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GrundlagenIoT

ThingsBoard vs AWS IoT Core & Azure IoT Hub

Timo WevelsiepTimo WevelsiepAktualisiert: 30.06.2026

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung.

ThingsBoard ist eine vollständige IoT-Plattform; AWS IoT Core und Azure IoT Hub sind primär Konnektivitäts-Layer. Das ist der Kern des Vergleichs. ThingsBoard liefert Geräteverwaltung, Regel-Engine und fertige Dashboards in einem Produkt und läuft self-hosted auf Ihrer Infrastruktur zu einer flachen Serverrechnung. AWS IoT Core und Azure IoT Hub bringen Geräte verlässlich in die Cloud, rechnen aber pro Nachricht beziehungsweise pro Unit ab, und Visualisierung, Analytik und Speicherung baut man dort aus Zusatzdiensten zusammen. Dieser Artikel vergleicht Funktionsumfang, aktuelle Preise 2026 mit Beispielrechnung, Datensouveränität, Lock-in und Betrieb, und sagt, wann welcher Weg passt.

Funktionsumfang: Plattform vs. reine Konnektivität

Der wichtigste Unterschied ist der Zuschnitt. ThingsBoard deckt die komplette Anwendungsschicht ab: Geräteverwaltung über Device Profiles, native Transporte (MQTT, HTTP, CoAP, LwM2M, SNMP), eine visuelle Regel-Engine (Rule Chains), frei baubare Dashboards, Alarme, Mandantenfähigkeit und RBAC. Was ThingsBoard ist und kann, beschreibt Was ist ThingsBoard? im Detail. Aktuell ist ThingsBoard 4.3 (Januar 2026); die Community Edition steht unter Apache 2.0.

AWS IoT Core und Azure IoT Hub sind enger geschnitten. Ihre Kernaufgabe ist Konnektivität: ein skalierbarer MQTT/HTTP-Endpunkt, Geräteauthentifizierung, ein Geräteschatten (Device Shadow bei AWS, Device Twin bei Azure) und eine Routing-Logik (Rules Engine bei AWS, Message Routing bei Azure), die Nachrichten an nachgelagerte Dienste weiterreicht. Geräteverwaltung im Sinne von Provisionierung, Jobs und Updates gibt es als eigene Bausteine (AWS IoT Device Management, Azure Device Provisioning Service). Dashboards, Analytik und Langzeitspeicher sind nicht enthalten: Bei AWS kombiniert man dafür Timestream, Lambda, S3 und QuickSight, bei Azure Stream Analytics, Functions, Storage und Power BI. Das ist mächtig und tief integriert, aber jeder Baustein hat eigene Abrechnung, eigene Konfiguration und eigenen Lock-in.

Praktisch bedeutet das: Was bei ThingsBoard eine Plattform ist, ist beim Hyperscaler eine Architektur aus fünf bis acht Diensten. Für reine Konnektivität in einem bestehenden Cloud-Stack ist das passend. Für eine IoT-Lösung mit Dashboards und Geschäftslogik ist ThingsBoard der kürzere Weg.

Preismodelle: flache Serverrechnung vs. per Message und per Unit

Hier trennen sich die Modelle grundsätzlich.

AWS IoT Core rechnet pro Komponente ab, ohne Mindestgebühr (US East N. Virginia, Stand aws.amazon.com/iot-core/pricing, Juni 2026):

  • Konnektivität: 0,08 USD pro 1 Mio. Verbindungsminuten.
  • Messaging: 1,00 USD pro 1 Mio. Nachrichten (erste 1 Mrd./Monat, danach gestaffelt bis ca. 0,70 USD), getaktet in 5-KB-Blöcken (eine 8-KB-Nachricht zählt doppelt).
  • Device Shadow und Registry: 1,25 USD pro 1 Mio. Operationen, getaktet in 1-KB-Blöcken.
  • Rules Engine: 0,15 USD pro 1 Mio. ausgelöste Regeln plus 0,15 USD pro 1 Mio. Aktionen.

