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GrundlagenIoT

LoRaWAN vs NB-IoT vs 5G: Welcher IoT-Funk passt?

Timo WevelsiepTimo WevelsiepAktualisiert: 30.06.2026

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung.

Kurz vorab: Welcher Funkstandard fürs IoT passt, entscheidet sich an fünf Achsen - Reichweite, Stromverbrauch, Datenrate, Kosten und der Frage, wem das Netz gehört. LoRaWAN ist die richtige Wahl, wenn viele batteriebetriebene Sensoren auf einem eigenen Areal kleine Datenmengen senden und Sie das Netz selbst kontrollieren wollen - ohne SIM, ohne Mobilfunkvertrag. NB-IoT und LTE-M punkten, wenn Geräte mobil oder weit verteilt im Carrier-Netz angebunden werden müssen. 5G (RedCap) und WLAN sind für Bandbreite gedacht, nicht für jahrelange Batteriesensoren. Dieser Beitrag vergleicht die Optionen Achse für Achse und zeigt den souveränen Self-host-Weg mit LoRaWAN und ChirpStack.

Vergleichstabelle: LoRaWAN vs NB-IoT vs LTE-M vs 5G vs WLAN

Die wichtigsten Achsen auf einen Blick. Die Werte sind typische Praxisgrößen, sie hängen von Hardware, Umgebung und Konfiguration ab.

Kriterium LoRaWAN NB-IoT LTE-M (Cat-M1) 5G RedCap WLAN / Wi-Fi
Spektrum Lizenzfrei (ISM, EU868) Lizenziert (Carrier) Lizenziert (Carrier) Lizenziert (Carrier) Lizenzfrei (2,4/5/6 GHz)
SIM / Vertrag Keine SIM + Abo pro Gerät SIM + Abo pro Gerät SIM + Abo pro Gerät Keine
Reichweite 2-15 km bis ~10 km, tiefes Indoor ~5-11 km, mobil zellabhängig (m-km) ~30-100 m
Datenrate ~0,3-50 kbit/s ~26 kbit/s DL / ~66 kbit/s UL bis ~1 Mbit/s bis ~150-220 Mbit/s hunderte Mbit/s bis Gbit/s
Latenz hoch (Klasse A), niedrig (Klasse C) 1,6-10 s 10-100 ms zweistellige ms wenige ms
Batterielaufzeit Jahre (bis ~10) 10+ Jahre ~5-7 Jahre Monate-Jahre Stunden-Tage
Netzbetrieb Eigenes Netz (self-hosted) Carrier Carrier Carrier Eigenes Netz
Mobilität Eingeschränkt Gering Hoch (Handover) Hoch Lokal
Kostenmodell Einmalig Gateway + Betrieb Pro SIM/Monat Pro SIM/Monat Pro SIM/Monat Einmalig AP + Betrieb

Reichweite, Indoor und Outdoor

LoRaWAN und NB-IoT sind beide LPWAN-Technologien (Low Power Wide Area Network) und auf große Reichweite getrimmt. Ein LoRaWAN-Gateway deckt im ländlichen Raum 10 bis 15 Kilometer ab, in dichter Stadtbebauung eher 2 bis 5 Kilometer, durchdringt dafür aber Wände und Untergeschosse gut. NB-IoT erreicht über das Carrier-Netz ähnliche Reichweiten und glänzt vor allem bei tiefer Indoor-Durchdringung - etwa Smart Meter im Keller oder Sensoren in Schächten.

LTE-M liegt bei der Reichweite ähnlich, ergänzt aber Mobilität mit Handover, also den nahtlosen Zellwechsel für bewegte Objekte (Fahrzeuge, Asset-Tracking). 5G RedCap und WLAN sind reichweitenseitig die kürzesten: RedCap hängt von der Mobilfunkzelle ab, WLAN reicht nur einige zehn Meter und ist auf lokale, netzbetriebene Geräte ausgelegt.

Stromverbrauch und Batterielaufzeit

Hier trennt sich LPWAN vom Rest. NB-IoT erreicht in Anwendungen mit niedrigem Sendezyklus 10 oder mehr Jahre Batterielaufzeit, LoRaWAN-Klasse-A-Sensoren ebenfalls mehrere Jahre bis rund ein Jahrzehnt. Beide schlafen die meiste Zeit und senden nur kurz. LTE-M kommt je nach Nutzung auf etwa 5 bis 7 Jahre.

5G RedCap und vor allem WLAN sind deutlich verbrauchsintensiver. RedCap ist gegenüber vollem 5G zwar reduziert, bleibt aber für dauerhaft batteriebetriebene Massensensorik die schlechtere Wahl. Wer jahrelang wartungsfrei messen will, landet fast immer bei LoRaWAN oder NB-IoT. Die Mechanik dahinter (Spreading Factor, Duty Cycle, Geräteklassen) erklären wir im Detail unter Was ist LoRaWAN?.

