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Was ist ChirpStack?

Timo WevelsiepTimo WevelsiepAktualisiert: 30.06.2026

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung.

ChirpStack ist ein quelloffener LoRaWAN Network Server unter der MIT-Lizenz, mit dem Sie ein eigenes LoRaWAN-Netz aufbauen und betreiben. Er nimmt die Daten Ihrer LoRaWAN-Sensoren über die Gateways entgegen, verwaltet Geräte und reicht die Nutzdaten an Ihre Anwendungen weiter. Anders als bei AWS IoT, Azure IoT oder kommerziellen LoRaWAN-Plattformen läuft ChirpStack vollständig auf Ihrer eigenen Infrastruktur, ohne Cloud-Lock-in und ohne Per-Device-Lizenzen.

Was ist ChirpStack?

ChirpStack ist die zentrale Software-Schicht eines privaten LoRaWAN-Netzes. LoRaWAN ist das Funkprotokoll für stromsparende Sensoren mit hoher Reichweite; der Network Server ist das Gehirn dahinter. Er übernimmt Aufgaben wie Geräte-Aktivierung (OTAA/ABP), Deduplizierung von Paketen, die mehrere Gateways gleichzeitig empfangen haben, Adaptive Data Rate, Verschlüsselung und das Routing der Nutzdaten zu Ihren Anwendungen.

Das Projekt wurde ursprünglich von Orne Brocaar entwickelt und ist heute einer der etabliertesten Open-Source-Stacks im LoRaWAN-Umfeld. Alle Komponenten stehen unter der MIT-Lizenz und dürfen frei, auch kommerziell, eingesetzt werden. Es gibt keine abgespeckte Community-Version und keine kostenpflichtige Enterprise-Edition: Der volle Funktionsumfang ist quelloffen. Aktuell ist Version 4.18 (veröffentlicht im Mai 2026).

Die Komponenten von ChirpStack v4

Mit Version 4 hat das Projekt seine Architektur deutlich vereinfacht. Der früher getrennte Network Server und Application Server sind zu einer einzigen Komponente verschmolzen. Ein ChirpStack-Setup besteht im Kern aus diesen Bausteinen:

  • ChirpStack (Server): Die zentrale Komponente. Sie vereint Network- und Application-Server-Funktionen, bringt eine Weboberfläche zur Verwaltung von Gateways, Geräten und Mandanten (Tenants) mit und stellt eine gRPC-basierte API für Integrationen bereit. Version 4 unterstützt zudem mehrere Funkregionen in einer einzigen Instanz.
  • ChirpStack Gateway Bridge: Übersetzt die Protokolle der Packet Forwarder (Semtech UDP oder Basics Station) in Protobuf oder JSON über MQTT. Die Bridge läuft entweder direkt auf dem Gateway oder zentral neben dem Server.
  • ChirpStack Concentratord: Ein Daemon, der direkt mit der LoRa-Concentrator-Hardware des Gateways spricht und eine saubere, einheitliche API bereitstellt.
  • ChirpStack MQTT Forwarder: Läuft auf dem Gateway und leitet die Daten per MQTT weiter, wahlweise auf Basis von Concentratord oder dem Semtech-UDP-Forwarder.
  • MQTT-Broker: Das Nachrichten-Rückgrat zwischen Gateways und Server. In der Praxis kommt meist Eclipse Mosquitto zum Einsatz. MQTT ist auch der Standard-Weg, um Nutzdaten an nachgelagerte Anwendungen zu integrieren.
  • PostgreSQL und Redis: PostgreSQL speichert dauerhaft Geräte, Konfiguration und Metadaten; Redis hält flüchtige Zustände und Sessions. Für eingebettete Szenarien unterstützt v4 alternativ SQLite.

Ergänzend gibt es das ChirpStack Gateway OS, ein fertiges Betriebssystem für gängige Gateways mit vorinstallierten Komponenten, sowie das mit v4.9 eingeführte Gateway Mesh, mit dem Relay-Gateways auch ohne direkte Internetanbindung die Funkabdeckung erweitern.