Azure IoT Hub rechnet pro Unit und Tier ab (Stand azure.microsoft.com/pricing/details/iot-hub, Juni 2026):

  • Free F1: 8.000 Nachrichten/Tag, getaktet in 0,5-KB-Blöcken.
  • Basic B1/B2/B3: ca. 10 / 50 / 500 USD pro Unit/Monat, aber ohne Cloud-to-Device, Device Twins und Device Management.
  • Standard S1/S2/S3: ca. 25 / 250 / 2.500 USD pro Unit/Monat für 400.000 / 6 Mio. / 300 Mio. Nachrichten/Tag, getaktet in 4-KB-Blöcken.

ThingsBoard kennt weder Per-Message- noch Per-Device-Gebühr. Die Community Edition (Apache 2.0) ist lizenzkostenfrei, auch kommerziell. Sie zahlen Server, Storage und Betrieb, eine flache Rechnung, die nicht mit jeder Nachricht wächst. Optional gibt es die Professional Edition als Perpetual License ab 4.999 USD einmalig (Stand thingsboard.io/pricing, Juni 2026). Die vollständige Aufschlüsselung steht unter ThingsBoard Preise.

Kriterium ThingsBoard (self-hosted) AWS IoT Core Azure IoT Hub
Zuschnitt Komplette IoT-Plattform Konnektivität + Routing Konnektivität + Routing
Dashboards Eingebaut, frei baubar Über QuickSight (extra) Über Power BI (extra)
Regel-/Routing-Logik Rule Engine eingebaut Rules Engine (per Aktion) Message Routing
Abrechnung Flache Serverrechnung Pro Nachricht/Operation Pro Unit/Tier
Per-Device-Gebühr Nein Indirekt (Messaging) Indirekt (Tier-Limit)
Nachrichten-Taktung Keine 5-KB-Blöcke 4-KB-Blöcke
Lizenz CE: Apache 2.0 (frei) Service-Preis Service-Preis
Datenhaltung Eigene DB, beliebig lang Zusatzdienste Zusatzdienste

Beispielrechnung: 10.000 Geräte, eine Nachricht pro Minute

Eine grobe Rechnung macht das Modell sichtbar. 10.000 Geräte mit je einer kleinen Nachricht (unter 4 KB) pro Minute erzeugen rund 432 Mio. Nachrichten/Monat.

  • AWS IoT Core: Messaging 432 Mio. x 1,00 USD/Mio. = 432 USD, plus Konnektivität (10.000 Geräte dauerhaft verbunden = 432 Mio. Minuten x 0,08 USD/Mio. = ca. 35 USD), zusammen rund 467 USD/Monat, bevor Rules Engine und Device Shadow dazukommen. Wird je Nachricht eine Regel mit einer Aktion ausgelöst, kommen ca. 130 USD/Monat obendrauf.
  • Azure IoT Hub: 432 Mio./Monat sind ca. 14,4 Mio. Nachrichten/Tag. Ein S2-Unit fasst 6 Mio./Tag, also drei Units = 3 x 250 USD = rund 750 USD/Monat.
  • Self-hosted ThingsBoard: Diese Last (ca. 167 Nachrichten/Sekunde) bewältigt ein solider Server (z. B. 8 vCPU, 32 GB RAM auf Proxmox oder Hetzner) für rund 100 bis 150 EUR/Monat plus Betrieb, unabhängig vom Nachrichtenvolumen. Die Community Edition ist lizenzkostenfrei.

Der entscheidende Punkt ist die Skalierung: Verdoppeln Sie die Flotte, verdoppelt sich die Cloud-Rechnung. Die Serverrechnung steigt erst, wenn die Hardware an ihre Grenzen kommt, also in Stufen statt linear. Diese Linearität ist der eigentliche Kostentreiber bei Hyperscaler-IoT und wird in IoT self-hosted vs. Cloud breiter eingeordnet.

