RAG-Qualität messen: Testset, Metriken und Abnahme
Timo Wevelsiep•Aktualisiert: 24.09.2026Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung.
Ein Wissenssystem mit nachgewiesener Antwortqualität statt Demo-Eindruck? Der RAG Proof of Value bewertet einen abgegrenzten Bestand anhand vereinbarter Referenzfragen mit Baseline-Messung, zwei Optimierungszyklen und Qualitätsbericht. Für laufende Anwendungen übernimmt LLMOps die regelmäßigen Eval-Läufe. RAG Proof of Value ansehen · Interne KI-Assistenten
Ein RAG-System wirkt in der Demo fast immer gut: Die vorbereiteten Fragen treffen, die Antworten sind flüssig und nennen Quellen. Ob es im Alltag trägt, zeigt erst eine Messung mit Fragen, die niemand für die Demo ausgesucht hat. Dieser Artikel beschreibt, wie ein belastbares Testset entsteht, welche Metriken die Suche und welche die Antwort messen, wo automatische Bewertung durch ein Sprachmodell hilft und wo nicht, und wie daraus Abnahmekriterien und Regressionstests werden. Er ist unabhängig vom eingesetzten Framework; Ragas und Langfuse dienen als Beispiele, weil beide Open Source sind und sich selbst betreiben lassen. Stand September 2026.
Inhaltsverzeichnis
- Zwei Ebenen: Suche und Antwort getrennt messen
- Das Testset: Referenzfragen aus dem Fachbereich
- Retrieval-Metriken: Recall@k, Precision@k, MRR und nDCG
- Antwortmetriken in Ragas
- LLM-as-a-Judge mit lokalem Modell
- Abnahmekriterien festlegen
- Regressionstests bei Änderungen an Modell, Index und Prompt
- Evaluation im laufenden Betrieb
- Typische Messfehler
Zwei Ebenen: Suche und Antwort getrennt messen
Ein RAG-System besteht aus zwei Schritten, die unabhängig voneinander scheitern können: Die Suche holt Textabschnitte aus dem Index, das Sprachmodell formuliert daraus eine Antwort. Wie beides zusammenspielt, erklärt Was ist RAG?. Für die Messung heißt das: Eine einzige Gesamtnote verdeckt, wo der Fehler liegt.
| Ebene | Leitfrage | Typische Messgrößen | Typische Ursachen bei schlechten Werten |
|---|---|---|---|
| Suche (Retrieval) | Wurden die richtigen Belege gefunden und weit oben eingeordnet? | Recall@k, Precision@k, MRR, nDCG@k, Context Recall, Context Precision | Chunking, Embedding-Modell, fehlende Stichwortsuche, Filter, Konnektor |
| Antwort (Generierung) | Ist die Antwort durch die Belege gedeckt und beantwortet sie die Frage? | Faithfulness, Answer Relevancy, fachliche Bewertung | Prompt, Modell, zu viel oder widersprüchlicher Kontext |
Die Reihenfolge der Fehlersuche folgt daraus. Fehlt die richtige Fundstelle im Kontext, kann kein Modell eine korrekte, belegte Antwort erzeugen, und jede Arbeit am Prompt ist verschwendet. Erst wenn die Suche nachweislich liefert, lohnt es sich, die Antwortseite zu optimieren. Stellschrauben auf der Suchseite beschreiben die Artikel zu Chunking und zu Hybrid Search und Reranking.
Das Testset: Referenzfragen aus dem Fachbereich
Jede Metrik ist nur so gut wie die Fragen, an denen sie gemessen wird. Das Testset (oft Goldstandard oder Golden Dataset genannt) ist deshalb der wichtigste und zugleich der am häufigsten vernachlässigte Teil der Evaluation.
Woher die Fragen kommen. Die besten Quellen sind Fragen, die heute schon gestellt werden: Tickets, E-Mails an die Fachabteilung, Einträge im internen Forum, Suchanfragen im Intranet. Sie verwenden die Begriffe der Nutzer und nicht die der Dokumente, und genau an dieser Lücke scheitern Suchsysteme. Fragen, die ein Entwickler beim Lesen eines Dokuments formuliert, übernehmen dessen Wortlaut und sind dadurch zu leicht.