Datenrate und Latenz

Die Reihenfolge ist klar: LoRaWAN ist mit rund 0,3 bis 50 kbit/s am schmalbandigsten - bewusst, denn das ist Teil des Reichweiten- und Sparkonzepts. NB-IoT liegt mit etwa 26 kbit/s im Downlink und bis 66 kbit/s im Uplink in einer ähnlichen Liga, allerdings mit hoher Latenz von 1,6 bis 10 Sekunden. LTE-M bietet bis zu rund 1 Mbit/s und eine niedrige Latenz von 10 bis 100 Millisekunden, taugt also auch für Sprache und reaktive Anwendungen.

5G RedCap (auch NR-Light, spezifiziert in 3GPP Release 17) schließt die Lücke nach oben: bis rund 150 bis 220 Mbit/s im Downlink, die abgespeckte Variante eRedCap (3GPP Release 18) deckelt bei etwa 10 Mbit/s in Down- und Uplink. WLAN spielt mit hunderten Mbit/s bis Gigabit in einer ganz anderen Bandbreitenklasse. Faustregel: Je mehr Daten und je niedriger die Latenz, desto weiter rechts in der Tabelle - und desto höher Stromverbrauch und Kosten.

Kosten: eigenes Gateway vs SIM und Mobilfunk

Der größte strukturelle Unterschied liegt im Kostenmodell. Cellular IoT (NB-IoT, LTE-M, 5G) wird pro SIM und Monat abgerechnet. Beispiele Stand 2026:

  • Deutsche Telekom IoT: je nach Volumen ab rund 0,99 bis 2,95 Euro netto pro SIM und Monat (Start- bis Business-Tarif, b2b-tarife.de, Stand April 2026).
  • 1NCE Lifetime Flat: 12 Euro für 10 Jahre mit 500 MB und 250 SMS pro SIM (1nce.com, Stand Juni 2026) - ein günstiges, aber volumenbegrenztes Modell.

Diese Beträge klingen klein, multiplizieren sich aber mit jedem Gerät und laufen dauerhaft. Bei tausenden Sensoren wird daraus eine planbare, aber nie endende Betriebsausgabe - plus Abhängigkeit vom Carrier.

LoRaWAN dreht das Modell um. Es fällt keine Per-Device-Gebühr an, weil kein Carrier dazwischensteht. Kosten entstehen einmalig für Hardware - Gateways ab etwa 100 Euro (indoor) bis über 1000 Euro (robuste Outdoor-Geräte), Sensoren rund 20 bis 100 Euro pro Stück - und für den Betrieb des Network Servers. Dieser ist mit ChirpStack (MIT-Lizenz, aktuell v4.18.0 vom Mai 2026) kostenlos. Der wahre Kostentreiber ist also nicht Lizenz oder SIM, sondern Server und Betrieb - und der bleibt unabhängig von der Gerätezahl flach. Mehr zum Vergleich der Betriebsmodelle in IoT self-hosted vs. Cloud.

Wem gehört das Netz? Souveränität und Skalierung

Diese Achse wird oft übersehen, ist aber strategisch entscheidend. Bei NB-IoT, LTE-M und 5G gehört das Netz dem Carrier. Sie mieten Konnektivität, akzeptieren dessen Abdeckung, Tarife und Roadmap und geben Daten über fremde Infrastruktur. Bei LoRaWAN und WLAN gehört das Netz Ihnen: Sie bestimmen Standorte, Kapazität und Datenfluss selbst.

Für die Skalierung heißt das: Cellular-IoT skaliert linear in den Kosten - jedes Gerät bringt eine weitere SIM-Gebühr. LoRaWAN skaliert in der Fläche über zusätzliche Gateways, die jeweils sehr viele Geräte tragen, während die Per-Device-Kosten gegen null gehen. Genau hier liegt der souveräne Hebel: kein Cloud-Lock-in, keine Per-Device-Lizenz-Explosion, volle Datenhoheit in der EU.

Entscheidungshilfe: Wann was?

  • LoRaWAN: Viele batteriebetriebene Sensoren auf einem eigenen, abgegrenzten Areal (Campus, Werk, Gebäude, Quartier, Acker), kleine Datenmengen, lange Laufzeit, eigenes Netz. Erste Wahl für souveräne, kostengünstige Massensensorik.
  • NB-IoT: Weit verteilte, stationäre Geräte mit tiefer Indoor-Lage (Smart Metering, Schächte), wo eigene Gateways unpraktisch sind und Carrier-Abdeckung vorhanden ist.
  • LTE-M: Mobile Assets, die Handover und niedrige Latenz brauchen (Fahrzeug-, Logistik- und Wearable-Tracking), gegebenenfalls mit Sprache.
  • 5G RedCap: Mittlere bis hohe Bandbreite ohne vollen 5G-Aufwand (Industriekameras, Router, anspruchsvollere Wearables); Carrier-Rollout läuft 2026 in Städten an.
  • WLAN/Wi-Fi: Hohe Bandbreite auf kurzer Distanz für netzbetriebene Geräte (lokale Gateways, Video, schnelle Datenübertragung).

In der Praxis kombinieren Plattformen mehrere Funkwege: LoRaWAN für die Massensensorik, MQTT/WLAN für lokale Gateways, gelegentlich Mobilfunk für mobile Knoten. Wie diese Schichten zusammenspielen, zeigt der Beitrag IoT-Architektur in Schichten.

