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Anleitung · Proxmox

Proxmox absichern und härten: Checkliste

Hinweis zum Inhalt: Versionen, Befehle und Preise können sich ändern. Bitte prüfen Sie kritische Schritte vor dem produktiven Einsatz eigenständig. Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung.

Proxmox absichern lassen: Security-Audit und Umsetzung prüfen den vereinbarten Scope. Erstgespräch vereinbaren.

Diese Checkliste führt in sechs Bereichen durch die Absicherung eines Proxmox-VE-Hosts oder -Clusters: Zugänge mit 2FA und SSH, Firewall, Rollen und API-Tokens, Updates, Weboberfläche und Linux-Unterbau. Jeder Bereich nennt Befehle und Konfiguration aus der Herstellerdokumentation und einen Sollzustand zur Abnahme. Stand: Oktober 2026. Änderungen zuerst in einer geeigneten Umgebung prüfen und immer über einen zweiten Zugang (Konsole, IPMI) absichern.

Inhalt

1. Zugänge: Web-GUI, SSH und 2FA

Begrenzen Sie Web-GUI und SSH auf VPN, Bastion oder freigegebene Quellnetze. Der Benutzer root@pam kann sich laut Dokumentation immer über Linux PAM anmelden und ist uneingeschränkter Administrator. Arbeiten Sie deshalb im Alltag mit benannten Konten und Rollen und sichern Sie root@pam mit starkem Passwort und 2FA.

Zwei-Faktor-Anmeldung: Proxmox VE unterstützt TOTP, WebAuthn (Hardware-Keys, TPM), Recovery Keys und YubiKey OTP. Die Einrichtung läuft in der Weboberfläche beim Benutzer unter „TFA“. Erzwingen können Sie sie je Authentifizierungs-Realm. Nach 8 fehlgeschlagenen TOTP-Versuchen wird der Zugang gesperrt, bei WebAuthn und Recovery Keys nach 100 Versuchen für eine Stunde. Verwahren Sie Recovery Keys getrennt und prüfen Sie auch alternative Realms und Notfallkonten.

SSH: Die PVE-2FA gilt nicht für den SSH-Dienst. Setzen Sie SSH auf Schlüsselanmeldung, in einer Datei unter /etc/ssh/sshd_config.d/:

PermitRootLogin prohibit-password
PasswordAuthentication no
KbdInteractiveAuthentication no
sshd -t && systemctl reload ssh         # Syntax prüfen, dann neu laden
sshd -T | grep -E 'permitrootlogin|passwordauthentication|kbdinteractiveauthentication'

Ein vollständiges PermitRootLogin no ist in Clustern riskant, weil Knoten untereinander schlüsselbasierte Root-Verbindungen nutzen; prohibit-password verbietet nur das Passwort. Öffnen Sie vor dem Abschalten der Passwortanmeldung eine zweite Sitzung und prüfen Sie den Schlüsselzugang. Kontrollieren Sie auch Match-Blöcke in der OpenSSH-Konfiguration.

2. Netzwerk und Firewall

Dokumentieren Sie zuerst erlaubte Verbindungen für Management, Corosync, Storage, Migration und Gäste. Die Ports, die Proxmox VE nutzt:

Dienst Port Zugriff erlauben für
Web-GUI und API TCP 8006 Verwaltungsnetz oder VPN
SSH TCP 22 Verwaltungsnetz oder VPN
VNC-Konsole TCP 5900-5999 Verwaltungsnetz
SPICE-Proxy TCP 3128 Verwaltungsnetz
Corosync UDP 5405-5412 Nur Cluster-Netz
Live-Migration TCP 60000-60050 Nur Cluster- oder Migrationsnetz
rpcbind (NFS) UDP/TCP 111 Nur NFS-Netz, falls genutzt

Die Proxmox-Firewall arbeitet auf drei Ebenen: Datacenter (cluster.fw), Host und Gast. Bei aktivierter Datacenter-Firewall erlaubt sie nach Dokumentation standardmäßig Verkehr über Loopback, bestehende Verbindungen, Management-Zugriffe aus dem lokalen Netz (Web-GUI, SSH, VNC, SPICE), die Cluster-Kommunikation sowie bestimmte ICMP-Typen. Eigene Regeln für ein getrenntes Verwaltungsnetz legen Sie als IP-Set und Regel an, zum Beispiel in /etc/pve/firewall/cluster.fw:

[OPTIONS]
enable: 1

[IPSET management]
203.0.113.0/24

[RULES]
IN ACCEPT -source +management -p tcp -dport 8006,22

Vorgehen gegen das Aussperren: Regeln zuerst anlegen, die Firewall erst danach aktivieren, jede Ebene über einen zweiten Zugang prüfen und den Zustand kontrollieren:

pve-firewall status        # Dienststatus und Konfigurationsprüfung
pve-firewall compile       # die erzeugten Regeln ansehen
iptables-save | head -50   # aktive Regeln auf dem Host

Eine pauschale DROP-Regel kann Cluster oder Administration aussperren. Die nftables-Implementierung proxmox-firewall ist laut aktueller Dokumentation noch Tech Preview; ein Backend-Wechsel ist kein beiläufiger Härtungsschritt.

