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IoT-Plattform self-hosted vs. Cloud: der ehrliche Vergleich

Timo WevelsiepTimo WevelsiepAktualisiert: 30.06.2026

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung.

Self-hosted IoT lohnt sich, sobald Datensouveränität, planbare Kosten und Unabhängigkeit zählen; eine Cloud-Plattform lohnt sich bei kleinen, kurzlebigen Projekten ohne eigenes IT-Team. Der Kern des Unterschieds ist das Abrechnungs- und Kontrollmodell: Cloud-IoT (AWS IoT, Azure IoT, Cumulocity) rechnet pro Gerät und pro Nachricht ab und hält Ihre Daten in fremder Infrastruktur. Self-hosted (ThingsBoard und ChirpStack auf Proxmox, Hetzner oder on-prem) ist eine flache Serverrechnung mit voller Datenhoheit. Dieser Artikel vergleicht beide ehrlich entlang von fünf Achsen: Souveränität, Kosten, Lock-in, Latenz und Betrieb, und gibt eine Entscheidungstabelle.

Die fünf Entscheidungsachsen

Die Wahl zwischen self-hosted und Cloud ist keine Glaubensfrage, sondern eine Abwägung entlang von fünf Achsen:

  1. Datensouveränität und DSGVO: Wo liegen die Daten, wer hat Zugriff?
  2. Kosten: flache Serverrechnung gegen Per-Device- und Per-Message-Abrechnung.
  3. Lock-in: Wie teuer ist der Ausstieg, und was sagt der EU Data Act?
  4. Latenz und Edge: Wie nah muss die Verarbeitung an die Maschine?
  5. Betrieb und Aufwand: Wer pflegt, patcht und skaliert die Plattform?

Welche Bausteine auf welcher Schicht sitzen, erklärt der Überblick zur IoT-Architektur.

Datensouveränität und DSGVO: wo die Daten wirklich liegen

Bei einer Cloud-IoT-Plattform laufen Telemetrie, Gerätestammdaten und oft auch Steuerbefehle über Infrastruktur eines US-Hyperscalers oder eines proprietären Anbieters. Selbst bei einer EU-Region unterliegen US-Anbieter dem CLOUD Act, der Behörden potenziell Zugriff auf Daten gibt, unabhängig vom Speicherort. Für personenbeziehbare oder geschäftskritische Maschinendaten ist das ein reales Compliance-Thema.

Self-hosted dreht das um: ThingsBoard und ChirpStack laufen auf Ihrer Infrastruktur in der EU. Es gibt keinen Drittlandtransfer, keine geteilte Verantwortung mit einem Hyperscaler und keine Blackbox. Sie bestimmen Verschlüsselung, Aufbewahrungsfristen, Löschkonzepte und Zugriffsrechte selbst. Für viele deutsche Industrie- und Versorgungskunden ist das der entscheidende Punkt, lange bevor es um Cent pro Nachricht geht.

Kosten: Per-Device-Cloud-Explosion vs. flache Serverrechnung

Hier liegt der härteste, oft unterschätzte Unterschied. Cloud-IoT-Plattformen rechnen mit der Flotte mit:

  • AWS IoT Core berechnet Messaging ab 1,00 USD pro Million Nachrichten (Volumenpreis bis 0,70 USD), Konnektivität mit 0,08 USD pro Million Verbindungsminuten, und Nachrichten werden in 5-KB-Blöcken gezählt. Device Shadow, Registry und die Rule Engine werden separat berechnet (Stand aws.amazon.com/iot-core/pricing, Juni 2026).
  • Azure IoT Hub rechnet pro Einheit und Tier: Standard S1 liegt bei rund 25 USD/Monat je Einheit für 400.000 Nachrichten/Tag, S2 bei rund 250 USD/Einheit für 6 Mio./Tag; Nachrichten werden in 4-KB-Blöcken gezählt (Stand azure.microsoft.com/pricing/details/iot-hub, Juni 2026).
  • Cumulocity (Cumulocity GmbH, seit Anfang 2025 per Management-Buyout unabhängig von Software AG) rechnet quote-basiert pro Gerät und Monat nach Geräteklasse; die historische Datenhaltung läuft über Retention-Regeln mit 60 Tagen als Standardwert. Listenpreise sind nicht öffentlich (Stand cumulocity.com, Juni 2026).

Eine grobe Rechnung macht das Modell sichtbar: 10.000 Geräte mit je einer Nachricht pro Minute erzeugen rund 432 Mio. Nachrichten pro Monat. Bei AWS IoT Core sind das allein für Messaging rund 432 USD/Monat, bevor Device Shadow, Registry und Rule-Engine-Aktionen dazukommen, und größere Payloads über 5 KB zählen mehrfach. Verdoppeln Sie die Flotte, verdoppelt sich die Rechnung.

