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Grundlagen · Monitoring & Serverbetrieb

Linux End of Life: Supportende von Debian, Ubuntu und CentOS

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung.

Sie betreiben Server mit Debian 11, Ubuntu 20.04 oder CentOS 7? Der Server-Audit erfasst Versionen, Risiken und den passenden Upgrade-Pfad. Für gewachsene Systeme ohne Dokumentation gibt es die kontrollierte Übernahme bestehender Server.

Jede Linux-Distribution hat ein festes Supportende. Danach erscheinen keine Sicherheitsupdates mehr, auch nicht für kritische Lücken in Kernel, OpenSSL oder OpenSSH. Im Herbst 2026 betrifft das viele produktive Systeme gleichzeitig: Debian 11 ist seit dem 31.08.2026 ohne Sicherheitsupdates des Projekts, Ubuntu 20.04 seit Mai 2025 nur noch mit Ubuntu Pro versorgt, und Ubuntu 22.04 verlässt im Mai 2027 den Standard-Support.

Dieser Ratgeber fasst die Termine der gängigen Server-Distributionen aus den Primärquellen zusammen, erklärt die Begriffe und vergleicht die drei Wege nach dem Supportende: Upgrade, Migration und Weiterbetrieb mit kostenpflichtigem Zusatz-Support.

Inhalt

Terminübersicht: Supportende der Server-Distributionen

Die Tabelle nennt je Version das Ende der regulären Sicherheitsupdates (bei RHEL mit Subskription) und, falls vorhanden, das Ende eines kostenpflichtigen Zusatz-Supports. Daten mit Tagesangabe stammen aus den Release-Tabellen der Projekte, Monatsangaben bei Ubuntu aus der Canonical-Übersicht.

Version Reguläre Sicherheitsupdates bis Kostenpflichtiger Zusatz-Support bis Status am 26.10.2026
Debian 10 buster 30.06.2024 (LTS) 30.06.2029 (Freexian ELTS) ohne Projekt-Updates
Debian 11 bullseye 31.08.2026 (LTS) 30.06.2031 (Freexian ELTS) seit September 2026 ohne Projekt-Updates
Debian 12 bookworm 30.06.2028 (LTS, seit 11.07.2026 im LTS-Team) 30.06.2033 (Freexian ELTS) unterstützt
Debian 13 trixie 09.08.2028 regulär, 30.06.2030 LTS 30.06.2035 (Freexian ELTS) aktuelle stabile Version
Ubuntu 18.04 LTS Mai 2023 Mai 2028 (ESM), Mai 2033 (Legacy) nur mit Ubuntu Pro
Ubuntu 20.04 LTS Mai 2025 Mai 2030 (ESM), Mai 2035 (Legacy) nur mit Ubuntu Pro
Ubuntu 22.04 LTS Mai 2027 Mai 2032 (ESM), Mai 2037 (Legacy) unterstützt, Ende in rund 7 Monaten
Ubuntu 24.04 LTS Mai 2029 Mai 2034 (ESM), Mai 2039 (Legacy) unterstützt
Ubuntu 26.04 LTS Mai 2031 Mai 2036 (ESM), Mai 2041 (Legacy) unterstützt, aktuelle LTS-Version
CentOS Linux 7 30.06.2024 kein Angebot des CentOS-Projekts ohne Updates
CentOS Stream 9 31.05.2027 keiner unterstützt
RHEL 7 30.06.2024 (Ende Maintenance) 31.05.2029 (Red Hat ELS) nur mit ELS
RHEL 8 31.05.2029 31.05.2033 (ELS laut endoflife.date) unterstützt
RHEL 9 31.05.2032 31.05.2036 (ELS laut endoflife.date) unterstützt
AlmaLinux und Rocky Linux 8 31.05.2029 keiner der Projekte unterstützt
AlmaLinux und Rocky Linux 9 31.05.2032 keiner der Projekte unterstützt

Quellen: Debian Releases, Debian-Meldung zum LTS-Ende von Debian 11, Debian Extended LTS, Ubuntu Release Cycle, Red Hat zu CentOS Linux EOL und RHEL 7 ELS, Gegenprobe über endoflife.date für Debian, Ubuntu, RHEL, AlmaLinux, Rocky Linux und CentOS Stream.

Begriffe: EOL, LTS, ESM und ELS

Die Projekte benennen ihre Phasen unterschiedlich. Für den Betrieb zählt eine Frage: Bis wann gibt es Sicherheitsupdates, und wer liefert sie?

