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Cloud-Exit für den Mittelstand: Kosten, Abhängigkeiten, Zielarchitektur und Ablauf

Timo Wevelsiep
Timo Wevelsiep
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#CloudExit #AWS #Azure #DataAct #Hetzner #DigitaleSouveränität

Hinweis zum Inhalt: Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zusammengestellt. Technische Details, Preise, Versionen, Lizenzmodelle und externe Inhalte können sich ändern. Bitte prüfen Sie die genannten Angaben eigenständig, insbesondere vor geschäftskritischen oder sicherheitsrelevanten Entscheidungen. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung.

Cloud-Exit für den Mittelstand: Kosten, Abhängigkeiten, Zielarchitektur und Ablauf

Sie prüfen den Ausstieg aus AWS, Azure oder Google Cloud? Der Cloud-Exit-Check von WZ-IT liefert Kostenbild, Zielarchitektur, Migrationspfad und ein Festpreisangebot für die Migration, ab 1.490 € netto, angerechnet auf die Migration. Für einen ersten Blick auf die Kosten gibt es die kostenlose Cloud-Kostenanalyse. Kostenloses Erstgespräch vereinbaren

Ein Cloud-Exit beginnt selten mit einer Grundsatzentscheidung. Meist steht eine Rechnung am Anfang, die schneller wächst als das Geschäft, eine Preisänderung, eine Anforderung an Datenhoheit oder eine Frage aus dem Aufsichtsrat, was passiert, wenn der Anbieter die Bedingungen ändert. Die gängigen Ratgeber beantworten das mit allgemeinen Schritt-Listen. Für eine Entscheidung braucht es aber Zahlen: was der Umzug kostet, welche Dienste ihn erschweren, welche Rechte der Vertrag gibt und wie die Zielumgebung aussieht.

Dieser Leitfaden ordnet die Kostenblöcke mit Werten aus den Preislisten, fasst die Wechselregeln des EU Data Act mit Fristen zusammen, vergleicht die Exit-Programme von AWS, Azure und Google Cloud, zeigt die Abhängigkeiten je Dienst und beschreibt den Ablauf in Phasen. Stand Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze:

  1. Eine Exit-Strategie ist ein Plan, kein Umzugsbeschluss. Sie macht einen Umzug planbar, wenn er gebraucht wird.
  2. Seit dem 12.09.2025 regelt der EU Data Act Fristen und Entgelte beim Cloud-Wechsel. Ab dem 12.01.2027 sind Wechselentgelte verboten.
  3. AWS, Azure und Google Cloud erlassen Egress beim Verlassen schon heute, jeweils mit eigenen Bedingungen.
  4. Wie schwierig der Umzug wird, entscheiden die Abhängigkeiten: Virtuelle Maschinen und PostgreSQL ziehen leicht um, proprietäre Datenbanken und Serverless-Dienste nicht.
  5. Ein Teil-Exit ist oft der bessere Weg als der vollständige Ausstieg.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ein Cloud-Exit ist und was nicht
  2. Anlässe: warum Unternehmen die Hyperscaler-Cloud verlassen
  3. Kostenbild: die fünf Kostenblöcke eines Cloud-Exits
  4. Egress beim Verlassen: was AWS, Azure und Google Cloud erlassen
  5. EU Data Act: Fristen und Entgelte beim Cloud-Wechsel
  6. Abhängigkeiten erkennen: welche Dienste den Exit erschweren
  7. Zielarchitektur: wohin die Workloads umziehen
  8. Ablauf eines Cloud-Exits in sechs Phasen
  9. Was in den Vertrag gehört
  10. Verbreitete Irrtümer
  11. Unser Vorgehen bei WZ-IT
  12. Weiterführende Guides

Was ein Cloud-Exit ist und was nicht

Unter Cloud-Exit werden drei verschiedene Dinge verstanden. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie Kosten und Ablauf bestimmt.

