Bearbeiten mehrere Personen dasselbe Postfach? WZ-IT richtet Ticketsysteme ein, überführt Bestände und übernimmt den Betrieb, siehe Managed Open Source. Vorhaben gemeinsam einordnen
Bei quelloffenen Ticketsystemen ist die Funktionsliste selten das Problem. Alle Kandidaten verwalten Vorgänge, weisen zu, eskalieren und werten aus.
Das Problem ist, wo die freie Ausgabe endet, und dieses Feld zeigt dafür vier verschiedene Bauarten. In einem Fall liegt die Grenze im Repository, das Sie klonen. In einem anderen ist der Code vollständig quelloffen und trotzdem kostenpflichtig.
Dieser Beitrag ordnet vier aktive Systeme ein, benennt jeweils die Grenze und beginnt mit denen, die man streichen kann.
Alle Angaben aus den Repositories und Lizenzdateien, Stand Oktober 2026.
Inhaltsverzeichnis
- Ein Kandidat weniger als in den meisten Listen
- Die Kandidaten im Überblick
- Vier Arten, eine kommerzielle Grenze zu ziehen
- Zammad
- FreeScout
- osTicket
- Chatwoot
- Warum LDAP fast immer hinter der Grenze liegt
- Welches wofür
- Unser Vorgehen bei WZ-IT
- Weiterführende Guides
Ein Kandidat weniger als in den meisten Listen
Peppermint steht in vielen Empfehlungslisten für quelloffene Ticketsysteme. Das Repository ist archiviert, der letzte Push datiert vom 21. September 2025.
Für eine Neueinführung ist das keine Grundlage. Wir führen es hier auf, weil es in Listen weiterhin auftaucht und weil ein Blick auf das Archivkennzeichen zwei Wochen Auswahlarbeit sparen kann.
Damit bleiben vier, die tatsächlich gepflegt werden.
Die Kandidaten im Überblick
Angaben aus den öffentlichen Repositories, Stand 12. Oktober 2026.
| Zammad | FreeScout | osTicket | Chatwoot | |
|---|---|---|---|---|
| GitHub-Sterne | 6.002 | 4.594 | 3.983 | 37.733 |
| Lizenz Kern | AGPL-3.0 | AGPL-3.0 | GPL-2.0 | MIT |
| letzter Push | 12.10.2026 | 12.10.2026 | 17.06.2026 | 12.10.2026 |
| Trägerschaft | Zammad GmbH (DE) | FreeScout | Enhancesoft | Chatwoot Inc. |
| kommerzielle Grenze | keine dokumentiert | Module | keine | Verzeichnis enterprise/ |
| Ausrichtung | Support über viele Kanäle | gemeinsames Postfach | klassisches Ticketing | Gespräche über Kanäle |
Vier Arten, eine kommerzielle Grenze zu ziehen
Über unsere Vergleiche hinweg haben sich bisher drei Bauarten gezeigt. Dieses Feld ergänzt eine vierte.
| Bauart | Beispiel hier | Grenze vorher erkennbar? |
|---|---|---|
| Kommerzieller Code nicht veröffentlicht | Plane, Checkmk | nur über die Funktionsübersicht |
| Kommerzieller Code im selben Repo, andere Lizenz | Chatwoot | im Verzeichnisbaum ablesbar |
| Gleicher Code, Freischaltung per Schlüssel | OpenProject | nur über die Preistabelle |
| Code frei, Verteilung kostenpflichtig | FreeScout | über den Modulkatalog |
Die vierte ist die ungewöhnlichste. Bei FreeScout stehen sowohl der Kern als auch die Module unter AGPL-3.0. Bezahlt wird nicht die Lizenz, sondern der Zugang zum Modul. Die Software ist damit im rechtlichen Sinn vollständig quelloffen und im praktischen Sinn trotzdem kostenpflichtig, wenn man bestimmte Funktionen braucht.
Das ist kein Vorwurf, aber es macht die übliche Prüffrage unbrauchbar. "Steht der Code offen" beantwortet hier nicht, was Sie am Ende zahlen.
Zammad
Zammad kommt aus Berlin und ist das vollständigste der vier im klassischen Sinn: E-Mail, Telefon, Chat, soziale Netzwerke, Textbausteine, Wissensdatenbank, Eskalationsregeln und nachvollziehbare Bearbeitungsstände.
Das Repository steht unter AGPL-3.0 und enthält kein Verzeichnis mit abweichender Lizenz. Verkauft wird gehosteter Betrieb sowie Support und Beratung für den Eigenbetrieb.
Eine Einschränkung zur Genauigkeit: Die Preisseite beschreibt die kostenpflichtigen Angebote als Hosting, Support und Beratung, dokumentiert aber nicht ausdrücklich, dass die selbst betriebene Ausgabe funktionsgleich ist. Wer sich auf eine bestimmte Funktion verlässt, sollte das vor der Entscheidung bestätigen lassen, statt es aus dem Lizenztext zu schließen.
Für Beschaffungen mit Anforderungen an europäische Trägerschaft ist Zammad unter den vieren der unkomplizierteste Fall.
FreeScout
FreeScout ist als Ablösung eines gemeinsamen Postfachs gedacht und dort am stärksten. Die Bedienung ähnelt bewusst einem Postfach, was die Einführung in Teams erleichtert, die bisher ohne Ticketsystem gearbeitet haben.
Der Kern steht unter AGPL-3.0 und ist frei. Die Grenze liegt bei den Modulen. Als kostenpflichtige Dauerlizenzen je Installation werden unter anderem angeboten:
- Berichte
- Zeiterfassung
- Arbeitsabläufe
- Wissensdatenbank
- LDAP-Anbindung
Die Module stehen selbst unter AGPL-3.0. Bezahlt wird der Zugang.
