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Was ist MQTT? Das leichtgewichtige IoT-Protokoll erklärt

Timo WevelsiepTimo WevelsiepAktualisiert: 30.06.2026

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung.

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MQTT (Message Queuing Telemetry Transport) ist ein leichtgewichtiges Publish/Subscribe-Protokoll für das Internet of Things. Geräte senden Nachrichten nicht direkt aneinander, sondern an benannte Kanäle (Topics) auf einem zentralen Broker. Andere Clients abonnieren diese Topics und erhalten neue Nachrichten automatisch. Diese Entkopplung, ein minimaler Protokoll-Overhead und abgestufte Zustellgarantien machen MQTT zum De-facto-Standard für die Geräte-Kommunikation - effizient genug für tausende Sensoren über schmalbandige oder instabile Netze. MQTT läuft über TCP/IP, standardmäßig auf Port 1883 (unverschlüsselt) und 8883 (TLS), und ist als OASIS-Standard in den Versionen 3.1.1 und 5.0 spezifiziert.

Inhaltsverzeichnis


Wie MQTT funktioniert: Broker und Publish/Subscribe

Im Zentrum jeder MQTT-Architektur steht der Broker (Server). Clients verbinden sich mit ihm und übernehmen zwei Rollen, oft gleichzeitig: Ein Publisher sendet eine Nachricht an ein Topic, ein Subscriber abonniert ein oder mehrere Topics. Der Broker nimmt jede veröffentlichte Nachricht entgegen und leitet sie an alle passenden Abonnenten weiter. Sender und Empfänger kennen einander nicht und müssen nicht gleichzeitig online sein - das nennt man Entkopplung in Raum, Zeit und Synchronisation.

Statt vieler Punkt-zu-Punkt-Verbindungen entsteht ein Stern: Jeder Client hält genau eine dauerhafte TCP-Verbindung zum Broker. Die wird offen gehalten (Keep-Alive), sodass der Broker Daten jederzeit per Push zustellen kann, ohne dass der Client pollen muss. Ein einziger CONNECT-Handshake genügt, danach sind die Pakete sehr klein - der feste Header eines PUBLISH-Pakets ist nur zwei Byte groß. Genau diese Sparsamkeit ist der Grund, warum MQTT in der IoT-Architektur typischerweise die Transportschicht zwischen Geräten und Plattform bildet.

Topics und Wildcards

Topics sind hierarchische, durch Schrägstriche getrennte Zeichenketten, zum Beispiel gebaeude/etage1/raum2/temperatur. Sie werden nicht vorab angelegt - ein Topic existiert, sobald jemand dorthin publisht. Für Abonnements gibt es zwei Wildcards:

  • + ersetzt genau eine Ebene: gebaeude/+/raum2/temperatur trifft alle Etagen.
  • # ersetzt mehrere Ebenen am Ende: gebaeude/etage1/# trifft alles unterhalb von Etage 1.

Wildcards sind nur beim Subscriben erlaubt, nicht beim Publishen. Eine durchdachte Topic-Hierarchie ist entscheidend für saubere Berechtigungen und Filterung - sie ist faktisch das Adressschema Ihrer gesamten IoT-Datenflüsse.

QoS 0, 1 und 2: Zustellgarantien

MQTT bietet drei Quality-of-Service-Stufen, die pro Nachricht gewählt werden und Zuverlässigkeit gegen Overhead abwägen:

QoS Garantie Ablauf Typischer Einsatz
0 At most once Fire-and-forget, keine Bestätigung Häufige, unkritische Telemetrie
1 At least once PUBACK-Bestätigung, Duplikate möglich Standard für die meisten Sensordaten
2 Exactly once Vier-Wege-Handshake, keine Duplikate Kritische Befehle, Abrechnung, Zählerstände

Höhere QoS bedeutet mehr Pakete und mehr Zustandshaltung. Für reine Messreihen, bei denen ein einzelner verlorener Wert egal ist, genügt meist QoS 0 oder 1. QoS 2 reserviert man für Fälle, in denen eine doppelte Verarbeitung schadet.

Retained Messages und Last Will

Zwei Mechanismen machen MQTT für reale Geräte robust:

  • Retained Message: Wird eine Nachricht mit gesetztem Retain-Flag publisht, speichert der Broker sie als letzten bekannten Wert des Topics. Jeder neue Abonnent erhält sie sofort beim Subscriben - ideal für Statusinformationen wie "Pumpe an/aus", die ein frisch verbundener Client sonst erst beim nächsten Update erfahren würde.
  • Last Will and Testament (LWT): Beim Verbinden hinterlegt ein Client eine Nachricht, die der Broker automatisch publisht, wenn die Verbindung unerwartet abreißt. So erfahren andere Teilnehmer zuverlässig, dass ein Gerät offline ist, ohne aktiv pollen zu müssen.