Begriff Bedeutung Typischer Anlass
Exit-Strategie dokumentierter Plan für den Fall, dass ein Umzug nötig wird; kein Umzug Risikomanagement, Vorgaben von Kunden oder Aufsicht
Teil-Exit einzelne Dienste ziehen um, andere bleiben Kostentreiber wie Server, Datenbanken und Traffic
Vollständiger Exit alle Workloads und Daten verlassen den Anbieter Souveränität, Kosten, Vertragsende

Ziel ist in allen drei Fällen nicht zwingend das eigene Rechenzentrum. Häufig ist es ein europäischer Infrastruktur-Anbieter, gemietete dedizierte Server oder eine Private Cloud auf Basis von Proxmox.

Anlässe: warum Unternehmen die Hyperscaler-Cloud verlassen

Anlass Was dahinter steht
Kosten Datentransfer ins Internet, verwaltete Dienste und Instanzen im Dauerbetrieb summieren sich. AWS berechnet in Frankfurt nach 100 freien GB 0,09 US-$ je GB ausgehenden Traffic (AWS, EC2 On-Demand Pricing).
Abhängigkeit Proprietäre Dienste, Laufzeitverpflichtungen und Know-how binden an einen Anbieter. Preise und Bedingungen setzt der Anbieter.
Datenhoheit Nach dem CLOUD Act müssen US-Anbieter Daten unter ihrer Kontrolle herausgeben, "regardless of whether such communication, record, or other information is located within or outside of the United States" (18 U.S.C. § 2713).
Vorgaben Kunden, Prüfer oder Aufsicht fragen nach einem dokumentierten Exit. Das BSI hat mit dem UP KRITIS Empfehlungen zur Vorbereitung einer Exit-Strategie bei Nutzung von Cloud-Dienstleistungen veröffentlicht (Version 1.0, 31.03.2022).

Für die Datenhoheit ist der Hintergrund im Beitrag Server und Daten in europäische Clouds umziehen beschrieben.

Kostenbild: die fünf Kostenblöcke eines Cloud-Exits

Eine belastbare Entscheidung vergleicht die heutigen laufenden Kosten mit den künftigen laufenden Kosten plus den einmaligen Kosten des Umzugs. Die einmaligen Kosten setzen sich aus fünf Blöcken zusammen:

Kostenblock Was dazu gehört Wie er sich senken lässt
Datenübertragung beim Umzug Egress für alle Daten, die den Anbieter verlassen Exit-Programme der Anbieter, ab 12.01.2027 Data Act
Parallelbetrieb alte und neue Umgebung laufen gleichzeitig kurze Umstellungsfenster je Welle, Umzug in Wellen
Umbau Dienste ohne direktes Gegenstück am Ziel Teil-Exit, portable Alternativen vorab wählen
Laufende Verpflichtungen Savings Plans und Reserved Instances mit 1 oder 3 Jahren Laufzeit, Database Savings Plans 1 Jahr (AWS, Savings Plans FAQ) Exit-Zeitpunkt an Laufzeiten ausrichten
Betrieb der Zielumgebung Updates, Sicherung, Überwachung, die vorher der Anbieter übernahm eigenes Team oder Betreiber, klar abgegrenzt

Zum Vergleich der laufenden Kosten zählt vor allem der Traffic:

Ausgehender Traffic AWS Frankfurt Azure Europa Hetzner Cloud (EU)
Freikontingent 100 GB je Monat 100 GB je Monat 20 TB je Server (CX, CPX, CAX), 20-60 TB bei CCX
Preis danach 0,09 US-$ je GB für die ersten 10 TB, gestaffelt bis 0,05 US-$ über 150 TB 0,087 US-$ je GB für die nächsten 10 TB nur ausgehender Traffic wird berechnet
Eingehend kostenlos kostenlos kostenlos

Quellen: AWS, EC2 On-Demand Pricing, Azure Bandwidth Pricing, Hetzner Docs, Traffic, Hetzner Docs, Cloud Billing FAQ. Stand Oktober 2026. Dedizierte Server bei Hetzner haben einen 1-Gbit-Uplink mit unbegrenztem Traffic.

