das Sie klonen. In einem anderen ist der Code vollständig quelloffen und trotzdem kostenpflichtig.
Dieser Beitrag ordnet vier aktive Systeme ein, benennt jeweils die Grenze und beginnt mit denen, die man streichen kann.
Alle Angaben aus den Repositories und Lizenzdateien, Stand 31. August 2026.
Inhaltsverzeichnis
- Ein Kandidat weniger als in den meisten Listen
- Die Kandidaten im Überblick
- Vier Arten, eine kommerzielle Grenze zu ziehen
- Zammad
- FreeScout
- osTicket
- Chatwoot
- Warum LDAP fast immer hinter der Grenze liegt
- Welches wofür
- Unser Vorgehen bei WZ-IT
- Weiterführende Guides
Ein Kandidat weniger als in den meisten Listen
Peppermint steht in vielen Empfehlungslisten für quelloffene Ticketsysteme. Das Repository ist archiviert, der letzte Push datiert vom 21. September 2025.
Für eine Neueinführung ist das keine Grundlage. Wir führen es hier auf, weil es in Listen weiterhin auftaucht und weil ein Blick auf das Archivkennzeichen zwei Wochen Auswahlarbeit sparen kann.
Damit bleiben vier, die tatsächlich gepflegt werden.
Die Kandidaten im Überblick
Angaben aus den öffentlichen Repositories, Stand 31. August 2026.
| Zammad | FreeScout | osTicket | Chatwoot | |
|---|---|---|---|---|
| GitHub-Sterne | 5.875 | 4.512 | 3.903 | 36.325 |
| Lizenz Kern | AGPL-3.0 | AGPL-3.0 | GPL-2.0 | MIT |
| letzter Push | 31.08.2026 | 31.08.2026 | 17.06.2026 | 31.08.2026 |
| Trägerschaft | Zammad GmbH (DE) | FreeScout | Enhancesoft | Chatwoot Inc. |
| kommerzielle Grenze | keine dokumentiert | Module | keine | Verzeichnis enterprise/ |
| Ausrichtung | Support über viele Kanäle | gemeinsames Postfach | klassisches Ticketing | Gespräche über Kanäle |
Vier Arten, eine kommerzielle Grenze zu ziehen
Über unsere Vergleiche hinweg haben sich bisher drei Bauarten gezeigt. Dieses Feld ergänzt eine vierte.
| Bauart | Beispiel hier | Grenze vorher erkennbar? |
|---|---|---|
| Kommerzieller Code nicht veröffentlicht | Plane, Checkmk | nur über die Funktionsübersicht |
| Kommerzieller Code im selben Repo, andere Lizenz | Chatwoot | im Verzeichnisbaum ablesbar |
| Gleicher Code, Freischaltung per Schlüssel | OpenProject | nur über die Preistabelle |
| Code frei, Verteilung kostenpflichtig | FreeScout | über den Modulkatalog |
Die vierte ist die ungewöhnlichste. Bei FreeScout stehen sowohl der Kern als auch die Module unter AGPL-3.0. Bezahlt wird nicht die Lizenz, sondern der Zugang zum Modul. Die Software ist damit im rechtlichen Sinn vollständig quelloffen und im praktischen Sinn trotzdem kostenpflichtig, wenn man bestimmte Funktionen braucht.
Das ist kein Vorwurf, aber es macht die übliche Prüffrage unbrauchbar. "Steht der Code offen" beantwortet hier nicht, was Sie am Ende zahlen.
Zammad
Zammad kommt aus Berlin und ist das vollständigste der vier im klassischen Sinn: E-Mail, Telefon, Chat, soziale Netzwerke, Textbausteine, Wissensdatenbank, Eskalationsregeln und nachvollziehbare Bearbeitungsstände.
Das Repository steht unter AGPL-3.0 und enthält kein Verzeichnis mit abweichender Lizenz. Verkauft wird gehosteter Betrieb sowie Support und Beratung für den Eigenbetrieb.
Eine Einschränkung zur Genauigkeit: Die Preisseite beschreibt die kostenpflichtigen Angebote als Hosting, Support und Beratung, dokumentiert aber nicht ausdrücklich, dass die selbst betriebene Ausgabe funktionsgleich ist. Wer sich auf eine bestimmte Funktion verlässt, sollte das vor der Entscheidung bestätigen lassen, statt es aus dem Lizenztext zu schließen.
Für Beschaffungen mit Anforderungen an europäische Trägerschaft ist Zammad unter den vieren der unkomplizierteste Fall.
FreeScout
FreeScout ist als Ablösung eines gemeinsamen Postfachs gedacht und dort am stärksten. Die Bedienung ähnelt bewusst einem Postfach, was die Einführung in Teams erleichtert, die bisher ohne Ticketsystem gearbeitet haben.