Was zu jedem Eintrag gehört.
| Feld | Inhalt | Wofür es gebraucht wird |
|---|---|---|
| Frage | wörtlich, auf Deutsch, so wie Nutzer sie stellen | Eingabe des Tests |
| Erwartete Antwort | kurze Referenzantwort, vom Fachbereich bestätigt | Context Recall, fachliche Bewertung |
| Erwartete Fundstellen | Dokument- oder Chunk-IDs, ggf. Seite oder Abschnitt | Recall@k, MRR, nDCG, ID-basierte Metriken |
| Fragetyp | Kategorie aus der Tabelle unten | Auswertung je Kategorie |
| Benutzerkontext | Rolle oder Gruppe, mit der die Frage gestellt wird | Rechte-Tests |
| Kritikalität | blockierend oder nicht blockierend | Abnahmeregel |
Welche Fragetypen hinein gehören. Ein Testset aus lauter leicht beantwortbaren Fragen misst nur, dass das System leichte Fragen beantworten kann.
| Fragetyp | Beispiel | Erwartetes Verhalten |
|---|---|---|
| Eindeutig beantwortbar | „Wie lange ist die Aufbewahrungsfrist für Eingangsrechnungen?" | richtige Antwort mit passender Fundstelle |
| Exakte Kennung | Aktenzeichen, Artikelnummer, Paragraph, Normbezeichnung | die konkrete Quelle wird gefunden |
| Mehrere Quellen | Antwort setzt sich aus zwei Dokumenten zusammen | beide Fundstellen im Kontext, Antwort vollständig |
| Widersprüchliche Quellen | alte und neue Fassung einer Richtlinie | Widerspruch benannt oder gültige Fassung bevorzugt |
| Nicht im Bestand | Frage zu einem Thema ohne Dokument | Wissenslücke offen benennen, keine erfundene Antwort |
| Rechte-Test | dieselbe Frage mit zwei Rollen | keine Offenlegung geschützter Inhalte |
Die Rechte-Tests sind keine Qualitätsfrage im engeren Sinn, gehören aber in dasselbe Set, weil sie bei jeder Änderung mitlaufen müssen. Warum der Filter vor der Suche sitzen muss, beschreibt RAG mit Berechtigungen.
Umfang. Eine allgemeingültige Mindestzahl gibt es nicht. Für einen abgegrenzten Wissensbestand sind 40 bis 60 sorgfältig ausgewählte Fragen ein tragfähiger Start, wenn alle Fragetypen vertreten sind. Wichtiger als die Zahl ist, dass jede Kategorie mehrere Fälle hat, damit ein einzelner Ausreißer nicht das Bild bestimmt.
Synthetische Fragen. Ragas kann Testsets aus den Dokumenten erzeugen, auch auf Deutsch (Non-English Testset Generation). Das ist nützlich, um Breite zu gewinnen, hat aber eine eingebaute Schwäche: Die Fragen entstehen aus dem Text, den das System finden soll, und treffen deshalb dessen Wortlaut. Synthetische Fragen ergänzen den Kern aus echten Fragen, sie ersetzen ihn nicht, und jede übernommene Frage sollte ein Mensch gelesen haben.
Retrieval-Metriken: Recall@k, Precision@k, MRR und nDCG
Die Suche lässt sich ohne Sprachmodell messen, wenn zu jeder Frage die erwarteten Fundstellen bekannt sind. Diese Metriken stammen aus dem klassischen Information Retrieval (Manning, Raghavan, Schütze: Evaluation of ranked retrieval results) und sind deterministisch: Derselbe Index liefert bei derselben Frage denselben Wert.
