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Grundlagen · Lokale KI für Unternehmen

Lokale KI für Berufsgeheimnisträger (§203 StGB)

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung.

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Bei Berufsgeheimnisträgern berührt KI nicht nur Datenschutz, sondern auch die strafbewehrte Verschwiegenheit nach § 203 StGB. Cloud-Dienste sind deshalb nicht pauschal verboten und lokale Systeme nicht automatisch zulässig. Maßgeblich sind Offenlegung, Erforderlichkeit, beteiligte Personen, Vertragskette und technische Schutzmaßnahmen. Dieser Artikel liefert dafür einen Prüfpfad, keine Rechtsberatung. Stand August 2026.

Inhaltsverzeichnis

Was Berufsgeheimnisträger besonders macht

Bestimmte Berufe unterliegen nach §203 StGB einer strafbewehrten Schweigepflicht, die über die allgemeinen Datenschutzpflichten hinausgeht. Dazu zählen unter anderem Rechtsanwälte, Ärzte und Zahnärzte, Apotheker, Psychotherapeuten, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Notare - sowie ihre berufsmäßig tätigen Gehilfen.

Für sie kann die unbefugte Offenbarung geschützter Informationen strafbar sein. Datenschutzrecht und Berufsgeheimnis sind dabei getrennte Prüfungen: Eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung allein beantwortet § 203 nicht, und eine Verpflichtung zur Geheimhaltung ersetzt keine DSGVO-Rechtsgrundlage.

Was § 203 für externe IT-Dienste bedeutet

§ 203 Absatz 3 StGB sieht ausdrücklich vor, dass Berufsgeheimnisträger Geheimnisse gegenüber sonstigen Personen offenbaren dürfen, die an ihrer beruflichen oder dienstlichen Tätigkeit mitwirken, soweit dies für deren Tätigkeit erforderlich ist. Absatz 4 erfasst auch solche mitwirkenden Personen und verlangt unter anderem, sie zur Geheimhaltung zu verpflichten.

Das bedeutet nicht, dass jeder externe KI-Dienst automatisch zulässig ist. Zu prüfen sind mindestens:

  • Ist die Einbeziehung des Dienstleisters für die konkrete Tätigkeit erforderlich?
  • Welche Geheimnisse werden tatsächlich zugänglich, und lässt sich der Umfang reduzieren?
  • Sind Anbieter, Beschäftigte und weitere Unterauftragnehmer wirksam verpflichtet?
  • Wo erfolgen Administration, Support, Speicherung und Backup?
  • Welche technischen Möglichkeiten bestehen für Zugriffe und Exporte?
  • Sind die zusätzlichen Anforderungen von DSGVO, Berufsrecht und gegebenenfalls Sozial- oder Gesundheitsrecht erfüllt?

Warum Cloud-KI besonders geprüft werden muss

Bei einer Cloud-KI können Prompt, Antwort, Dokumente und Metadaten an Anbieter und Unterauftragnehmer gelangen. Je nach Dienst kommen internationale Übermittlungen, Telemetrie oder Supportzugriffe hinzu. Ein Vertrag mit „EU-Region" beantwortet diese Kette noch nicht vollständig.

Cloud-KI kann für anonymisierte, nicht geheimnisbehaftete oder klar freigegebene Aufgaben geeignet sein. Sobald Mandats-, Patienten-, Steuer- oder vergleichbare Geheimnisse verarbeitet werden, muss der konkrete Dienst einschließlich Konfiguration und Vertragskette geprüft werden. Ein pauschales „kein Training mit Kundendaten" genügt nicht, weil Speicherung, Supportzugriff und Unterauftragnehmer davon getrennte Fragen sind.

Was lokale KI verbessert und was nicht

Ein lokales KI-System kann den Kreis externer Empfänger verkleinern. Modellinferenz, Embeddings und Dokumentenabruf lassen sich innerhalb einer kontrollierten Grenze betreiben. Das erleichtert Datenminimierung und kann internationale Übermittlungen vermeiden.