Welche Gateways unterstützt ChirpStack?

ChirpStack ist herstellerneutral und arbeitet mit nahezu jedem LoRaWAN-Gateway zusammen. Entscheidend ist nicht die Marke, sondern das gesprochene Protokoll:

Protokoll Eigenschaften Empfehlung
Semtech UDP Packet Forwarder Einfach, unverschlüsselt, UDP-basiert Maximale Kompatibilität, viele Altgeräte
Semtech Basics Station TLS-verschlüsselt, WebSocket, robuster Empfohlen für neue Produktivsetups
ChirpStack MQTT Forwarder Direkt MQTT, in mancher Firmware integriert Wenn der Hersteller es mitliefert

In der Praxis funktionieren damit Gateways von Multitech, Kerlink, Dragino, RAK Wireless, Milesight und vielen weiteren Anbietern. Sie sind also nicht an ein bestimmtes Hardware-Ökosystem gebunden und können Gateways nach Reichweite, Robustheit und Preis auswählen.

Integrationen: von ChirpStack zu Ihren Anwendungen

Ein LoRaWAN-Netz ist nur so nützlich wie das, was mit den Daten passiert. Hier kommt die frühere Application-Server-Rolle ins Spiel: ChirpStack bietet eine Reihe eingebauter Integrationen, um die entschlüsselten Nutzdaten an Ihre Systeme weiterzureichen. Dazu zählen generisches MQTT und HTTP/Webhooks, Zeitreihen-Datenbanken wie InfluxDB, ein direkter Grafana-Pfad für Dashboards sowie Konnektoren zu großen Cloud-Diensten. Über die gRPC-API lässt sich ChirpStack zudem vollständig automatisieren und in eigene Plattformen einbetten. So fließen Sensorwerte etwa in ein Grafana-IoT-Dashboard oder in eine eigene Anwendung, ganz ohne Umweg über eine fremde Cloud.

ChirpStack self-hosted betreiben

Der entscheidende Vorteil von ChirpStack ist der souveräne, self-hosted Betrieb. Sie installieren den Stack auf eigener Hardware, in einer VM auf Proxmox, auf einem Hetzner-Server oder on-premises im Werk. Damit liegen Geräteschlüssel, Sensordaten und Netzkonfiguration vollständig in Ihrer Hand, ein wichtiges Argument für Datenschutz, Industrie-Compliance und EU-Datenhoheit.

Die gängige Installation erfolgt per Docker Compose oder über die offiziellen Debian-/Ubuntu-Pakete. Benötigt werden ChirpStack, ein MQTT-Broker, PostgreSQL und Redis, alles ausgereifte Open-Source-Komponenten. Für ein Pilotprojekt genügen ein kleiner Server und ein einzelnes Gateway. Wächst das Netz, lassen sich Datenbank, Broker und Server getrennt skalieren und über mehrere Gateways hinweg hochverfügbar auslegen.

ChirpStack vs. TTN und kommerzielle LNS

Der häufigste Vergleich ist der zu The Things Network (TTN) und zu Managed-LoRaWAN-Plattformen:

ChirpStack (self-hosted) The Things Network / Stack Kommerzielle Cloud-LNS
Modell Open Source (MIT), selbst betrieben Community-Cloud / SaaS Proprietäres SaaS
Datenhoheit Vollständig, eigene Infrastruktur Bei TTN auf fremder Cloud Beim Anbieter
Kosten Nur Infrastruktur und Betrieb Free Tier / nutzungsabhängig Oft Per-Device-Gebühren
Lock-in Keiner Mittel Hoch
Betrieb In eigener Verantwortung Anbieter Anbieter

ChirpStack ist die richtige Wahl, wenn Sie Daten und Verfügbarkeit selbst kontrollieren, Per-Device-Lizenzkosten vermeiden und unabhängig von einem einzelnen Anbieter bleiben wollen. TTN ist praktisch für schnelle, unkritische Experimente; kommerzielle Plattformen nehmen Ihnen den Betrieb ab, oft aber zum Preis von Lock-in und nutzungsabhängigen Gebühren.