| Metrik | Definition | Beantwortet die Frage |
|---|---|---|
| Recall@k | Anteil der erwarteten Fundstellen, die unter den ersten k Treffern sind | Ist das Nötige überhaupt im Kontext? |
| Precision@k | Anteil der ersten k Treffer, die relevant sind | Wie viel Rauschen bekommt das Modell mit? |
| MRR (Mean Reciprocal Rank) | Mittelwert von 1 / Rang des ersten relevanten Treffers über alle Fragen | Wie weit oben steht der erste richtige Treffer? |
| nDCG@k | gewichtet relevante Treffer nach Position, normiert auf die ideale Reihenfolge; erlaubt abgestufte Relevanz | Ist die gesamte Rangfolge gut? |
Für RAG ist Recall@k meist die wichtigste Zahl, weil das Modell nur sehen kann, was im Kontext landet. k entspricht dabei der Zahl der Abschnitte, die tatsächlich an das Modell gehen, nicht der Zahl der Kandidaten vor dem Reranking. Wer einen Reranker einsetzt, misst am besten beide Stufen: Recall der Kandidatenliste (findet die Suche den Beleg überhaupt?) und Recall nach dem Reranking (landet er unter den übergebenen Abschnitten?).
MRR eignet sich für Fragen mit genau einer richtigen Quelle, etwa bei exakten Kennungen. nDCG lohnt sich, wenn der Fachbereich Fundstellen abgestuft bewertet, zum Beispiel „beantwortet die Frage" gegenüber „liefert Hintergrund".
Eine Voraussetzung wird oft übersehen: Die erwarteten Fundstellen brauchen stabile IDs. Wird bei einer Änderung des Chunkings neu zerteilt, ändern sich Chunk-IDs, und die Referenz passt nicht mehr. Robuster ist es, Fundstellen auf Dokument- und Abschnittsebene zu hinterlegen und einen Treffer als richtig zu werten, wenn er aus dem erwarteten Abschnitt stammt.
Antwortmetriken in Ragas
Ragas ist eine Open-Source-Bibliothek unter Apache-2.0-Lizenz, die auf das Paper Ragas: Automated Evaluation of Retrieval Augmented Generation zurückgeht. Die aktuelle Version auf PyPI ist 0.4.3 (Stand September 2026). Die RAG-Metriken führt die Dokumentation unter Available Metrics. Die gebräuchlichsten:
| Metrik | Was sie misst | Berechnung | Benötigte Felder | LLM nötig |
|---|---|---|---|---|
| Faithfulness | Sind die Aussagen der Antwort durch den abgerufenen Kontext gedeckt? | gestützte Aussagen / alle Aussagen der Antwort | user_input, response, retrieved_contexts | ja |
| Answer Relevancy | Passt die Antwort zur Absicht der Frage? | aus der Antwort erzeugte Fragen (Standard: 3), mittlere Kosinus-Ähnlichkeit zur Originalfrage | user_input, response | ja, plus Embeddings |
| Context Precision | Stehen relevante Abschnitte vor irrelevanten? | Mittel von Precision@k an den Positionen relevanter Abschnitte | user_input, retrieved_contexts, reference oder response | LLM-Variante ja, ID-Variante nein |
| Context Recall | Deckt der Kontext alles ab, was die Referenzantwort braucht? | Aussagen der Referenz, die im Kontext belegt sind / alle Aussagen der Referenz | user_input, retrieved_contexts, reference | LLM-Variante ja, ID-Variante nein |
| Noise Sensitivity | Wie oft führen relevante oder irrelevante Abschnitte zu falschen Aussagen? | falsche Aussagen / alle Aussagen der Antwort; niedriger ist besser | user_input, reference, response, retrieved_contexts | ja |
Alle Werte liegen zwischen 0 und 1. Drei Punkte sind für die Interpretation entscheidend:
Faithfulness misst Belegtreue, nicht Richtigkeit. Ein Wert von 1,0 heißt, dass jede Aussage aus dem Kontext ableitbar ist. Stammt der Kontext aus einer veralteten Fassung, ist die Antwort belegt und trotzdem falsch. Faithfulness gehört deshalb immer mit Context Recall zusammen gelesen. Als Alternative zum LLM-Urteil bietet Ragas die Variante FaithfulnesswithHHEM, die mit Vectaras Klassifikationsmodell HHEM-2.1-Open arbeitet.