Self-hosted bricht diese Linearität: ThingsBoard Community Edition (Apache 2.0) und ChirpStack (MIT) sind lizenzkostenfrei, ohne Per-Device- oder Per-Message-Gebühr. Sie zahlen Server, Storage und Betrieb, also eine flache Rechnung, die nicht mit jeder Maschine mitwächst, sondern erst, wenn die Hardware an Grenzen stößt. Eine optionale ThingsBoard Professional Edition gibt es als Perpetual License ab 4.999 USD einmalig. Die vollständige Aufschlüsselung steht unter ThingsBoard Preise.

Kostenmodell Cloud-IoT (AWS/Azure/Cumulocity) Self-hosted (ThingsBoard/ChirpStack)
Lizenz im Service-Preis CE: kostenlos (Apache 2.0 / MIT)
Pro Gerät ja (Cumulocity), indirekt (AWS/Azure) nein
Pro Nachricht ja (AWS ab 1 USD/Mio., Azure je Tier) nein
Skalierung der Kosten linear mit Flotte und Traffic flach, springt nur bei Hardware
Datenspeicher Retention-Regeln (Cumulocity 60 Tage Default) so lange Sie wollen, eigene DB
Hauptkostentreiber Geräte- und Nachrichtenzahl Server und Betrieb

Ein breiterer Editions- und Lizenzvergleich der Open-Source-Optionen steht im Vergleich der Open-Source-IoT-Plattformen.

Lock-in und der EU Data Act als De-Risking

Cloud-IoT-Plattformen binden auf drei Ebenen: proprietäre APIs und SDKs, herstellerspezifische Datenformate und die schiere Migrationsarbeit, wenn Tausende Geräte umgezogen werden müssen. Der Ausstieg ist oft teurer als der Einstieg, das ist Teil des Geschäftsmodells.

Der EU Data Act (Verordnung (EU) 2023/2854) entschärft das regulatorisch. Er ist seit dem 12. September 2025 anwendbar und stärkt das Recht von Nutzern, auf die von ihren vernetzten Produkten erzeugten Daten zuzugreifen und sie an Dritte weiterzugeben. Ab dem 12. Januar 2027 dürfen Cloud-Anbieter zudem keine Wechselgebühren mehr verlangen (digital-strategy.ec.europa.eu). Eine offene, self-gehostete Plattform erfüllt Portabilität und Wechselbarkeit konstruktionsbedingt: offene Protokolle (MQTT, HTTP, CoAP), offene Datenbank, voller Zugriff auf den Source Code. Self-hosting ist damit nicht nur günstiger, sondern auch ein De-Risking gegenüber kommenden Compliance-Anforderungen.

Latenz und Edge

Nicht jeder Datenpunkt gehört in eine entfernte Cloud-Region. Bei Produktionssteuerung, Predictive Maintenance oder Anlagen mit instabiler Anbindung zählt Nähe. Self-hosted lässt sich am Edge oder on-prem direkt neben den Maschinen betreiben: niedrige Latenz, Produktionsdaten bleiben im Werk, und die Anlage funktioniert auch bei unterbrochener Internetverbindung weiter. Cloud-IoT zwingt dagegen jeden Roundtrip über das offene Internet in die Anbieter-Region. ThingsBoard bringt dafür ein Edge-Modul mit, ChirpStack lässt sich regional und mehrstufig aufbauen.

Betrieb und Aufwand: der ehrliche Teil

Self-hosting hat einen realen Preis, und den verschweigen wir nicht: Jemand muss Updates einspielen, Backups fahren, Monitoring betreiben, Security-Patches einspielen und die Datenbank skalieren (PostgreSQL, TimescaleDB, bei ChirpStack zusätzlich Redis). Wer das unterschätzt, baut sich technische Schulden. Der Punkt ist: Dieser Aufwand ist planbar und begrenzt, während die Cloud-Rechnung mit jeder neuen Maschine weiterläuft. In der Praxis lassen viele Kunden den Betrieb als Managed Service laufen und behalten trotzdem Datenhoheit, offene Schnittstellen und den Source Code, also das Beste aus beiden Welten ohne den Lock-in.