Datensouveränität, DSGVO und EU

Bei AWS IoT Core und Azure IoT Hub laufen Telemetrie, Stammdaten und oft Steuerbefehle über einen US-Hyperscaler. Auch in einer EU-Region unterliegen US-Anbieter dem CLOUD Act, der Behörden unabhängig vom Speicherort Zugriff verschaffen kann. Für personenbezogene oder geschäftskritische Maschinendaten ist das ein reales Compliance-Thema.

Self-hosted ThingsBoard dreht das um: Die Plattform läuft auf Ihrer Infrastruktur in der EU, ohne Drittlandtransfer und ohne geteilte Verantwortung mit einem Hyperscaler. Verschlüsselung, Aufbewahrungsfristen, Löschkonzepte und Zugriffsrechte bestimmen Sie selbst. Für viele europäische Industrie- und Versorgungskunden ist das der ausschlaggebende Punkt, lange bevor es um Cent pro Nachricht geht. Der EU Data Act (Verordnung (EU) 2023/2854), seit 12. September 2025 anwendbar, verstärkt diese Richtung: Recht auf Datenzugang und ab 12. Januar 2027 ein Verbot von Wechselgebühren bei Cloud-Anbietern.

Lock-in und Betrieb

AWS IoT Core und Azure IoT Hub binden auf mehreren Ebenen: proprietäre APIs und SDKs, anbieterspezifische Dienste rundherum (Lambda/Functions, Timestream/Stream Analytics, QuickSight/Power BI) und der schiere Migrationsaufwand, sobald tausende Geräte umziehen müssten. Der Ausstieg ist oft teurer als der Einstieg. ThingsBoard setzt auf offene Protokolle (MQTT, HTTP, CoAP), eine offene Datenbank (PostgreSQL, optional TimescaleDB) und vollen Zugriff auf den Quellcode, das ist Portabilität by design.

Ehrlich bleibt: Self-hosting hat einen Betriebspreis. Updates, Backups, Monitoring, Security-Patches und Datenbank-Skalierung brauchen einen Verantwortlichen. Dieser Aufwand ist aber planbar und begrenzt, während die Cloud-Rechnung mit jedem neuen Gerät weiterläuft. In der Praxis übernehmen viele Kunden den Betrieb als Managed Service und behalten trotzdem Datensouveränität, offene Schnittstellen und den Quellcode.

Wann self-hosted ThingsBoard, wann Hyperscaler?

Situation Empfehlung
Wenige Geräte, kurzlebiger Prototyp, kein IT-Team AWS/Azure (schneller Start)
Tief in AWS/Azure integriert, kleine stabile Flotte AWS/Azure (Ökosystem-Nähe)
Wachsende Flotte (tausende Geräte) ThingsBoard (Kosten kippen sonst)
Dashboards und Geschäftslogik als Kern ThingsBoard (Plattform statt Bausteine)
Personenbezogene/kritische Maschinendaten ThingsBoard (DSGVO, kein CLOUD Act)
Sorge um Lock-in / Data-Act-Konformität ThingsBoard (offene Standards)
Volle Kontrolle, aber kein Ops-Team ThingsBoard als Managed Service

Als Faustregel: Für einen schnellen Test ist die Cloud bequem. Für alles, was wächst, dauerhaft läuft oder regulatorisch sensibel ist, ist eine souveräne, self-hosted Plattform die nachhaltigere Wahl. Eine breitere Einordnung der Open-Source-Optionen gibt der Vergleich der IoT-Plattformen.