Answer Relevancy misst keine Richtigkeit. Die Dokumentation sagt das ausdrücklich: Die Metrik bewertet, wie gut die Antwort zur Absicht der Frage passt, ohne die sachliche Richtigkeit zu prüfen. Sie bestraft ausweichende und aufgeblähte Antworten, belohnt aber auch eine flüssige Falschaussage. Die aktuelle API führt sie als AnswerRelevancy unter ragas.metrics.collections, die ältere, als veraltet markierte API als ResponseRelevancy.
Context Precision und Context Recall gibt es mit und ohne LLM. Die ID-basierten Varianten vergleichen retrieved_context_ids mit reference_context_ids und entsprechen damit im Kern Precision und Recall aus dem vorherigen Abschnitt. Wer erwartete Fundstellen im Testset pflegt, kann diese Varianten deterministisch und ohne Modellkosten rechnen und die LLM-Varianten für Fälle reservieren, in denen keine IDs vorliegen.
LLM-as-a-Judge mit lokalem Modell
Faithfulness, Answer Relevancy und die LLM-Varianten der Kontextmetriken lassen ein Sprachmodell urteilen. Das skaliert, hat aber bekannte Schwächen. Die Studie Judging LLM-as-a-Judge with MT-Bench and Chatbot Arena von Zheng et al. benennt Positions-, Längen- und Selbstbevorzugungs-Bias sowie begrenztes Schlussfolgern und fand für GPT-4 als Bewerter eine Übereinstimmung mit menschlichen Präferenzen von über 80 Prozent, etwa auf dem Niveau zwischen zwei Menschen. Über 80 Prozent heißt im Umkehrschluss: Ein relevanter Teil der Urteile weicht ab.
Für den Betrieb auf eigener Infrastruktur folgen daraus fünf Regeln:
- Das Bewertungsmodell ist austauschbar. Die Beispiele der Ragas-Dokumentation nutzen OpenAI-Modelle, das Judge-Modell kann aber ein lokal betriebenes Modell hinter einem OpenAI-kompatiblen Endpunkt sein, etwa mit vLLM oder Ollama. So verlassen Testfragen und Dokumentauszüge die eigene Umgebung auch bei der Bewertung nicht.
- Judge und Generator trennen. Bewertet ein Modell die eigenen Antworten, wirkt der Selbstbevorzugungs-Bias. Ein anderes, möglichst stärkeres Modell als Judge verringert das.
- Prompts an Deutsch anpassen. Ragas passt Metriken über
adapt()an eine Zielsprache an. Standardmäßig werden nur die Few-Shot-Beispiele übersetzt, die Anweisungen bleiben englisch; mitadapt_instruction=Truewerden auch sie übersetzt (Adapting Metrics to Target Language). Die angepassten Prompts sollten gespeichert und versioniert werden, damit Messungen vergleichbar bleiben. - Strukturierte Ausgabe prüfen. Langfuse verlangt für LLM-as-a-Judge über ein eigenes Gateway, dass der Endpunkt Tool Calling im OpenAI-Format unterstützt (LLM Connections). Kleine lokale Modelle scheitern hier eher als an der eigentlichen Bewertung.
- Den Judge kalibrieren. Eine Stichprobe von Urteilen wird von Fachleuten gegengeprüft, bevor automatische Werte als Abnahmekriterium dienen. Weicht der Judge in einer Kategorie systematisch ab, zählt dort das menschliche Urteil.
Automatische Bewertung ist ein Werkzeug, um viele Durchläufe vergleichbar zu machen. Sie ersetzt nicht die fachliche Abnahme durch Menschen, die den Bestand kennen.
Abnahmekriterien festlegen
Eine Abnahme braucht Kriterien, die vor der Messung vereinbart sind. Bewährt hat sich eine Trennung in blockierende Fälle, die ausnahmslos bestehen müssen, und Durchschnittswerte, die eine Schwelle erreichen müssen.