Souverän: LoRaWAN self-hosted mit ChirpStack

Der entscheidende Vorteil von LoRaWAN ist die Netzhoheit. Statt Konnektivität pro SIM zu mieten, betreiben Sie ein eigenes LoRaWAN-Netz: eigene Gateways und ein self-hosted Network Server mit ChirpStack. ChirpStack ist quelloffen (MIT), führt seit v4 Network- und Application-Server in einer Anwendung zusammen und bringt MQTT-, Datenbank- und Cloud-Integrationen mit. Lauffähig auf einem normalen Server mit PostgreSQL, Redis und einem MQTT-Broker.

So behalten Sie die volle Datenhoheit in der EU, zahlen keine SIM- und keine Per-Device-Gebühr und sind unabhängig von Carrier-Tarifen. Genau dieses Open-Source-Modell - vom Sensor über das Gateway bis zum Dashboard - bauen und betreiben wir bei WZ-IT.

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Wenn Sie tiefer einsteigen wollen: In Was ist ChirpStack? erklären wir den Network Server im Detail, und über unsere IoT-Leistungen sehen Sie, wie wir komplette Plattformen vom Sensor bis zum Dashboard umsetzen.

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Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen

LoRaWAN funkt im lizenzfreien ISM-Band (EU868) über eigene Gateways und einen eigenen Network Server - ohne SIM und ohne Mobilfunkvertrag. NB-IoT läuft im lizenzierten Mobilfunkspektrum eines Carriers und braucht pro Gerät eine SIM und ein Abo. Bei LoRaWAN gehört das Netz Ihnen, bei NB-IoT dem Netzbetreiber. Datenraten und Batterielaufzeit sind ähnlich niedrig beziehungsweise hoch, das Betriebsmodell und die Kostenstruktur unterscheiden sich grundlegend.

LoRaWAN passt, wenn viele batteriebetriebene Sensoren auf einem abgegrenzten Areal (Campus, Werk, Gebäude, Stadtquartier, landwirtschaftliche Fläche) selten kleine Messwerte senden und Sie das Netz selbst kontrollieren wollen. Sie installieren ein eigenes Gateway, zahlen keine SIM-Gebühr pro Gerät und betreiben den Network Server self-hosted. Bei tausenden Geräten skaliert das deutlich günstiger als ein Per-Device-Mobilfunkabo.

Nein. LoRaWAN nutzt das lizenzfreie EU868-ISM-Band ohne SIM und ohne Mobilfunkvertrag. Sie betreiben Gateways und Network Server selbst und sind von keinem Carrier abhängig. Das ist der zentrale Unterschied zu NB-IoT, LTE-M und 5G, die alle eine SIM und ein laufendes Abo pro Gerät benötigen.

Cellular IoT wird pro SIM und Monat abgerechnet. Deutsche-Telekom-IoT-Tarife starten je nach Volumen bei rund 0,99 bis 2,95 Euro netto pro SIM und Monat (b2b-tarife.de, Stand April 2026), 1NCE bietet eine Lifetime Flat mit 500 MB für 12 Euro über 10 Jahre (1nce.com, Stand Juni 2026). Bei LoRaWAN fällt keine Per-Device-Gebühr an: Kosten entstehen einmalig für Gateways (indoor ab etwa 100 Euro, robuste Outdoor-Geräte über 1000 Euro) und für den self-hosted Network Server. ChirpStack ist MIT-lizenziert und kostenlos.

Nein. 5G RedCap (NR-Light, 3GPP Release 17) schließt die Lücke zwischen NB-IoT/LTE-M und vollem 5G und liefert mittlere Bandbreiten bis rund 150 bis 220 Mbit/s im Downlink. Es zielt auf Anwendungen wie Industriekameras, Wearables und Router, nicht auf jahrelang batteriebetriebene Massensensorik. Für genau die bleiben LoRaWAN und NB-IoT die stromsparenderen, günstigeren Optionen. Der Carrier-Rollout läuft 2026 zunächst in städtischen Gebieten an.

NB-IoT und LoRaWAN liegen vorn: Beide erreichen mit niedrigem Sendezyklus 10 oder mehr Jahre auf einer Batterie. LTE-M kommt je nach Nutzung auf etwa 5 bis 7 Jahre. 5G RedCap und WLAN sind deutlich verbrauchsintensiver und für dauerhaft batteriebetriebene Sensorik im Feld weniger geeignet. Entscheidend sind in der Praxis Sendehäufigkeit, Datenmenge und Stromsparmodi (PSM, eDRX).

Ja. Genau das ist der souveräne Vorteil von LoRaWAN. Sie installieren eigene Gateways und betreiben den Network Server mit ChirpStack self-hosted auf Ihrer Infrastruktur (Proxmox, Hetzner oder On-Prem). Damit behalten Sie die volle Datenhoheit in der EU, zahlen keine SIM- und keine Per-Device-Lizenzgebühr und sind unabhängig von Carrier-Tarifen und Cloud-Lock-in.

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