Entscheidungstabelle: wann self-hosted, wann Cloud

Situation Empfehlung
Wenige Geräte, kurzlebiger Prototyp, kein IT-Team Cloud (schneller Start)
Tief in AWS/Azure integriert, kleine stabile Flotte Cloud (Ökosystem-Nähe)
Wachsende Flotte (Tausende Geräte) Self-hosted (Kosten kippen sonst)
Personenbezogene oder kritische Maschinendaten Self-hosted (DSGVO, kein CLOUD Act)
Produktionsnah, Edge, instabile Anbindung Self-hosted (Latenz, Offline)
Angst vor Lock-in / Data-Act-Compliance Self-hosted (offene Standards)
Volle Kontrolle, aber kein Betriebs-Team Self-hosted als Managed Service

Als Faustregel: Für den schnellen Test ist die Cloud praktisch. Für alles, was wächst, dauerhaft läuft oder regulatorisch heikel ist, ist eine souveräne, self-gehostete Plattform die nachhaltigere Wahl. Wie sich ThingsBoard und ChirpStack dabei ergänzen, lesen Sie unter ThingsBoard vs. ChirpStack.

So gehen wir bei WZ-IT vor

Wir planen, bauen und betreiben souveräne, self-hosted IoT-Plattformen aus ThingsBoard und ChirpStack auf Ihrer Infrastruktur (Proxmox, Hetzner, on-prem), DSGVO-konform aus Deutschland und ohne Cloud-Lock-in. Wir rechnen die echten Kosten ehrlich gegen Ihre Cloud-Alternative und übernehmen auf Wunsch den kompletten Betrieb. Mehr dazu auf unserer Seite zu ThingsBoard, im IoT-Hub und speziell zur IoT-Plattform-Entwicklung. Für ein unverbindliches Erstgespräch buchen Sie direkt einen Termin.

Sie möchten IoT nicht selbst betreiben? WZ-IT übernimmt Einrichtung, Betrieb und Wartung – DSGVO-konform aus Deutschland.

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Bei kleinen Flotten und Prototypen ist eine Cloud bequem und oft günstiger. Ab einigen Tausend Geräten kippt die Rechnung: Cloud-Plattformen wie AWS IoT, Azure IoT oder Cumulocity rechnen pro Gerät und pro Nachricht ab und skalieren linear mit der Gerätezahl. Eine self-gehostete Plattform aus ThingsBoard und ChirpStack hat eine flache Rechnung aus Serverkosten plus Betrieb, unabhängig von der Nachrichtenzahl.

Ja, und in der Regel einfacher als eine US-Cloud. Bei self-hosted liegen alle Telemetrie- und Stammdaten auf Ihrer Infrastruktur in der EU (Proxmox, Hetzner, on-prem). Es gibt keinen Drittlandtransfer und keine Abhängigkeit vom US CLOUD Act. Sie behalten die volle Kontrolle über Verschlüsselung, Aufbewahrung und Löschung.

Self-hosted sind ThingsBoard (Geräteverwaltung, Dashboards, Regel-Engine) und ChirpStack (LoRaWAN Network Server) die gängige Open-Source-Antwort. Beide laufen lizenzkostenfrei auf eigener Hardware und decken die Kernfunktionen von AWS IoT Core und Azure IoT Hub ohne Per-Device-Lizenz ab.

Der EU Data Act gilt seit dem 12. September 2025. Er stärkt das Recht von Nutzern auf Zugang zu ihren Gerätedaten und verbietet ab dem 12. Januar 2027 Wechselgebühren für Cloud-Dienste. Eine offene, self-gehostete Plattform erfüllt diese Portabilitäts- und Wechselanforderungen von Haus aus und reduziert das regulatorische Risiko.

Real existiert er: Updates, Backups, Monitoring, Security-Patches und Skalierung der Datenbank müssen jemand übernehmen. Der Aufwand ist planbar und in der Regel deutlich kleiner als die Kostenkurve einer wachsenden Cloud-Flotte. Viele Kunden lassen den Betrieb als Managed Service laufen und behalten trotzdem Datenhoheit und Source Code.

Bei sehr kleinen oder kurzlebigen Projekten, schnellen Prototypen ohne IT-Team und wenn die Gerätezahl klein und stabil bleibt. Auch wenn Sie tief in ein bestehendes AWS- oder Azure-Ökosystem integriert sind, kann die Managed-Variante kurzfristig schneller sein. Der Preis ist Lock-in und eine mit der Flotte wachsende Rechnung.

Ja. Sie können die Plattform nah an die Maschinen stellen, etwa on-prem oder im regionalen Rechenzentrum, statt jeden Datenpunkt erst in eine entfernte Cloud-Region zu schicken. Das senkt Latenz, hält Produktionsdaten im Werk und funktioniert auch bei unterbrochener Internetverbindung.

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