MQTT 3.1.1 vs. MQTT 5.0

MQTT 3.1.1 ist seit 2014 OASIS-Standard und nach wie vor extrem verbreitet. MQTT 5.0 wurde am 7. März 2019 als OASIS-Standard verabschiedet (oasis-open.org) und bringt vor allem für größere, produktive Systeme wichtige Erweiterungen:

  • Reason Codes: aussagekräftige Rückmeldungen statt simpler Erfolg/Fehler-Codes.
  • User Properties: beliebige Key-Value-Metadaten pro Nachricht, etwa für Routing oder Tracing.
  • Topic Aliases: lange Topic-Namen werden durch kurze numerische Aliase ersetzt und sparen Bandbreite.
  • Session Expiry und Message Expiry: explizite Lebensdauer für Sessions und Nachrichten.
  • Shared Subscriptions: mehrere Consumer teilen sich ein Abonnement zur Lastverteilung.
  • Flow Control und Request/Response: kontrollierter Nachrichtenfluss und ein sauberes Anfrage/Antwort-Muster.

MQTT 5.0 ist abwärtskompatibel - ein 5.0-Broker akzeptiert auch 3.1.1-Clients. Für neue Plattformen empfehlen wir MQTT 5.0, sofern Geräte-Firmware und Bibliotheken es unterstützen.

Sicherheit: TLS, Authentifizierung und ACLs

MQTT bringt selbst keine Verschlüsselung mit, lässt sich aber durchgängig absichern - drei Ebenen gehören immer dazu:

  1. Transportverschlüsselung: TLS auf Port 8883 statt Klartext auf 1883. Damit sind Anmeldedaten und Nutzdaten gegen Mitlesen und Manipulation geschützt.
  2. Authentifizierung: Benutzername und Passwort im CONNECT-Paket oder, stärker, Client-Zertifikate (mTLS). Größere Broker unterstützen zusätzlich JWT/OAuth.
  3. Autorisierung: Access Control Lists (ACLs) regeln pro Identität, welche Topics ein Client publishen oder abonnieren darf - das verhindert, dass ein kompromittiertes Gerät fremde Datenströme mitliest oder fälscht.

Wer MQTT öffentlich erreichbar macht, sollte 1883 niemals offen ins Internet stellen, sondern ausschließlich TLS plus Authentifizierung nutzen.

Broker im Vergleich: Mosquitto und EMQX

Die Broker-Wahl bestimmt Betrieb, Skalierung und Lizenzfreiheit. Zwei Vertreter dominieren in self-hosted Setups:

Kriterium Eclipse Mosquitto EMQX
Architektur schlanker Single-Node verteilter Cluster
Skalierung kleine bis mittlere Deployments, Edge bis zu Millionen Verbindungen
Lizenz EPL 2.0 / EDL 1.0 (echte Open Source) BSL 1.1 seit v5.9
Aktuelle Version 2.1.2 (Feb. 2026) 5.10.x
Stärke minimaler Footprint, einfacher Betrieb Regel-Engine, viele Integrationen, QUIC

Eclipse Mosquitto ist der pragmatische Standard für die meisten Projekte und Edge-Gateways; Version 2.1.2 erschien am 9. Februar 2026. EMQX zielt auf sehr große, verteilte Lasten - allerdings steht die Open-Source-Linie seit Version 5.9 unter der Business Source License (BSL 1.1), nicht mehr unter Apache 2.0; die letzte Apache-Version 5.8 erreicht laut Hersteller am 28. Februar 2026 ihr End-of-Life. Wer echte OSI-Open-Source mit Clustering braucht, prüft Alternativen wie HiveMQ Community Edition, VerneMQ oder NanoMQ. Wir wählen den Broker bewusst nach Souveränität, Last und Betriebsaufwand - kein Cloud-Lock-in, keine Per-Device-Lizenzkosten.

MQTT vs. HTTP vs. CoAP: wann was

Eigenschaft MQTT HTTP CoAP
Muster Publish/Subscribe Request/Response Request/Response (+ Observe)
Transport TCP TCP UDP
Verbindung dauerhaft, push kurzlebig, pull verbindungslos
Overhead sehr gering hoch pro Request gering
Stärke viele Geräte, Echtzeit-Telemetrie REST-Integrationen, seltene Calls sehr ressourcenarme Geräte

MQTT spielt seine Stärke aus, wenn viele Geräte dauerhaft verbunden bleiben und kontinuierlich Daten senden oder Befehle in Echtzeit empfangen. HTTP passt für seltene, request-basierte Aufrufe und einfache REST-Anbindung. CoAP ist die UDP-basierte Wahl für extrem eingeschränkte Geräte, etwa batteriebetriebene Sensoren ohne stabile Verbindung.

MQTT mit ThingsBoard und Node-RED

In der Praxis ist MQTT der Klebstoff zwischen Sensorik und Plattform. ThingsBoard bringt einen eigenen MQTT-Transport mit und verhält sich für Geräte wie ein Broker: Geräte verbinden sich auf 1883 oder 8883, authentifizieren sich meist über ein Access-Token als MQTT-Benutzername und publishen Telemetrie an v1/devices/me/telemetry. ThingsBoard akzeptiert MQTT v3.1, v3.1.1 und v5.0 (thingsboard.io). Unsere Umsetzung beschreibt die ThingsBoard-Expertise.