  • EOL (End of Life): Ende der Versorgung durch das Projekt oder den Hersteller. Danach erscheinen ohne Zusatzvertrag keine Updates mehr.
  • Debian LTS: Debian pflegt jede Version fünf Jahre: drei Jahre durch das Security-Team, danach zwei Jahre durch das LTS-Team (Debian Releases). LTS ist kostenlos, deckt aber nur ausgewählte Architekturen ab.
  • Debian ELTS: Extended LTS wird von der Firma Freexian organisiert und von zahlenden Organisationen finanziert. Gepflegt wird nur die Teilmenge der Pakete, die diese Organisationen benötigen (Debian Wiki).
  • Ubuntu Standard-Support und ESM: Jede Ubuntu-LTS-Version erhält fünf Jahre Standard-Sicherheitswartung für das Main-Repository. Ubuntu Pro verlängert das mit Expanded Security Maintenance (ESM) auf zehn Jahre für Main und Universe, das Legacy Add-on auf 15 Jahre (Ubuntu Pro).
  • Red Hat ELS: Extended Life Cycle Support verlängert RHEL um bis zu vier Jahre mit ausgewählten kritischen Sicherheitskorrekturen für die letzte Minor-Version, bei RHEL 7 also für 7.9 bis zum 31.05.2029 (Red Hat).

Was nach dem Supportende passiert

Ein Server läuft nach dem Stichtag zunächst unverändert weiter. Das Risiko entsteht schleichend: Jede neu veröffentlichte Lücke in Kernel, Systembibliotheken oder Diensten bleibt dauerhaft offen. Das Aktualisieren einzelner Pakete aus Fremdquellen schließt sie nicht, sondern erzeugt einen Mischstand, den niemand mehr testet.

Dazu kommen Folgeeffekte:

  • Neue Softwareversionen setzen neuere Bibliotheken voraus. PHP, Python, Datenbanken und Container-Runtimes lassen sich auf alten Basissystemen oft nicht mehr aktuell halten.
  • Paketquellen alter Versionen wandern ins Archiv. Neuinstallationen und Wiederherstellungen auf neuer Hardware werden dadurch aufwendiger.
  • Prüfungen und Verträge: Der BSI IT-Grundschutz verlangt in OPS.1.1.3.A15, dass nicht mehr unterstützte Software nur weiter genutzt werden darf, wenn eine Prüfung ergibt, dass sie dennoch sicher betrieben werden kann. Ist das nicht der Fall, darf sie nicht mehr verwendet werden (BSI OPS.1.1.3, Edition 2023).

Das Supportende betrifft auch Anwendungen auf dem Server. Ein Beispiel ist PostgreSQL 14 mit Supportende im November 2026.

Drei Wege: Upgrade, Migration, Weiterbetrieb

Upgrade in-place Migration auf neues System Weiterbetrieb mit Zusatz-Support
Vorgehen Distribution auf dem bestehenden Server auf die nächste Version heben Neues System mit aktueller Version aufbauen, Dienste und Daten umziehen Bestehende Version behalten, Sicherheitsupdates von einem Drittanbieter oder Hersteller beziehen
Typische Fälle Debian 11 auf 12, Ubuntu 20.04 auf 22.04 CentOS 7 auf AlmaLinux, Rocky Linux oder RHEL; stark gewachsene Systeme Spezialsoftware, die nur auf der alten Version zertifiziert ist
Risiko Konfigurationsbrüche, entfernte Pakete, Neustart nötig Abhängigkeiten werden übersehen, Parallelbetrieb nötig Nur Teil der Pakete abgedeckt, Kosten laufen weiter
Ergebnis Volle Versorgung bis zum nächsten Supportende Sauberer Neustand, oft mit Automatisierung Zeitgewinn, kein Endzustand

Upgrade: Debian unterstützt Upgrades nur von der direkt vorherigen Version. Für Debian 13 heißt es in den Release Notes: „Only upgrades from Debian 12 (bookworm) are supported“ (Debian Release Notes). Ein Server mit Debian 11 geht also zuerst auf 12 und danach auf 13. Bei Ubuntu führt der Upgrade-Pfad von LTS zu LTS, also von 20.04 auf 22.04, von dort auf 24.04 und weiter auf 26.04 (Ubuntu Server Docs).

Migration: Für CentOS 7 gibt es kein Upgrade innerhalb von CentOS Linux. AlmaLinux stellt mit ELevate ein Werkzeug bereit, das auf Basis von Leapp In-Place-Upgrades von CentOS 7 auf EL8-Systeme und weiter bis EL10 durchführt (AlmaLinux ELevate). Red Hat bietet mit Convert2RHEL eine Umstellung auf RHEL an (Red Hat). Bei stark gewachsenen Systemen ist ein Neuaufbau mit anschließender Datenübernahme häufig planbarer als ein mehrstufiges In-Place-Upgrade.

Weiterbetrieb: Zusatz-Support kauft Zeit für ein geplantes Upgrade. Er ersetzt es nicht, weil Anwendungen und Bibliotheken trotzdem altern.

