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IoT-Architektur in Schichten: vom Sensor bis zum Dashboard

Timo WevelsiepTimo WevelsiepAktualisiert: 30.06.2026

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung.

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Eine IoT-Architektur lässt sich sauber in sieben Schichten gliedern: Sensor/Gerät, Konnektivität, Edge/Gateway, Plattform, Datenhaltung, Visualisierung und Integration. Jede Schicht hat eine klar abgegrenzte Aufgabe, und für jede gibt es eine ausgereifte Open-Source-Komponente. Wer diese Trennung versteht, baut IoT-Systeme, die wartbar bleiben, sich austauschen lassen und nicht in einer Hersteller-Cloud festhängen. Dieser Artikel zeigt, welche Komponente wo sitzt und wie das self-hosted Gesamtbild aussieht.

Inhaltsverzeichnis


Die sieben Schichten der IoT-Architektur im Überblick

Statt von einem einzelnen "IoT-Produkt" zu denken, hilft das Schichtenmodell: Daten wandern von unten (physische Sensorik) nach oben (Geschäftsanwendung), und jede Schicht spricht nur mit der direkt darüber oder darunter. Diese Entkopplung ist der Grund, warum sich Komponenten einzeln austauschen lassen, ohne das ganze System neu zu bauen.

Schicht Aufgabe Typische Open-Source-Komponente
1 Sensor/Gerät Messen, Schalten LoRaWAN-Sensoren (z. B. Milesight), Modbus-/OPC-UA-Geräte
2 Konnektivität Transport der Daten LoRaWAN, MQTT, NB-IoT/LTE-M/5G, Ethernet/WLAN
3 Edge/Gateway Protokollwandlung, Pufferung LoRaWAN-Gateway + ChirpStack, Node-RED, ThingsBoard Edge
4 Plattform Geräteverwaltung, Regeln, Mandanten ThingsBoard
5 Datenhaltung Zeitreihen speichern InfluxDB, PostgreSQL/TimescaleDB, Cassandra
6 Visualisierung Dashboards, Alarme Grafana
7 Integration ERP/MES/Cloud anbinden REST, MQTT, Kafka, Node-RED

Schicht 1: Sensor- und Geräteebene

Ganz unten stehen die physischen Geräte: Temperatur-, Feuchte-, Füllstands- oder Energiezähler, Aktoren und Maschinensteuerungen. Im industriellen Umfeld liefern bestehende Anlagen ihre Werte oft über Feldbusse wie Modbus oder OPC-UA, während neue Funksensoren (etwa von Milesight) batteriebetrieben per LoRaWAN senden. Wichtig auf dieser Ebene: ein sauberes Datenmodell - welche Messgröße, welche Einheit, welches Sendeintervall - denn alles darüber baut darauf auf.

Schicht 2: Konnektivität - LoRaWAN, MQTT und Mobilfunk

Die Konnektivitätsschicht transportiert die Messwerte vom Gerät zur Plattform. Drei Wege dominieren:

  • LoRaWAN für stromsparende Funksensorik über große Reichweiten (Gelände, Liegenschaften, Landwirtschaft). Mehr dazu in Was ist LoRaWAN?.
  • MQTT als leichtgewichtiges Publish-Subscribe-Protokoll für IP-fähige Geräte und als interner Daten-Bus. Details in Was ist MQTT?.
  • Mobilfunk (NB-IoT, LTE-M, 5G) für verteilte Einzelgeräte ohne lokale Infrastruktur, dazu Ethernet und WLAN im Gebäude.

MQTT ist dabei oft das verbindende Element: LoRaWAN-Pakete, Mobilfunk-Geräte und Edge-Knoten publizieren am Ende auf MQTT-Topics, die die Plattform abonniert.

Schicht 3: Edge und Gateway

Zwischen Funk und Plattform sitzt das Gateway. Bei LoRaWAN empfängt ein LoRaWAN-Gateway die Funkpakete und reicht sie an den Network Server ChirpStack weiter, der Entschlüsselung, Deduplizierung und Geräteverwaltung auf Funkebene übernimmt (chirpstack.io). ChirpStack ist quelloffen und vollständig self-hostbar - siehe Was ist ChirpStack? und unsere ChirpStack-Expertise.