| Kriterium | Messung | Art | Schwelle |
|---|---|---|---|
| Rechte-Tests | keine Offenlegung geschützter Inhalte | blockierend | jeder Fall bestanden |
| Nicht im Bestand | Wissenslücke benannt, keine erfundene Antwort | blockierend | jeder Fall bestanden |
| Exakte Kennungen | erwartete Quelle unter den übergebenen Abschnitten | blockierend oder Schwelle | nach Risiko |
| Fundstelle im Kontext | Recall@k über alle Fragen | Schwelle | vorab vereinbart, relativ zur Baseline |
| Belegtreue | Faithfulness, stichprobenartig menschlich geprüft | Schwelle | vorab vereinbart |
| Fachliche Richtigkeit | Bewertung durch den Fachbereich | Schwelle | vorab vereinbart |
| Quellenangabe | jede Antwort nennt eine prüfbare Fundstelle | Schwelle | vorab vereinbart |
| Antwortzeit | Latenz unter realer Last | Schwelle | nach Nutzungsszenario |
Konkrete Grenzwerte hängen vom Risiko des Einsatzes und der Vielfalt der Fragen ab. Ein Assistent für interne Richtlinien verträgt andere Schwellen als ein System, dessen Antworten an Kunden oder in Verwaltungsentscheidungen gehen. Universelle Zahlen wie „Faithfulness über 0,9" sind ohne Bezug zum eigenen Testset nicht aussagekräftig.
Praktisch bewährt sich eine Baseline: Die erste Messung mit einer einfachen Konfiguration legt den Ausgangswert fest, jede Optimierung wird daran gemessen. So wird sichtbar, ob Hybrid Search, ein Reranker oder ein anderes Chunking tatsächlich etwas bringen. Die Auswertung sollte je Fragetyp erfolgen; ein guter Gesamtwert kann eine Kategorie verdecken, in der das System zuverlässig scheitert.
Für Systeme, die unter die KI-Verordnung fallen können, sind dokumentierte Tests und Protokolle ohnehin gefordert. Einordnung dazu im Beitrag RAG und KI-Verordnung.
Regressionstests bei Änderungen an Modell, Index und Prompt
Ein RAG-System ändert sich laufend, und fast jede Änderung kann die Qualität verschieben. Das Testset wird deshalb nach der Abnahme nicht archiviert, sondern zum Regressionstest.
| Änderung | Was sich verschieben kann | Was erneut laufen muss |
|---|---|---|
| Neues Sprachmodell oder neue Modellversion | Belegtreue, Antwortstil, Umgang mit Nichtwissen | Antwortmetriken, blockierende Fälle |
| Neues Embedding-Modell | gesamte Suche; Neuindexierung nötig | alle Retrieval-Metriken, dann Antwortmetriken |
| Geändertes Chunking | Fundstellen, Kontextlänge, Referenz-IDs | Retrieval-Metriken, Referenz-IDs prüfen |
| Neuer Reranker oder geänderte Gewichtung | Rangfolge, Recall nach Reranking | MRR, nDCG, Recall@k |
| Geänderter Systemprompt | Antwortformat, Quellenangabe, Nichtwissen | Antwortmetriken, blockierende Fälle |
| Neue Datenquelle oder großer Bestandsumbau | Konkurrenz zwischen Dokumenten, Rechte | alle Metriken, Rechte-Tests |
Der häufigste Auslöser für unbemerkte Qualitätsverluste ist ein Wechsel des Embedding-Modells, weil er den gesamten Index betrifft. Welche Modelle für deutsche Texte in Frage kommen, vergleicht der Beitrag zu Embedding-Modellen für Deutsch.
Umsetzung mit Langfuse. Langfuse bildet ein Testset als Dataset ab: Jeder Eintrag hat input, optional expected_output und metadata. Jede Änderung an den Einträgen erzeugt eine neue Dataset-Version, sodass ein Experiment später gegen genau den damaligen Stand wiederholt werden kann. Mit run_experiment() aus dem SDK läuft die eigene Anwendung gegen das Dataset; Evaluatoren auf Eintragsebene schreiben Scores an die Traces, Evaluatoren auf Laufebene berechnen Gesamtwerte (Experiments via SDK). Die Läufe erscheinen als Dataset Runs und lassen sich in der Oberfläche vergleichen.