Rechenbeispiel: 10 TB ausgehender Traffic im Monat kosten bei AWS in Frankfurt rund 890 US-$ (9.900 GB × 0,09 US-$, gerechnet mit 1 TB = 1.000 GB nach Abzug des Freikontingents). Bei einem Hetzner-Cloud-Server liegt dieselbe Menge im Inklusivvolumen. Die Egress-Preise aller großen Anbieter vergleicht der Beitrag Public Internet Egress Kosten.

Auch europäische Anbieter ändern Preise. Hetzner hat zum 15.06.2026 die Preise für neu bestellte Cloud-Server angehoben, etwa CX23 von 3,99 € auf 5,49 € und CPX22 von 7,99 € auf 19,49 € netto im Monat; bestehende Server behalten ihren Preis (Hetzner Docs, Price Adjustment). Die Einordnung dazu steht im Beitrag Hetzner-Preiserhöhung Juni 2026. Ein Kostenbild vergleicht deshalb konkrete Konfigurationen und nicht Anbieter im Allgemeinen.

Egress beim Verlassen: was AWS, Azure und Google Cloud erlassen

Alle drei Hyperscaler erlassen die Gebühren für den Datentransfer, wenn ein Kunde die Daten zum Verlassen der Plattform überträgt. Die Bedingungen unterscheiden sich deutlich:

Anbieter Verfahren Zeitfenster Bedingung
AWS Antrag über den AWS Support, Gutschrift nach Freigabe 90 Tage für den Umzug (seit 30.09.2025, vorher 60) Konto muss nicht geschlossen werden
Microsoft Azure Support-Anfrage mit Subscription-ID, Starttermin und Datenmenge 60 Tage ab angegebenem Starttermin, Gutschrift für höchstens 60 Tage danach alle Subscriptions kündigen
Google Cloud Exit Notice per Formular, Prüfung, danach Migrationszeitraum mindestens 30 Tage Migrationszeitraum alle Workloads und Daten migrieren, Vertrag für den Dienst endet

Quellen: AWS News Blog, Free data transfer out when moving out of AWS, Microsoft Learn, Cancel your Azure subscription, Google Cloud, Exit Cloud. Stand Oktober 2026.

Für die Planung folgt daraus: Die Datenübertragung wird in das Zeitfenster des Programms gelegt, und die Datenübernahme wird vorher getestet, damit das Fenster nicht für Fehlersuche verbraucht wird. Bei Azure und Google Cloud passt das Programm nur zum vollständigen Exit, bei AWS auch zum Teil-Exit.

EU Data Act: Fristen und Entgelte beim Cloud-Wechsel

Die Verordnung (EU) 2023/2854, der Data Act, gilt seit dem 12.09.2025. Kapitel VI (Art. 23 bis 31) regelt den Wechsel zwischen Datenverarbeitungsdiensten und damit auch zwischen Cloud-Anbietern (EUR-Lex, Verordnung (EU) 2023/2854).

Regelung Inhalt Fundstelle
Kündigungsfrist für den Wechsel höchstens zwei Monate Art. 25 Abs. 2 lit. d
Übergangsfrist höchstens 30 Kalendertage nach Ablauf der Kündigungsfrist Art. 25 Abs. 2 lit. a
Technisch nicht machbar Anbieter meldet das innerhalb von 14 Arbeitstagen, alternativer Übergangszeitraum höchstens sieben Monate Art. 25 Abs. 4
Verlängerung durch den Kunden einmalig möglich Art. 25 Abs. 5
Datenabruf mindestens 30 Kalendertage nach dem Übergangszeitraum Art. 25 Abs. 2 lit. g
Löschung vollständige Löschung nach dem Abrufzeitraum, wenn der Wechsel erfolgreich war Art. 25 Abs. 2 lit. h
Umfang der Daten Ein- und Ausgabedaten einschließlich Metadaten Art. 2 Nr. 38
Wechselentgelte bis 12.01.2027 nur ermäßigt, höchstens die unmittelbaren Kosten des Wechsels Art. 29 Abs. 2 und 3
Wechselentgelte ab 12.01.2027 verboten Art. 29 Abs. 1
Egress gilt als Teil der Wechselentgelte ("Datenextraktionsentgelte") Art. 2 Nr. 36
Parallele Nutzung (Multi-Cloud) Datenextraktionsentgelte bleiben erlaubt, nur zur Weitergabe der Kosten Art. 34 Abs. 2
Infrastruktur (IaaS) Anbieter unterstützt den Kunden dabei, Funktionsäquivalenz zu erreichen Art. 30 Abs. 1
Ausnahmen maßgeschneiderte Dienste von den Entgeltregeln ausgenommen, Test- und Bewertungsversionen ganz Art. 31