Praktisch heißt das: FreeScout ist als freie Software ein Postfach mit Zuweisung. Sobald Auswertungen, Zeiterfassung oder zentrale Anmeldung gebraucht werden, entstehen Kosten. Das ist kalkulierbar, weil es Dauerlizenzen sind, gehört aber vor die Auswahl, nicht danach.
osTicket
osTicket ist das älteste der vier und das schlankeste. Klassisches Ticketing über E-Mail und Webformular, Warteschlangen, Zuweisung, eigene Felder. Es steht unter GPL-2.0.
Der Entwicklungsrhythmus unterscheidet sich von den anderen: Der letzte Push datiert vom 17. Juni 2026 mit Version 1.18.4, während die übrigen drei bis in den Oktober 2026 fortlaufend aktualisiert wurden. Das ist kein Stillstand, aber ein spürbar anderer Takt.
Für Umgebungen, in denen ein System seit Jahren läuft und tut, was es soll, ist das unproblematisch. Für eine Neueinführung ist es ein Punkt, den man kennen sollte.
Chatwoot
Chatwoot ist mit über 37.000 Sternen das sichtbarste Projekt und zugleich dasjenige, das am wenigsten ein Ticketsystem ist. Der Schwerpunkt liegt auf Gesprächen über viele Kanäle: Chat auf der Website, Messenger, soziale Netzwerke.
Die Lizenz ist geteilt, und die Grenze steht im Repository. Der Hauptteil steht unter MIT. Alles unter enterprise/ fällt unter eine eigene Lizenz, die den Produktiveinsatz an ein gültiges Abonnement mit passender Nutzerzahl bindet.
Das ist die transparenteste Form einer kommerziellen Grenze, weil sie im Verzeichnisbaum sichtbar ist. Wer wissen will, was zur freien Ausgabe gehört, sieht in das Verzeichnis und weiß es. Dieselbe Bauart findet sich bei NetBird und Netmaker.
Für klassischen Support über E-Mail mit Fristen und Eskalation ist Chatwoot nicht die naheliegende Wahl. Für Kundenkommunikation über Chat und Messenger ist es das stärkste der vier.
Warum LDAP fast immer hinter der Grenze liegt
Über alle Vergleiche dieser Reihe hinweg zeigt sich dasselbe Muster, und es ist inzwischen zu deutlich, um es unerwähnt zu lassen:
| Anwendung | Was hinter der Grenze liegt |
|---|---|
| Seafile | LDAP-Anbindung in der Professional Edition |
| OpenProject | Single Sign-on in den Enterprise-Stufen |
| FreeScout | LDAP-Modul kostenpflichtig |
Die Anbindung an die zentrale Benutzerverwaltung ist die Funktion, die ein Werkzeug vom Einzelplatz zum Unternehmenswerkzeug macht. Wer sie braucht, hat in aller Regel auch ein Budget. Deshalb liegt sie so verlässlich auf der kostenpflichtigen Seite.
Daraus folgt eine Prüffrage, die vor jeden Funktionsvergleich gehört: Müssen Konten zentral verwaltet werden? Wenn ja, gehört die Anbindung an Keycloak oder Authentik in die Kostenrechnung, und bei einem Teil der Kandidaten bedeutet sie einen Vertrag.
Welches wofür
| Ausgangslage | naheliegende Wahl |
|---|---|
| Gemeinsames Postfach ablösen, Bedienung soll vertraut bleiben | FreeScout |
| Support über mehrere Kanäle, Eskalation, Wissensdatenbank | Zammad |
| Schlankes Ticketing, lange Betriebshistorie, wenig Anspruch | osTicket |
| Kundenkommunikation über Chat und Messenger | Chatwoot |
| Zentrale Kontenverwaltung ohne Zusatzkosten | Zammad prüfen, osTicket |
| Deutsche Trägerschaft als Beschaffungsanforderung | Zammad |
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Unser Vorgehen bei WZ-IT
Wir beginnen mit der Frage, ob überhaupt ein Ticketsystem gebraucht wird. Ab etwa drei Personen an derselben Adresse lohnt es sich; darunter ist ein gemeinsames Postfach mit klaren Absprachen meist die einfachere Antwort.
Danach klären wir die Anmeldefrage, weil sie bei einem der Kandidaten Kosten auslöst, und die Frage nach Auswertungen, weil sie bei FreeScout ein Modul bedeutet. Beides vor dem Funktionsvergleich, nicht danach.
Beim Umstieg von einem gemeinsamen Postfach ist die Zustellbarkeit der heikle Teil. Wir richten die Umleitung so ein, dass während der Umstellung keine Nachricht doppelt oder gar nicht ankommt, und proben das vorher. Was dabei zu beachten ist, haben wir im Mailserver-Vergleich beschrieben.
Weiterführende Guides
- Jira-Alternativen selbst hosten - dieselbe Grenzfrage bei Projektwerkzeugen
- Nextcloud, Seafile, OpenCloud oder ownCloud - LDAP hinter der Bezahlgrenze
- Mesh-VPN im Vergleich - kommerzieller Code im selben Repository
- Zammad bei WZ-IT - Einrichtung und Betrieb
- Managed Open Source - Betrieb quelloffener Anwendungen
Unklar, welches System zu Ihrem Team passt? Wir klären zuerst Anmeldung und Auswertungen, weil dort die Kosten entstehen, und richten danach das passende System ein. Termin vereinbaren