Der Kern steht unter AGPL-3.0 und ist frei. Die Grenze liegt bei den Modulen. Als kostenpflichtige Dauerlizenzen je Installation werden unter anderem angeboten:
- Berichte
- Zeiterfassung
- Arbeitsabläufe
- Wissensdatenbank
- LDAP-Anbindung
Die Module stehen selbst unter AGPL-3.0. Bezahlt wird der Zugang.
Praktisch heißt das: FreeScout ist als freie Software ein Postfach mit Zuweisung. Sobald Auswertungen, Zeiterfassung oder zentrale Anmeldung gebraucht werden, entstehen Kosten. Das ist kalkulierbar, weil es Dauerlizenzen sind, gehört aber vor die Auswahl, nicht danach.
osTicket
osTicket ist das älteste der vier und das schlankeste. Klassisches Ticketing über E-Mail und Webformular, Warteschlangen, Zuweisung, eigene Felder. Es steht unter GPL-2.0.
Der Entwicklungsrhythmus unterscheidet sich von den anderen: Der letzte Push datiert vom 17. Juni 2026, während die übrigen drei Ende August aktualisiert wurden. Das ist kein Stillstand, aber ein spürbar anderer Takt.
Für Umgebungen, in denen ein System seit Jahren läuft und tut, was es soll, ist das unproblematisch. Für eine Neueinführung ist es ein Punkt, den man kennen sollte.
Chatwoot
Chatwoot ist mit 36.325 Sternen das sichtbarste Projekt und zugleich dasjenige, das am wenigsten ein Ticketsystem ist. Der Schwerpunkt liegt auf Gesprächen über viele Kanäle: Chat auf der Website, Messenger, soziale Netzwerke.
Die Lizenz ist geteilt, und die Grenze steht im Repository. Der Hauptteil steht unter MIT. Alles unter enterprise/ fällt unter eine eigene Lizenz, die den Produktiveinsatz an ein gültiges Abonnement mit passender Nutzerzahl bindet.
Das ist die transparenteste Form einer kommerziellen Grenze, weil sie im Verzeichnisbaum sichtbar ist. Wer wissen will, was zur freien Ausgabe gehört, sieht in das Verzeichnis und weiß es. Dieselbe Bauart findet sich bei NetBird und Netmaker.
Für klassischen Support über E-Mail mit Fristen und Eskalation ist Chatwoot nicht die naheliegende Wahl. Für Kundenkommunikation über Chat und Messenger ist es das stärkste der vier.
Warum LDAP fast immer hinter der Grenze liegt
Über alle Vergleiche dieser Reihe hinweg zeigt sich dasselbe Muster, und es ist inzwischen zu deutlich, um es unerwähnt zu lassen:
| Anwendung | Was hinter der Grenze liegt |
|---|---|
| Seafile | LDAP-Anbindung in der Professional Edition |
| OpenProject | Single Sign-on in den Enterprise-Stufen |
| FreeScout | LDAP-Modul kostenpflichtig |
Die Anbindung an die zentrale Benutzerverwaltung ist die Funktion, die ein Werkzeug vom Einzelplatz zum Unternehmenswerkzeug macht. Wer sie braucht, hat in aller Regel auch ein Budget. Deshalb liegt sie so verlässlich auf der kostenpflichtigen Seite.
Daraus folgt eine Prüffrage, die vor jeden Funktionsvergleich gehört: Müssen Konten zentral verwaltet werden? Wenn ja, gehört die Anbindung an Keycloak oder Authentik in die Kostenrechnung, und bei einem Teil der Kandidaten bedeutet sie einen Vertrag.
Welches wofür
| Ausgangslage | naheliegende Wahl |
|---|---|
| Gemeinsames Postfach ablösen, Bedienung soll vertraut bleiben | FreeScout |
| Support über mehrere Kanäle, Eskalation, Wissensdatenbank | Zammad |
| Schlankes Ticketing, lange Betriebshistorie, wenig Anspruch | osTicket |
| Kundenkommunikation über Chat und Messenger | Chatwoot |
| Zentrale Kontenverwaltung ohne Zusatzkosten | Zammad prüfen, osTicket |
| Deutsche Trägerschaft als Beschaffungsanforderung | Zammad |
Unser Vorgehen bei WZ-IT
Wir beginnen mit der Frage, ob überhaupt ein Ticketsystem gebraucht wird. Ab etwa drei Personen an derselben Adresse lohnt es sich; darunter ist ein gemeinsames Postfach mit klaren Absprachen meist die einfachere Antwort.
Danach klären wir die Anmeldefrage, weil sie bei einem der Kandidaten Kosten auslöst, und die Frage nach Auswertungen, weil sie bei FreeScout ein Modul bedeutet. Beides vor dem Funktionsvergleich, nicht danach.
Beim Umstieg von einem gemeinsamen Postfach ist die Zustellbarkeit der heikle Teil. Wir richten die Umleitung so ein, dass während der Umstellung keine Nachricht doppelt oder gar nicht ankommt, und proben das vorher. Was dabei zu beachten ist, haben wir im Mailserver-Vergleich beschrieben.