Zwei Folgerungen für die Planung: Erstens lohnt bei einem Exit nach dem 12.01.2027 ein Blick darauf, ob der Anbieter noch Entgelte für den Wechsel berechnet. Zweitens hilft der Data Act nicht bei technischen Abhängigkeiten. Er sichert den Zugang zu den Daten, nicht deren Weiterverwendbarkeit in einem anderen Dienst.

Kein Rechtsrat. Wie die Regeln auf Ihre Verträge anzuwenden sind, klären Sie mit Ihrer Rechtsberatung. Markennamen gehören ihren Inhabern.

Abhängigkeiten erkennen: welche Dienste den Exit erschweren

Wie schwierig ein Exit wird, entscheidet die Dienstliste. Je näher ein Dienst an einem offenen Standard ist, desto leichter zieht er um.

Dienst beim Hyperscaler (Beispiel AWS) Portabilität Gegenstück am Ziel
EC2 (virtuelle Maschinen) hoch virtuelle Maschinen beim Zielanbieter oder in einer Proxmox-Umgebung
RDS PostgreSQL oder MySQL hoch PostgreSQL oder MySQL selbst betrieben, Übernahme per Dump oder Replikation
S3 hoch S3-kompatibler Objektspeicher
EKS (Kubernetes) mittel bis hoch Kubernetes beim Zielanbieter, Anpassung von Speicher, Load Balancer und Rechten
CloudFront mittel CDN eines anderen Anbieters, Cache-Regeln neu
Route 53 mittel DNS des Zielanbieters, Zonen-Export
SQS, SNS, EventBridge niedrig bis mittel RabbitMQ oder NATS, Anpassung der Anwendung
Lambda niedrig Container oder Funktionen auf eigener Plattform, Auslöser neu bauen
DynamoDB niedrig kein direktes Gegenstück, Datenmodell und Anwendung umbauen
IAM, Cognito niedrig Identitätsdienst wie Keycloak, Rechtekonzept neu
CloudWatch mittel Monitoring- und Logging-Stack am Ziel

Für Azure und Google Cloud gilt dieselbe Logik: virtuelle Maschinen, Standard-Datenbanken und Objektspeicher ziehen leicht um, proprietäre Datenbanken, Funktionen und Ereignisdienste nicht. Wie die Übernahme konkret abläuft, zeigen die Anleitungen AWS S3 zu Hetzner Object Storage und AWS RDS PostgreSQL zu Hetzner. Welche S3-kompatiblen Speicher sich selbst betreiben lassen, vergleicht der Beitrag MinIO-Nachfolge.

Neben der Technik gehören drei weitere Abhängigkeiten in die Liste: Laufzeitverpflichtungen (Savings Plans, Reserved Instances, Marketplace-Abos), Know-how im Team, das an die Werkzeuge des Anbieters gebunden ist, und Integrationen Dritter, die auf Endpunkte des Anbieters zeigen.

Zielarchitektur: wohin die Workloads umziehen

Zielmodell Passt für Grenzen
Europäische Cloud (z. B. Hetzner Cloud) virtuelle Maschinen, Kubernetes, Objektspeicher, wechselnde Last weniger verwaltete Dienste, Betrieb liegt bei Ihnen oder einem Betreiber
Dedizierte Server gleichmäßige Last, Datenbanken, hoher Traffic Hardwaretausch und Redundanz müssen geplant werden
Private Cloud mit Proxmox viele virtuelle Maschinen, Mandanten, eigene Hardware oder gemietete Server eigener Plattformbetrieb
Hybrid / Teil-Exit Kostentreiber umziehen, Spezialdienste behalten zwei Umgebungen, Verbindung zwischen beiden
Selbst betriebene PaaS Anwendungen von Heroku, Vercel oder ähnlichen Plattformen Build- und Deploy-Prozesse werden neu eingerichtet