So arbeiten wir bei WZ-IT

Wir planen, bauen und betreiben souveräne, self-hosted IoT-Plattformen mit ThingsBoard auf Ihrer Infrastruktur (Proxmox, Hetzner, on-prem), DSGVO-konform aus Deutschland und ohne Cloud-Lock-in. Wir modellieren die realen Kosten ehrlich gegen Ihre AWS- oder Azure-Alternative und übernehmen auf Wunsch den kompletten Betrieb. Mehr dazu auf unserer Seite zu ThingsBoard, im IoT-Hub und speziell zur IoT-Plattform-Entwicklung. Für ein unverbindliches Erstgespräch buchen Sie direkt einen Termin.

Sie möchten IoT nicht selbst betreiben? WZ-IT übernimmt Einrichtung, Betrieb und Wartung – DSGVO-konform aus Deutschland.

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen

ThingsBoard ist eine vollständige IoT-Anwendungsplattform mit Geräteverwaltung, Regel-Engine und fertigen Dashboards in einem Produkt. AWS IoT Core liefert primär Konnektivität (MQTT/HTTP-Broker, Device Shadow, Registry, Rules Engine zum Weiterleiten). Visualisierung, Analytik und Speicherung baut man bei AWS aus Zusatzdiensten (Timestream, QuickSight, Lambda) zusammen. ThingsBoard self-hosted läuft auf Ihrer Infrastruktur ohne Per-Message-Abrechnung.

AWS IoT Core rechnet pro Komponente ab (US East, Stand aws.amazon.com/iot-core/pricing, Juni 2026): Konnektivität 0,08 USD pro 1 Mio. Verbindungsminuten, Messaging 1,00 USD pro 1 Mio. Nachrichten (erste 1 Mrd./Monat, danach gestaffelt bis ca. 0,70 USD), getaktet in 5-KB-Blöcken. Device Shadow und Registry kosten 1,25 USD pro 1 Mio. Operationen, die Rules Engine 0,15 USD pro 1 Mio. ausgelöste Regeln plus 0,15 USD pro 1 Mio. Aktionen.

Azure IoT Hub rechnet pro Unit und Tier (Stand azure.microsoft.com/pricing/details/iot-hub, Juni 2026): Standard S1 ca. 25 USD/Monat pro Unit für 400.000 Nachrichten/Tag, S2 ca. 250 USD für 6 Mio./Tag, S3 ca. 2.500 USD für 300 Mio./Tag. Nachrichten werden in 4-KB-Blöcken getaktet. Der Free-Tier F1 erlaubt 8.000 Nachrichten/Tag, Basic-Tiers (B1-B3) sind günstiger, bieten aber kein Cloud-to-Device, keine Device Twins und kein Device Management.

Ab einigen tausend Geräten meist ja. ThingsBoard Community Edition ist lizenzkostenfrei (Apache 2.0); Sie zahlen eine flache Serverrechnung statt pro Gerät und pro Nachricht. Bei 10.000 Geräten mit je einer Nachricht pro Minute liegt AWS IoT Core schnell bei rund 467 USD/Monat (nur Messaging plus Konnektivität), Azure IoT Hub bei rund 750 USD/Monat, während ein passender Server flach bleibt und nicht mit dem Nachrichtenvolumen wächst.

Self-hosted ThingsBoard. Telemetrie und Stammdaten liegen auf Ihrer Infrastruktur in der EU (Proxmox, Hetzner, on-prem), ohne Drittlandtransfer und ohne Zugriff über den US CLOUD Act. AWS und Azure unterliegen auch in EU-Regionen US-Recht. Sie behalten bei ThingsBoard volle Kontrolle über Verschlüsselung, Aufbewahrung und Löschung.

Bei kleinen oder kurzlebigen Projekten ohne eigenes IT-Team, bei stark schwankenden Geräten und wenn Sie ohnehin tief in AWS oder Azure integriert sind. Der schnelle Start und die Anbindung an das Ökosystem (Lambda, Functions, Data Lakes) sind dann reale Vorteile. Der Preis ist Lock-in und eine Rechnung, die mit der Flotte wächst.

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