Weiterführende Guides
- Jira-Alternativen selbst hosten - dieselbe Grenzfrage bei Projektwerkzeugen
- Nextcloud, Seafile, OpenCloud oder ownCloud - LDAP hinter der Bezahlgrenze
- Mesh-VPN im Vergleich - kommerzieller Code im selben Repository
- Zammad bei WZ-IT - Einrichtung und Betrieb
- Managed Open Source - Betrieb quelloffener Anwendungen
Unklar, welches System zu Ihrem Team passt? Wir klären zuerst Anmeldung und Auswertungen, weil dort die Kosten entstehen, und richten danach das passende System ein. Termin vereinbaren
Quellen
Ticketsystem auf eigener Infrastruktur
Wir wählen das passende System, richten Kanäle und Abläufe ein und übernehmen den Betrieb.
Häufig gestellte Fragen
Antworten auf wichtige Fragen zu diesem Thema
FreeScout, wenn ein gemeinsames Postfach abgelöst werden soll und die Bedienung einem Postfach ähneln darf. Zammad, wenn mehrere Kanäle und nachvollziehbare Abläufe gebraucht werden. osTicket, wenn ein schlankes System mit langer Betriebshistorie genügt.
Das Repository steht unter AGPL-3.0 und enthält kein Verzeichnis mit abweichend lizenziertem Code. Zammad verkauft gehosteten Betrieb sowie Support- und Beratungsleistungen für den Eigenbetrieb. Eine Funktionsgrenze zwischen freier und kostenpflichtiger Ausgabe dokumentiert die Preisseite nicht; wer sich auf eine bestimmte Funktion verlässt, sollte das vor der Entscheidung bestätigen lassen.
Der Kern ist frei unter AGPL-3.0. Zahlreiche Funktionen liegen in Modulen, die einzeln als Dauerlizenz je Installation verkauft werden, darunter Berichte, Zeiterfassung, Arbeitsabläufe und die LDAP-Anbindung. Die Module stehen selbst ebenfalls unter AGPL-3.0; bezahlt wird der Zugang, nicht die Lizenz.
Geteilt. Der Hauptteil steht unter MIT. Alles im Verzeichnis enterprise/ fällt unter eine eigene Lizenz, die den Produktiveinsatz an ein gültiges Abonnement mit passender Nutzerzahl bindet. Die Grenze liegt damit im selben Repository, das man klont, und ist im Verzeichnisbaum ablesbar.
Ja, aber langsamer als die anderen. Der letzte Push datiert vom 17. Juni 2026, während Zammad, FreeScout und Chatwoot Ende August 2026 aktualisiert wurden. Das ist kein Stillstand, aber ein anderer Rhythmus.
Das Repository ist archiviert, der letzte Push datiert vom 21. September 2025. Peppermint taucht weiterhin in Empfehlungslisten auf. Für eine Neueinführung ist es keine tragfähige Grundlage.
Weil sie ein Werkzeug vom Einzelplatz zum Unternehmenswerkzeug macht. Wer Konten zentral verwaltet, hat in aller Regel auch ein Budget. Dasselbe Muster zeigt sich bei Seafile, wo LDAP in der Professional Edition liegt, und bei OpenProject, wo Single Sign-on eine Enterprise-Funktion ist.
Nur teilweise. Chatwoot ist auf Gespräche über viele Kanäle ausgelegt, also Chat, Messenger und soziale Netzwerke, und weniger auf die Bearbeitung eines Vorgangs über Tage mit Eskalation und Fristen. Wer klassischen Support über E-Mail abbildet, ist mit Zammad besser bedient.
Von der Zammad GmbH in Berlin. Für Beschaffungen mit Anforderungen an europäische Trägerschaft ist das unter den vier Kandidaten der unkomplizierteste Fall.
Die Zustellbarkeit und der Verlauf. Bestehende E-Mail-Verläufe lassen sich meist importieren, aber die Adresse muss sauber auf das neue System umgeleitet werden, ohne dass Nachrichten doppelt oder gar nicht ankommen. Das gehört vor dem Umstieg geprobt.
Bei FreeScout ja, Berichte sind ein kostenpflichtiges Modul. Bei Zammad und osTicket sind Auswertungen im Umfang der freien Ausgabe enthalten. Wer regelmäßig Kennzahlen an die Geschäftsführung liefern muss, sollte das vor der Auswahl klären.
Ab etwa drei Personen, die dieselbe Adresse bearbeiten. Darunter reicht ein gemeinsames Postfach meist aus. Der Nutzen entsteht nicht durch die Software, sondern dadurch, dass Zuständigkeit, Stand und Verlauf für alle sichtbar sind.

Geschrieben von
Timo Wevelsiep
Co-Founder & CEO
Co-Founder von WZ-IT. Spezialisiert auf Cloud-Infrastruktur, Open-Source-Plattformen und Managed Services für KMUs und Enterprise-Kunden weltweit.
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