Für Vorverarbeitung, Protokollübersetzung und Routing setzen wir Node-RED ein: Mit den MQTT-In- und MQTT-Out-Nodes abonniert Node-RED Topics, transformiert oder filtert Nutzdaten und schreibt sie weiter - etwa in eine Zeitreihendatenbank, deren Auswertung Sie im Grafana-IoT-Dashboard sehen. So entsteht ein durchgängiger, offener Datenpfad vom Sensor bis zur Visualisierung.

MQTT souverän betreiben mit WZ-IT

MQTT ist offen, schlank und herstellerneutral - die ideale Basis für eine souveräne IoT-Plattform ohne Cloud-Lock-in und ohne Per-Device-Lizenzexplosion. Wir bei WZ-IT planen den Broker (meist Mosquitto, bei Bedarf skalierbare Cluster), härten ihn mit TLS, mTLS und ACLs, und integrieren ihn mit ThingsBoard, Node-RED und Grafana auf Ihrer eigenen Infrastruktur in der EU - Proxmox, Hetzner oder On-Premises. Sie behalten Daten, Schlüssel und Betrieb in der Hand.

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Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen

MQTT (Message Queuing Telemetry Transport) ist ein leichtgewichtiges Publish/Subscribe-Protokoll für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation im Internet of Things. Geräte senden (publish) Nachrichten an benannte Topics auf einem zentralen Broker, andere Clients abonnieren (subscribe) diese Topics und erhalten die Nachrichten automatisch. Sender und Empfänger kennen sich nicht direkt, der Broker entkoppelt sie zeitlich und räumlich. Das macht MQTT effizient für viele Geräte über instabile oder bandbreitenschwache Netze.

MQTT 3.1.1 (OASIS-Standard seit 2014) ist die weit verbreitete, schlanke Basisversion. MQTT 5.0 (OASIS-Standard seit dem 7. März 2019) ergänzt unter anderem aussagekräftige Reason Codes, User Properties (eigene Metadaten pro Nachricht), Topic Aliases, Session Expiry, Message Expiry, Shared Subscriptions für Lastverteilung, Flow Control und ein sauberes Request/Response-Muster. MQTT 5.0 ist abwärtskompatibel: Ein 5.0-Broker akzeptiert auch 3.1.1-Clients.

QoS (Quality of Service) legt die Zustellgarantie fest. QoS 0 (at most once) sendet ohne Bestätigung, Nachrichten können verloren gehen. QoS 1 (at least once) garantiert die Zustellung, kann aber Duplikate erzeugen. QoS 2 (exactly once) stellt über einen Vier-Wege-Handshake genau eine Zustellung sicher, mit dem höchsten Overhead. Für Telemetrie reicht meist QoS 0 oder 1, QoS 2 nutzt man für kritische Befehle oder Abrechnungsdaten.

Eclipse Mosquitto ist ein schlanker Single-Node-Broker, ideal für kleine bis mittlere Deployments, Edge-Gateways und Tests. Er ist echte Open Source (EPL/EDL); aktuelle Version ist 2.1.2 (Februar 2026). EMQX ist ein verteilter, hoch skalierbarer Cluster-Broker für Millionen Verbindungen mit Regel-Engine und vielen Integrationen, steht aber seit Version 5.9 unter der Business Source License (BSL 1.1). Für maximale Souveränität und einfachen Betrieb wählen wir oft Mosquitto, für sehr große Cluster EMQX oder andere skalierbare Broker.

MQTT selbst bringt keine Verschlüsselung mit, gilt aber als sicher, wenn man es richtig betreibt. Standard ist TLS auf Port 8883 (statt unverschlüsselt 1883), dazu Authentifizierung über Benutzername/Passwort oder Client-Zertifikate (mTLS) und Autorisierung über Access Control Lists pro Topic. So lassen sich Verbindung, Identität und Topic-Zugriff durchgängig absichern.

MQTT lohnt sich, wenn viele Geräte dauerhaft verbunden bleiben, kontinuierlich Telemetrie senden oder Befehle in Echtzeit empfangen sollen und die Bandbreite knapp ist. Der persistente Push-Kanal hat deutlich weniger Overhead pro Nachricht als wiederholte HTTP-Requests. HTTP passt besser für seltene, request/response-basierte Aufrufe und einfache REST-Integrationen. Für sehr ressourcenarme Geräte über UDP ist CoAP eine Alternative.

ThingsBoard bringt einen eigenen MQTT-Transport mit und verhält sich für Geräte wie ein MQTT-Broker. Geräte verbinden sich auf Port 1883 (oder 8883 mit TLS), authentifizieren sich meist über ein Access-Token als MQTT-Benutzername und publishen Telemetrie an das Topic v1/devices/me/telemetry. ThingsBoard akzeptiert MQTT v3.1, v3.1.1 und v5.0. Mit Node-RED lassen sich Daten zusätzlich vorverarbeiten und zwischen Broker und Plattform routen.

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