Die Zielarchitektur folgt aus der Dienstliste und nicht umgekehrt. Für Workloads mit gleichmäßiger Last und hohem Traffic sind dedizierte Server oft am günstigsten, für wechselnde Last eine Cloud mit nutzungsabhängiger Abrechnung. Für Plattform-Dienste wie Heroku oder Vercel beschreibt die Seite PaaS Cloud Exit den Weg. Eine Übersicht aller Migrationswege von AWS, Azure, Google Cloud und weiteren Anbietern steht im Migrations-Hub.

Ablauf eines Cloud-Exits in sechs Phasen

  1. Bestandsaufnahme. Rechnung der letzten Monate, Dienstliste je Konto und Region, Datenmengen, Laufzeitverpflichtungen, Integrationen Dritter, Anforderungen an Verfügbarkeit.
  2. Kostenbild und Zielarchitektur. Heutige und künftige laufende Kosten, einmalige Kosten nach den fünf Blöcken, Zielmodell je Workload, Entscheidung über Teil- oder vollständigen Exit.
  3. Pilot. Ein überschaubarer Workload zieht zuerst um. Er prüft Netzwerk, Datenübernahme, Überwachung und Sicherung am Ziel.
  4. Migration in Wellen. Je Welle eine Erstübertragung der Daten, danach Delta-Abgleiche und eine kurze Umstellung mit festem Rückfallplan. Datenbanken über Replikation oder Dump, Dateien über Synchronisation.
  5. Parallelbetrieb und Rückbau. Die alte Umgebung bleibt bis zur Abnahme verfügbar und wird danach Dienst für Dienst abgeschaltet. Das Egress-Programm wird in diese Phase gelegt.
  6. Kündigung und Löschung. Kündigung nach den vertraglichen Fristen, Datenabruf innerhalb des Abrufzeitraums, Nachweis der Löschung beim Anbieter.

Die Reihenfolge der Wellen richtet sich nach Abhängigkeiten: zuerst Speicher und Datenbanken, die viele Dienste nutzen, oder umgekehrt zuerst unabhängige Anwendungen, je nachdem, wo die Verbindung zwischen alter und neuer Umgebung weniger Traffic erzeugt.

Was in den Vertrag gehört

Das UP-KRITIS-Papier des BSI empfiehlt, den Exit langfristig zu planen, die Rückholbarkeit der Daten zu dokumentieren und vertraglich Mindestübergangsfristen, Migrationsunterstützung, Datenformate und eine dokumentierte Löschung zu vereinbaren (BSI, UP KRITIS Exit-Strategie). Der Kriterienkatalog BSI C5:2020 verlangt im Bereich Portabilität und Interoperabilität vertragliche Vereinbarungen zur Bereitstellung der Daten (PI-02).

Als Prüfliste für bestehende und neue Verträge:

  • Kündigungsfrist und Übergangsfrist für den Wechsel (Data Act: höchstens zwei Monate beziehungsweise 30 Kalendertage)
  • Datenabrufzeitraum (Data Act: mindestens 30 Kalendertage)
  • Datenformate für den Export, einschließlich Metadaten und Konfigurationen
  • Unterstützung durch den Anbieter beim Wechsel
  • Entgelte für den Wechsel und für Datenübertragung
  • Löschung einschließlich Sicherungen, mit Nachweis
  • Laufzeiten von Verpflichtungen und Rabattmodellen

Verbreitete Irrtümer

Irrtum Richtig ist
"Der Egress beim Umzug macht den Exit unbezahlbar." AWS, Azure und Google Cloud erlassen ihn beim Verlassen, mit Bedingungen. Ab 12.01.2027 sind Wechselentgelte nach dem Data Act verboten.
"Der Data Act löst den Lock-in." Er sichert Fristen, Datenzugang und Entgelte. Proprietäre Dienste müssen trotzdem umgebaut werden.
"Multi-Cloud ist eine Exit-Strategie." Nur mit portablen Bausteinen. Sonst entstehen zwei Abhängigkeiten.
"Ein Exit heißt: alles auf einmal." Teil-Exit und Umzug in Wellen sind der Regelfall.
"Europäische Anbieter sind immer günstiger." Beim Traffic meist deutlich, bei einzelnen Konfigurationen nicht. Es kommt auf den Vergleich konkreter Konfigurationen an.
"Eine EU-Region schützt vor US-Zugriff." Nach dem CLOUD Act zählt die Kontrolle des Anbieters, nicht der Speicherort.