Auf der Edge-Ebene leistet Node-RED die Protokollwandlung (Modbus/OPC-UA nach MQTT), puffert Daten bei Verbindungsabbruch und führt erste Vorverarbeitung oder Schwellwert-Logik lokal aus. Für Szenarien mit unzuverlässiger Anbindung gibt es zusätzlich ThingsBoard Edge, das Regeln nahe an der Maschine ausführt und später mit der zentralen Plattform synchronisiert.

Schicht 4: Plattform - ThingsBoard

Die Plattform ist das Herz der Architektur. ThingsBoard übernimmt Geräteregistrierung und -verwaltung, eine visuelle Rule Engine für Verarbeitung und Alarme, Mandantenfähigkeit (Multi-Tenancy) und Dashboards. Die Community Edition ist quelloffen unter Apache 2.0, kostenlos und ohne Gerätelimit nutzbar; die Professional Edition ergänzt White-Labeling, erweiterte Rollen (RBAC) und fertige Plattform-Integrationen. Self-managed startet die PE laut Preisliste (Stand 30.06.2026, thingsboard.io/pricing) bei rund 10 USD/Monat im "Maker"-Plan; seit Version 4.3 sind Edge Computing und Trendz Analytics modular als Add-ons zubuchbar.

Mehr zu Funktionen und Editionen in Was ist ThingsBoard? und auf unserer ThingsBoard-Expertise.

Schicht 5: Datenhaltung - Time-Series mit InfluxDB oder PostgreSQL

IoT erzeugt Zeitreihen: viele Schreibvorgänge, zeitlich indiziert, langfristig aufzubewahren. ThingsBoard nutzt PostgreSQL für Stammdaten und kann Telemetrie wahlweise in PostgreSQL, TimescaleDB (Time-Series-Erweiterung für Postgres) oder Cassandra ablegen. Für reine Sensor-Zeitreihen mit hoher Schreiblast - besonders in Verbindung mit Grafana - ist InfluxDB weit verbreitet; aktuell stehen InfluxDB 3 Core (quelloffen) und kommerzielle Enterprise-Varianten zur Wahl. Die Entscheidung richtet sich nach Datenrate, Aufbewahrungsdauer (Retention) und vorhandenem Betriebs-Know-how, nicht nach Mode.

Schicht 6: Visualisierung mit Grafana

Für Dashboards, Trends und Alarmierung ist Grafana der Standard. Es ist quelloffen unter AGPLv3 (seit Version 8, grafana.com/licensing), kostenlos self-hostbar und liest direkt aus InfluxDB, PostgreSQL/TimescaleDB und vielen weiteren Quellen. Grafana ergänzt die ThingsBoard-Dashboards überall dort, wo es um historische Auswertung, gemischte Datenquellen oder zentrale Betriebsmonitore geht. Eine konkrete Anleitung gibt es unter Grafana IoT-Dashboard mit InfluxDB und auf unserer Grafana-Expertise.

Schicht 7: Integration in ERP und Cloud

Ganz oben verlässt der aufbereitete Datenstrom die IoT-Welt und fließt in Geschäftsprozesse: Verbrauchswerte ins ERP, Störungen ins Ticketsystem, Kennzahlen in ein BI-Tool. ThingsBoard liefert dafür REST-API, MQTT- und Kafka-Ausgänge sowie die Rule Engine; Node-RED baut die flexiblen Flows zu ERP, MES, Webhooks oder Datenbanken. Entscheidend ist, dass nur aggregierte Werte oder Alarme kontrolliert nach außen gehen, während die Rohdaten in der eigenen Infrastruktur bleiben.

Das self-hosted Gesamtbild

Zusammengesetzt ergibt sich ein durchgehend quelloffener Stack: LoRaWAN-Sensoren senden über ein Gateway an ChirpStack, IP-Geräte und Edge-Knoten publizieren per MQTT, ThingsBoard verwaltet Geräte und Regeln, InfluxDB oder PostgreSQL speichern die Zeitreihen, Grafana visualisiert, und Node-RED bindet ERP und Cloud an. Alles läuft auf eigener Infrastruktur - Proxmox, Hetzner oder On-Prem.