Was kostet ChirpStack?

Die Software selbst ist durch die MIT-Lizenz kostenlos, ohne Lizenz- oder Per-Device-Gebühren. Die realen Kosten entstehen an anderer Stelle: Server bzw. VM, Gateways, optional ein MQTT-/Datenbank-Betrieb mit Backups sowie der laufende Betrieb (Updates, Monitoring, Support). Wie sich diese Posten in der Praxis zusammensetzen, rechnen wir im Detail im Artikel Was kostet ChirpStack? durch.

Nächste Schritte

ChirpStack ist der quelloffene, herstellerneutrale Weg zu einem eigenen LoRaWAN-Netz, ohne Cloud-Lock-in und ohne Lizenzfalle. Wenn Sie ein Netz planen oder ChirpStack nicht selbst betreiben möchten, übernehmen wir Konzeption, Einrichtung und Betrieb auf Ihrer Infrastruktur. Mehr dazu auf unserer Seite zu ChirpStack & LoRaWAN Network Server und im Überblick zu LoRaWAN-Lösungen von WZ-IT. Ein unverbindliches Kennenlern-Gespräch können Sie direkt online buchen.

Sie möchten IoT nicht selbst betreiben? WZ-IT übernimmt Einrichtung, Betrieb und Wartung – DSGVO-konform aus Deutschland.

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Ja. ChirpStack steht vollständig unter der MIT-Lizenz und ist kostenlos nutzbar, auch kommerziell, ohne Lizenzgebühren und ohne Per-Device-Kosten. Aufwand entsteht nur durch die eigene Infrastruktur (Server, Datenbank, Gateways) und den Betrieb. Eine detaillierte Kostenaufstellung finden Sie in unserem Artikel zu den ChirpStack-Kosten.

Alle ChirpStack-Komponenten stehen unter der MIT-Lizenz, einer sehr permissiven Open-Source-Lizenz. Sie dürfen die Software frei einsetzen, anpassen und auch in kommerziellen Produkten verwenden. Es gibt keine Open-Core-Beschränkung und keine kostenpflichtige Enterprise-Edition.

ChirpStack ist mit nahezu allen marktüblichen LoRaWAN-Gateways kompatibel. Voraussetzung ist, dass das Gateway den Semtech UDP Packet Forwarder, Semtech Basics Station oder den ChirpStack MQTT Forwarder spricht. Das trifft auf Modelle von Multitech, Kerlink, Dragino, RAK Wireless, Milesight und vielen weiteren Herstellern zu.

ChirpStack ist eine Software, die Sie selbst auf eigener Infrastruktur betreiben, mit voller Datenhoheit und ohne Drittanbieter. The Things Network ist eine öffentliche, community-betriebene Cloud-Plattform (mit kommerziellem The Things Stack). Wer Daten und Verfügbarkeit selbst kontrollieren will, wählt das self-hosted ChirpStack.

Ja. ChirpStack ist der Network Server, also die Software hinter dem Funknetz. Für die LoRaWAN-Funkstrecke benötigen Sie mindestens ein LoRaWAN-Gateway, das die Sensordaten empfängt und an ChirpStack weiterleitet. Ein einzelnes Gateway reicht für erste Projekte oft aus.

In Version 4 wurden der frühere Network Server und Application Server zu einer einzigen Komponente zusammengeführt, was Betrieb und Installation deutlich vereinfacht. Hinzu kamen integrierte Multi-Region-Unterstützung, eine SQLite-Option für eingebettete Systeme und Funktionen wie FUOTA. Aktuell ist Version 4.18 (Mai 2026).

Ja. ChirpStack ist für den Produktivbetrieb ausgelegt und nutzt bewährte Bausteine wie PostgreSQL, Redis und einen MQTT-Broker. Die Installation per Docker oder Debian-Paketen ist gut dokumentiert. Wir konzipieren und betreiben ChirpStack auf Wunsch komplett auf Ihrer eigenen Infrastruktur.

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