Unser Vorgehen bei WZ-IT

WZ-IT begleitet den Cloud-Exit von der ersten Kosteneinschätzung bis zum Betrieb in Deutschland. Jeder Schritt hat ein festes Ergebnis.

  1. Kostenlose Cloud-Kostenanalyse. In der Cloud-Kostenanalyse laden Sie Ihre Cloud-Rechnung hoch, sensible Angaben geschwärzt. Die Auswertung erhalten Sie per E-Mail.
  2. Cloud-Exit-Check. Der Cloud-Exit-Check kostet ab 1.490 € netto. Ergebnis sind das Kostenbild mit heutigen und künftigen laufenden Kosten und den einmaligen Kosten des Umzugs, die Zielarchitektur je Workload, der Migrationspfad in Wellen und ein Festpreisangebot für die Migration. Wenn ein Teil-Exit oder der Verbleib einzelner Dienste besser passt, steht das im Ergebnis. Der Betrag wird auf die Migration angerechnet, wenn Sie diese innerhalb von 6 Monaten zum selben Thema beauftragen.
  3. Migration. Umzug in Wellen mit Parallelbetrieb und Rückfallplan, etwa von AWS zu Hetzner, Azure zu Hetzner oder Google Cloud zu Hetzner.
  4. Betrieb. Die Zielumgebung betreiben wir auf Wunsch über Managed Operations mit Updates, Sicherung und Überwachung.

Weiterführende Guides

Cloud-Exit planen, bevor er gebraucht wird. Wir werten Rechnung und Dienste aus, zeigen Abhängigkeiten, Zielarchitektur und Kosten und machen ein Festpreisangebot für die Migration. Kostenloses Erstgespräch vereinbaren

Quellen

Anfrage

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Häufig gestellte Fragen

Antworten auf wichtige Fragen zu diesem Thema

Ein dokumentierter Plan, wie ein Unternehmen Daten und Anwendungen aus einem Cloud-Dienst zurückholt oder zu einem anderen Anbieter umzieht: mit Kostenbild, Abhängigkeiten, Zielarchitektur, Ablauf und den vertraglichen Rechten beim Wechsel. Eine Exit-Strategie bedeutet nicht, sofort umzuziehen. Sie stellt sicher, dass ein Umzug planbar bleibt.

Es gibt keinen Pauschalbetrag. Die Kosten setzen sich aus fünf Blöcken zusammen: Datenübertragung beim Umzug (Egress), Parallelbetrieb von alter und neuer Umgebung, Umbau von Diensten ohne direktes Gegenstück, laufende Verpflichtungen wie Savings Plans und der Betrieb der Zielumgebung. Dem stehen die künftigen laufenden Kosten gegenüber. Ein Kostenbild für Ihre Umgebung entsteht aus Rechnung und Dienstliste.

Alle drei bieten Programme mit kostenlosem Datentransfer beim Verlassen an, mit unterschiedlichen Bedingungen (Stand Oktober 2026). AWS: Antrag über den Support, Gutschrift, 90 Tage für den Umzug, das Konto muss nicht geschlossen werden. Azure: Antrag über den Support, Gutschrift für höchstens 60 Tage, danach alle Subscriptions kündigen. Google Cloud: Exit Notice, Migration aller Workloads und Daten und Beendigung des Vertrags für den Dienst. Ab dem 12.01.2027 verbietet der EU Data Act Wechselentgelte einschließlich Egress beim Wechsel.