Der Modellstandort ist aber nur ein Teil. Updatequellen, Telemetrie, Observability, Backups, Remote-Administration und angebundene OCR-, Speech- oder Webdienste können weiterhin nach außen führen. Zudem muss ein Wissenssystem Berechtigungen vor dem Retrieval technisch erzwingen. Ein Prompt wie „zeige nur erlaubte Akten" ist keine Zugriffskontrolle. Der technische Ansatz ist in RAG mit echten Berechtigungen beschrieben.

Branchen im Überblick

Die Anforderungen ähneln sich, die Details unterscheiden sich je Beruf - vom Standesrecht bis zu sektorspezifischen Vorgaben. Für die einzelnen Branchen haben wir den KI-Einsatz konkret aufbereitet:

Zusätzlich gelten je nach Beruf und Einsatz weitere Regeln, Kammerhinweise und sektorale Vorgaben. Sie müssen mit dem konkreten Prozess abgeglichen werden; die technische Architektur allein ersetzt diese Prüfung nicht.

Was ein sauberes Setup ausmacht

Ein belastbares KI-Setup für Berufsgeheimnisträger umfasst:

  • Datenfluss und Datenklassen - Prompt, Antwort, Dokumente, Embeddings, Logs und Backups vollständig erfassen.
  • Kontrollierter Modellbetrieb - lokal, dediziert oder so konfiguriert, dass nur erlaubte Empfänger beteiligt sind.
  • Oberfläche mit Rechteverwaltung - SSO, Benutzer, Rollen und Gruppen aus dem bestehenden Verzeichnis.
  • Technisch erzwungene Berechtigungen bei Wissenssystemen - nicht dem Modell per Prompt überlassen.
  • Minimale Protokollierung - nur notwendige Inhalte, klare Aufbewahrung und getrennte Auswertungsrechte.
  • Abgesicherter Betrieb - Secrets, Segmentierung, Patchprozess, verschlüsselte Backups und getestete Wiederherstellung.
  • Geregelter Support - benannte mitwirkende Personen, minimale Zugriffe und nachvollziehbare Freigaben.
  • Dokumentation - Verträge, Verarbeitungsverzeichnis und gegebenenfalls Datenschutz-Folgenabschätzung passend zur echten Technik.

Betriebsmodelle nach Schutzbedarf

Betriebsmodell Vorteil Besonders zu prüfen
Öffentliche KI-API schneller Start, wenig Betrieb Geheimnisoffenlegung, Unterauftragnehmer, Übermittlungen, Aufbewahrung
Dedizierte Managed-Instanz stärkere Isolation und planbarer Betrieb Administratoren, Schlüssel, Support und Export
Eigenes Rechenzentrum hohe technische Kontrolle internes Berechtigungskonzept, Patchen, Backup, physische Sicherheit
On-Premise-Appliance enge lokale Grenze Updates, Remote-Support, Ersatzhardware und Wiederherstellung

Die passende Variante hängt an Geheimniskategorie, Prozess, Nutzerkreis, Verfügbarkeit und eigener Betriebskompetenz. „Europa" oder „On-Premise" sind keine alleinigen Freigabekriterien.

Wie WZ-IT technisch unterstützt

WZ-IT plant KI-Systeme für Berufsgeheimnisträger von der Vertrauensgrenze aus. Je nach Bedarf entsteht ein AI Cube am Standort, ein dedizierter Managed-AI-Stack, die gehostete KI-Plattform für Kanzleien, Steuerberatung, Notariate und Prüfungspraxen, eine §203 Managed Cloud oder eine Integration in vorhandene Proxmox-, Netzwerk- und Identitätsstrukturen.

Wir dokumentieren Datenflüsse und administrative Rollen, setzen SSO und Berechtigungen um, begrenzen ausgehende Verbindungen und etablieren Monitoring, Backup sowie Wiederherstellung. Der technische und vertragliche Scope wird an der tatsächlichen Verarbeitung und den beteiligten Diensten ausgerichtet. Ob das Zielmodell für den konkreten Zweck freigegeben werden kann, bleibt Teil der fachlichen, datenschutzrechtlichen und gegebenenfalls rechtlichen Prüfung der Organisation.

Quellen

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