Für die Pipeline beschreibt Langfuse zwei Freigaberegeln (Experiments in CI/CD): Entweder muss jeder Pflichtfall eine absolute Qualitätsschwelle erreichen, oder kein Fall, der in der freigegebenen Baseline bestanden hat, darf zurückfallen. Wird die Regel verletzt, bricht der Build ab. Ragas-Metriken lassen sich dabei als Evaluatoren einbinden oder als Scores an Traces schreiben (Cookbook: RAG mit Ragas evaluieren). Wie Langfuse selbst betrieben wird, beschreiben Was ist Langfuse? und der Beitrag zu Langfuse self-hosted.
Evaluation im laufenden Betrieb
Das Testset prüft bekannte Fragen. Im Betrieb kommen unbekannte hinzu, und die Messung muss sie erfassen.
- Online-Bewertung. Langfuse kann LLM-as-a-Judge-Evaluatoren auf einzelne Beobachtungen im Live-Betrieb anwenden, etwa auf den Retrieval-Schritt oder die Antwort, und ebenso auf Experimente (LLM-as-a-Judge). Das liefert Trends, keine Einzelurteile mit Abnahmequalität.
- Menschliche Prüfung. Annotation Queues verteilen ausgewählte Traces an Fachleute zur Bewertung. Sinnvoll sind Stichproben plus alle Fälle mit negativem Nutzerfeedback oder niedrigem Judge-Score.
- Rückfluss ins Testset. Jede echte Frage, die schiefgegangen ist, wird nach Klärung als neuer Eintrag ins Dataset übernommen. So wächst das Testset entlang der tatsächlichen Schwachstellen.
- Unbeantwortete Themen auswerten. Fragen, auf die das System korrekt mit „nicht im Bestand" antwortet, zeigen fehlende Dokumente. Diese Liste ist eine Redaktionsaufgabe, kein Fehler des Systems.
Die Funktionen für Datasets, Experimente, LLM-as-a-Judge und Annotation Queues sind in der selbst betriebenen Open-Source-Version von Langfuse enthalten (Self-Hosting Pricing); LLM-as-a-Judge, Annotation Queues, Prompt-Experimente und der Playground wurden am 4. Juni 2025 unter MIT-Lizenz freigegeben (Langfuse Blog).
Typische Messfehler
- Nur die Antwort bewerten. Ohne Retrieval-Metriken bleibt unklar, ob ein Fehler in der Suche oder im Modell liegt.
- Testset aus Dokumenttext statt aus Nutzerfragen. Die Werte steigen, die Praxistauglichkeit nicht.
- Keine unbeantwortbaren Fragen. Dann bleibt unsichtbar, ob das System Wissenslücken benennt oder Antworten erfindet.
- Judge-Werte ohne Kalibrierung. Ein automatischer Score, den nie ein Mensch gegengeprüft hat, ist eine Schätzung.
- Durchschnitt statt Kategorien. Ein Mittelwert von 0,85 kann bedeuten, dass alle Fragen zu exakten Kennungen scheitern.
- Testset ohne Versionsstand. Ändern sich Fragen und System gleichzeitig, sind zwei Messungen nicht vergleichbar.
- Referenz-IDs nach Neuindexierung nicht geprüft. Nach einem Chunking-Wechsel zeigen die erwarteten Fundstellen ins Leere, und Recall fällt scheinbar auf null.
Was das für Ihr Projekt heißt
Die Evaluation beginnt vor der ersten Zeile Code: mit echten Fragen aus dem Fachbereich, erwarteten Fundstellen und einer Absprache, welche Fälle blockieren. Wer das Testset früh aufbaut, kann jede technische Entscheidung an einer Baseline messen, statt nach Eindruck zu optimieren, und hat nach der Abnahme einen Regressionstest für jede spätere Änderung.
Die Grundlagen stehen in Was ist RAG?. Wie die Suche robuster wird, zeigen Hybrid Search und Reranking, Contextual Retrieval und Chunking. Warum Rechte-Tests in jedes Testset gehören, erklärt RAG mit Berechtigungen, und wo Langfuse im Stack sitzt, zeigt Der Open-Source-LLM-Stack.