Zusatz-Support im Vergleich

Angebot Gilt für Laufzeit Preis (Stand 26.10.2026)
Ubuntu Pro (ESM) Ubuntu 18.04 bis 26.04 LTS, Main und Universe (16.04 nur noch mit Legacy Add-on bis Mai 2031) 10 Jahre ab Release, mit Legacy Add-on 15 Jahre 500 US-Dollar je Server und Jahr (Server mit beliebig vielen VMs), 25 US-Dollar je Workstation; privat kostenlos auf bis zu 5 Maschinen; Public Cloud stündlich, laut Canonical typischerweise 3 bis 4,5 % des Compute-Listenpreises (Preise)
Debian Extended LTS (Freexian) Debian 9, 10, 11; Teilmenge der Pakete Debian 11 bis 30.06.2031 auf Anfrage; laut Debian Wiki will Freexian die Updates für Einzelpersonen und kleine gemeinnützige Organisationen frei verfügbar halten (Debian Wiki)
Red Hat ELS RHEL 7.9 (auch nach Umstellung von CentOS 7) bis 31.05.2029 über Red Hat oder Vertriebspartner; die Red-Hat-Seite nennt keinen Preis
TuxCare Extended Lifecycle Support EOL-Systeme wie CentOS 7, laut Anbieter über 70 Distributionsversionen laut Anbieter ohne festes Ende auf Anfrage (TuxCare)

Die Angebote unterscheiden sich im Umfang. Ubuntu Pro deckt mit ESM das gesamte Archiv ab, Debian ELTS nur die von den zahlenden Organisationen benötigten Pakete, Red Hat ELS ausgewählte kritische Korrekturen. Vor dem Kauf lohnt der Abgleich der tatsächlich installierten Pakete mit der Abdeckungsliste des Anbieters.

Vorgehen in fünf Schritten

  1. Bestand erfassen: Distribution, Version, Kernel, Paketquellen und manuell installierte Software je Server. cat /etc/os-release und uname -r liefern die Grundlage, Fremdquellen stehen unter /etc/apt/sources.list.d/ beziehungsweise /etc/yum.repos.d/.
  2. Termine zuordnen: Jeder Server bekommt sein Supportende aus der Tabelle oben. Systeme, die bereits ohne Updates laufen, kommen an den Anfang.
  3. Weg festlegen: Upgrade, Migration oder befristeter Weiterbetrieb, je nach Abhängigkeiten der Anwendung und Zustand des Systems.
  4. Absichern bis zur Umstellung: Erreichbare Dienste einschränken, Zugänge prüfen, Backups mit Wiederherstellungstest bestätigen. Hinweise dazu stehen in der Checkliste zur Linux-Server-Härtung.
  5. Umstellen und nachweisen: Upgrade im Wartungsfenster, Funktionsprüfung, Dokumentation des neuen Stands und des nächsten Supportendes. Wie Updates danach laufend eingespielt werden, beschreibt Linux-Patch-Management.

Unser Vorgehen bei WZ-IT

Der Server-Audit ab 290 Euro netto einmalig erfasst je Server Distribution, Supportstatus, offene Risiken und den Upgrade-Pfad und liefert eine priorisierte Befundliste. Für gewachsene oder undokumentierte Systeme beschreibt die Seite zur Übernahme bestehender Server, wie wir Altstände übernehmen: Ein EOL-System läuft nur mit dokumentiertem Risiko, technischen Schutzmaßnahmen und einem vereinbarten Ablösepfad weiter.

Nach der Umstellung führt die Linux-Server-Betreuung ab 149,90 Euro netto je Server und Monat den Server im Regelbetrieb weiter: Updates in Wartungsfenstern, 24/7 Monitoring, Backup-Kontrolle mit bis zu 250 GB Backup-Speicher je Server und Betriebsdokumentation. Wir betreuen Server remote beim bestehenden Provider oder On-Premise. Ubuntu Pro, Freexian ELTS, Red Hat ELS oder TuxCare beziehen Kunden direkt beim jeweiligen Anbieter; wir binden den Zusatz-Support in den Betrieb ein, wenn er gebucht ist.

Weiterführende Ratgeber

Stand und Methodik

  • Erhebung: 26.10.2026.
  • Termine: aus den Release-Tabellen und Meldungen der Projekte (Debian, Canonical, Red Hat). Gegenprobe über die API von endoflife.date; bei Ubuntu weicht endoflife.date teils um bis zu einen Monat ab; maßgeblich sind die Monatsangaben von Canonical. Die ELS-Termine für RHEL 8 und 9 stammen aus endoflife.date.
  • Preise: Listenpreise von Canonical in US-Dollar für Ubuntu Pro ohne Support-Vertrag. Für Freexian, Red Hat ELS und TuxCare nennen die verlinkten Seiten keine Preise.
  • Nicht enthalten: SUSE, Windows Server und Supportenden einzelner Anwendungen.

Die Tabellen dürfen mit Quellenangabe und Link auf diesen Ratgeber weiterverwendet werden.

Quellen

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