Der Unterschied zu Managed-Plattformen wie AWS IoT, Azure IoT oder Cumulocity: Sie zahlen Server und Betrieb statt Lizenzen pro Gerät und Datenpunkt, behalten die Datenhoheit in der EU und können jede Schicht einzeln austauschen. Ob sich das gegenüber der Cloud rechnet, beleuchtet IoT-Plattform: self-hosted vs Cloud. Wie aus diesem Stack ein konkreter Anwendungsfall wird, zeigt Predictive Maintenance & Retrofit.

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Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Eine IoT-Architektur lässt sich in sieben Schichten gliedern: Sensor/Gerät, Konnektivität (LoRaWAN, MQTT, Mobilfunk), Edge/Gateway, Plattform (z. B. ThingsBoard), Datenhaltung (Time-Series wie InfluxDB oder PostgreSQL), Visualisierung (Grafana) und Integration in ERP/Cloud. Jede Schicht hat eine klare Aufgabe und lässt sich mit Open-Source-Komponenten besetzen.

Konnektivität und Edge: ChirpStack als LoRaWAN Network Server und ein MQTT-Broker wie Mosquitto oder EMQX. Plattform: ThingsBoard für Geräteverwaltung, Regel-Engine und Multi-Tenancy. Datenhaltung: InfluxDB oder PostgreSQL/TimescaleDB für Zeitreihen. Visualisierung: Grafana. Integration und Vorverarbeitung: Node-RED. Alle Komponenten sind quelloffen und auf eigener Infrastruktur betreibbar.

Beides ist üblich. ThingsBoard nutzt PostgreSQL für Stammdaten und kann Telemetrie wahlweise in PostgreSQL, TimescaleDB oder Cassandra ablegen. Für reine Sensor-Zeitreihen mit hoher Schreiblast ist InfluxDB sehr verbreitet, gerade in Kombination mit Grafana. Die Wahl hängt von Datenrate, Aufbewahrungsdauer und vorhandenem Know-how ab.

Bei LoRaWAN ja: Funk-Sensoren erreichen die Plattform nur über ein LoRaWAN-Gateway, das die Pakete an den Network Server (ChirpStack) weiterreicht. Bei IP-fähigen Geräten (Ethernet, WLAN, Mobilfunk) kann der Sensor direkt per MQTT mit der Plattform sprechen. Ein Edge-Gateway lohnt sich trotzdem für Protokollwandlung (Modbus, OPC-UA), Pufferung bei Verbindungsabbruch und lokale Vorverarbeitung.

Die Kernkomponenten sind kostenlos: ThingsBoard Community Edition (Apache 2.0, unbegrenzt Geräte), ChirpStack, Mosquitto, InfluxDB und Grafana OSS (AGPLv3). Sie zahlen Server und Betrieb, nicht pro Gerät. ThingsBoard Professional self-managed startet laut Preisliste (Stand 30.06.2026, thingsboard.io/pricing) bei rund 10 USD/Monat. Managed-Clouds wie AWS IoT oder ThingsBoard Cloud rechnen dagegen pro Gerät und Datenpunkt ab, was mit der Flottengröße linear steigt.

Über die Integrationsschicht. ThingsBoard liefert REST-API, MQTT- und Kafka-Ausgänge sowie eine Rule Engine; Node-RED ergänzt flexible Flows zu ERP, MES, Webhooks oder Datenbanken. So fließen aggregierte Werte oder Alarme kontrolliert in Geschäftssysteme, ohne dass Rohdaten die eigene Infrastruktur verlassen müssen.

Souveränität, Kostenkontrolle und kein Vendor-Lock-in. Self-hosted bleiben Daten und Plattform in der EU und unter eigener Kontrolle, die Abrechnung erfolgt über Infrastruktur statt Per-Device-Lizenzen, und der Stack ist quelloffen und portabel. Proprietäre Cloud-Plattformen koppeln Sie an Preismodelle und Schnittstellen des Anbieters.

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