Kapitel VI der Verordnung (EU) 2023/2854 (Art. 23 bis 31) gilt seit dem 12.09.2025. Verträge müssen unter anderem eine Kündigungsfrist für die Einleitung des Wechsels von höchstens zwei Monaten, eine Übergangsfrist von höchstens 30 Kalendertagen und einen Datenabrufzeitraum von mindestens 30 Kalendertagen vorsehen. Bis zum 12.01.2027 dürfen Wechselentgelte nur noch die unmittelbaren Kosten decken, danach sind sie verboten. Kein Rechtsrat.

Der Data Act gibt Kunden Rechte beim Wechsel, verpflichtet sie aber nicht zu einer Exit-Strategie. Das BSI veröffentlicht mit dem UP KRITIS Empfehlungen zur Vorbereitung einer Exit-Strategie bei Nutzung von Cloud-Dienstleistungen (2022). Ob branchenspezifische Vorgaben eine Exit-Strategie verlangen, klären Sie mit Ihrer Compliance- oder Rechtsberatung.

Nicht für sich allein. Wer dieselben proprietären Dienste bei zwei Anbietern nutzt, hat zwei Abhängigkeiten statt einer. Wirksam ist Multi-Cloud nur mit portablen Bausteinen wie virtuellen Maschinen, Containern, PostgreSQL und S3-kompatiblem Speicher. Bei paralleler Nutzung dürfen Anbieter nach Art. 34 Abs. 2 Data Act weiterhin Datenextraktionsentgelte zur Deckung ihrer Kosten verlangen.

Dienste ohne offenen Standard dahinter: proprietäre Datenbanken wie DynamoDB oder Cosmos DB, Serverless-Funktionen mit vielen Auslösern, Warteschlangen und Ereignisdienste, Identitäts- und Rechtekonzepte wie AWS IAM. Virtuelle Maschinen, PostgreSQL, MySQL, Container und S3-kompatibler Objektspeicher lassen sich dagegen gut übertragen.

Nein. Häufig ist ein Teil-Exit sinnvoll: Server, Datenbanken und Speicher ziehen um, einzelne Dienste wie ein globales CDN bleiben vorerst beim Hyperscaler. Zu beachten ist, dass die Exit-Programme von Azure und Google Cloud an die Kündigung aller Subscriptions beziehungsweise die Migration aller Workloads gebunden sind.

Sie laufen weiter und müssen bezahlt werden. AWS Savings Plans und Reserved Instances haben Laufzeiten von einem oder drei Jahren, Database Savings Plans ein Jahr. Der Zeitpunkt des Exits wird deshalb an die Laufzeiten angepasst, oder die betroffenen Dienste ziehen zuletzt um.

Nicht automatisch, und auch europäische Anbieter ändern Preise. Hetzner hat zum 15.06.2026 die Preise für neue Cloud-Server angehoben, etwa CPX22 von 7,99 € auf 19,49 € netto im Monat; Bestandsserver behalten den Altpreis. Beim Traffic ist der Unterschied dagegen groß: Hetzner-Cloud-Server enthalten in der EU 20 TB ausgehenden Traffic, AWS berechnet in Frankfurt nach 100 freien GB 0,09 US-$ je GB.

Nicht für sich allein. Nach 18 U.S.C. § 2713 müssen Anbieter Daten in ihrem Besitz oder unter ihrer Kontrolle herausgeben, unabhängig davon, ob sie innerhalb oder außerhalb der USA gespeichert sind. Maßgeblich ist die Kontrolle des Anbieters, nicht der Speicherort. Kein Rechtsrat.

Mit Rechnung und Dienstliste. Die kostenlose Cloud-Kostenanalyse von WZ-IT wertet eine hochgeladene Cloud-Rechnung aus. Der Cloud-Exit-Check ab 1.490 € netto liefert Kostenbild, Zielarchitektur, Migrationspfad und ein Festpreisangebot für die Migration. Er wird angerechnet, wenn Sie die Migration innerhalb von 6 Monaten zum selben Thema beauftragen.

Timo Wevelsiep

Geschrieben von

Timo Wevelsiep

Co-Founder & CEO

Co-Founder von WZ-IT. Spezialisiert auf Cloud-Infrastruktur, Open-Source-Plattformen und Managed Services für KMUs und Enterprise-Kunden weltweit.

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