Quellen
- Ragas, Available Metrics
- Ragas, Faithfulness
- Ragas, Answer Relevancy
- Ragas, Context Precision
- Ragas, Context Recall
- Ragas, Noise Sensitivity
- Ragas, Adapting Metrics to Target Language
- Ragas, Non-English Testset Generation
- Es et al., Ragas: Automated Evaluation of Retrieval Augmented Generation (arXiv 2309.15217)
- Zheng et al., Judging LLM-as-a-Judge with MT-Bench and Chatbot Arena (arXiv 2306.05685)
- Manning, Raghavan, Schütze: Evaluation of ranked retrieval results
- Langfuse, Datasets
- Langfuse, Experiments via SDK
- Langfuse, Experiments in CI/CD
- Langfuse, LLM-as-a-Judge
- Langfuse, LLM Connections
- Langfuse, Annotation Queues
- Langfuse, Cookbook: Evaluation of RAG with Ragas
- Langfuse, Self-Hosting Pricing
- Langfuse, Open-Sourcing Langfuse Product Features (04.06.2025)
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Häufig gestellte Fragen
Antworten auf die wichtigsten Fragen
Auf zwei Ebenen getrennt. Die Suche wird mit Retrieval-Metriken wie Recall@k, MRR oder nDCG gegen erwartete Fundstellen gemessen. Die Antwort wird auf Belegtreue (Faithfulness), Relevanz und fachliche Richtigkeit bewertet. Grundlage für beides ist ein Testset aus echten Fragen des Fachbereichs mit erwarteten Antworten und Fundstellen.
Nein. Faithfulness misst nur, ob die Aussagen der Antwort aus dem abgerufenen Kontext ableitbar sind. Wurde ein veraltetes oder falsches Dokument gefunden, kann eine Antwort vollständig belegt und trotzdem falsch sein. Ob die richtigen Belege gefunden wurden, zeigen Context Recall und die Retrieval-Metriken.
Nein. Ragas beschreibt die Metrik ausdrücklich als Maß dafür, wie gut die Antwort zur Absicht der Frage passt, ohne die sachliche Richtigkeit zu bewerten. Dafür werden aus der Antwort Fragen erzeugt und per Embedding mit der ursprünglichen Frage verglichen. Eine flüssige, aber falsche Antwort kann hoch abschneiden.
Es gibt keine allgemeingültige Zahl. Für einen abgegrenzten Wissensbestand sind 40 bis 60 sorgfältig ausgewählte Fragen ein tragfähiger Start, sofern sie alle Fragetypen abdecken: eindeutige Fragen, exakte Kennungen, widersprüchliche Quellen, unbeantwortbare Fragen und Rechte-Tests. Mit dem Betrieb wächst das Set um echte Fragen, die schiefgegangen sind.
Als Ergänzung ja, als Ersatz nein. Synthetisch erzeugte Fragen entstehen aus den Dokumenten selbst und sind deshalb meist leichter auffindbar als echte Nutzerfragen, die andere Begriffe verwenden. Der Kern des Testsets sollte aus Fragen des Fachbereichs stammen, mit erwarteten Fundstellen, die ein Mensch bestätigt hat.
Nein. Die Beispiele der Ragas-Dokumentation nutzen OpenAI-Modelle, das bewertende Modell ist aber austauschbar und kann ein lokal betriebenes Modell hinter einem OpenAI-kompatiblen Endpunkt sein. Die Metriken ohne LLM, etwa die ID-basierten Varianten von Context Precision und Context Recall, benötigen gar kein Modell.
Ja. Langfuse hat LLM-as-a-Judge-Evaluierungen, Annotation Queues, Prompt-Experimente und den Playground am 4. Juni 2025 unter MIT-Lizenz freigegeben. Datasets und Experimente per SDK und UI sind in der Open-Source-Version enthalten. Eine Enterprise-Lizenz betrifft Funktionen wie Audit-Logs, projektbezogene Rollen oder Datenaufbewahrungsregeln.
Bei jeder Änderung, die Suche oder Antwort beeinflusst: neues Sprachmodell, neues Embedding-Modell, geänderte Chunking-Parameter, neuer Reranker, geänderter Systemprompt, neue Datenquelle oder größere Änderungen am Bestand. Ein Wechsel des Embedding-Modells verlangt zusätzlich eine Neuindexierung und ist der häufigste Anlass für Qualitätsverluste.
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