3. Rollen und API-Tokens

Vergeben Sie Rollen und Pfade nach Aufgabe. Vordefiniert sind unter anderem PVEAuditor (nur lesen), PVEVMUser (Gast nutzen, Konsole, Backup) und PVEVMAdmin (Gäste verwalten). Eigene Rollen legen Sie mit pveum role add an:

pveum user add monitoring@pve --comment "Nur-Lese-Zugriff"
pveum acl modify / --user monitoring@pve --role PVEAuditor
pveum user token add monitoring@pve readonly --privsep 1

API-Tokens erhalten eigene ACLs und bleiben auf Privilege Separation, dem Standard für neue Tokens. Ihre effektiven Rechte sind dann die Schnittmenge aus Benutzer- und Tokenrechten; ein Token ohne Privilege Separation übernimmt die vollen Rechte des Benutzers. Der Tokenwert wird nur einmal angezeigt. Prüfen Sie Berechtigungen mit einem Testkonto und dokumentieren Sie Rotation und Widerruf (Benutzerverwaltung).

4. Updates und Schwachstellen

Prüfen Sie unterstützte PVE-Version, Repository und offene Advisories. Reguläre Paketupdates erfolgen über die Weboberfläche oder auf der Kommandozeile; Backup, Wartungsfenster und Clusterzustand werden vorab geprüft:

pveversion -v                 # installierte Versionen der Pakete
apt update && apt full-upgrade

Major-Upgrades benötigen einen eigenen Ablauf, einschließlich der Ceph- und PBS-Abhängigkeiten (Upgrade von 8 auf 9). Für Produktivsysteme ist das Enterprise-Repository oder ein kommerzieller Betrieb ohne Subscription bewusst zu entscheiden. Proxmox-Dokumentation.

5. Zertifikate und Brute-Force-Schutz

Verwenden Sie ein geeignetes Zertifikat für den Administrationszugang. PVE unterstützt ACME einschließlich automatischer Erneuerung. Wählen Sie HTTP- oder DNS-Challenge passend zur Erreichbarkeit; öffnen Sie nicht allein dafür dauerhaft die Managementoberfläche. Der Ablauf auf der Kommandozeile (Domain und Adresse anpassen):

pvenode acme account register default [email protected]
pvenode config set --acme domains=pve.example.com
pvenode acme cert order

Gegen wiederholte Anmeldeversuche an der Weboberfläche beschreibt das Proxmox-Wiki eine Fail2ban-Anbindung. Der Filter liest die pvedaemon-Meldungen aus dem Journal, die Jail sperrt nach drei Fehlversuchen:

# /etc/fail2ban/filter.d/proxmox.conf
[Definition]
failregex = pvedaemon\[.*authentication failure; rhost=<HOST> user=.* msg=.*
journalmatch = _SYSTEMD_UNIT=pvedaemon.service

# /etc/fail2ban/jail.local
[proxmox]
enabled = true
port = https,http,8006
filter = proxmox
backend = systemd
maxretry = 3
findtime = 2d
bantime = 1h

Danach systemctl restart fail2ban; gesperrte Adressen gibt fail2ban-client unban <IP> frei. Fail2ban ergänzt die Einschränkung auf Verwaltungsnetz oder VPN, ersetzt sie aber nicht.

6. Linux-Unterbau und Backup-Schutz

Prüfen Sie, welche Dienste auf welchen Adressen lauschen, und deaktivieren Sie nicht benötigte:

ss -tlnp                      # lauschende TCP-Dienste mit Prozess
systemctl list-unit-files --state=enabled

Prüfen Sie außerdem Containerprivilegien (bevorzugt unprivilegierte Container) und AppArmor für die konkrete Umgebung (Container-Dokumentation). Kernel-Parameter werden nicht pauschal aus fremden Listen übernommen. Trennen Sie Backup-Zugänge und Schlüssel von der täglichen Administration. Prüfen Sie Offsite-Kopie, Aufbewahrung und Wiederherstellung. Ein erfolgreicher Backup-Job belegt keinen erfolgreichen Restore.

Prüfliste zur Abnahme

Bereich Prüfung Sollzustand
2FA Anmeldung aller Administratoren TOTP oder WebAuthn erzwungen, Recovery Keys getrennt verwahrt
SSH sshd -T Keine Passwortanmeldung, Schlüsselzugang getestet
Firewall pve-firewall status und Zugriff von außen Nur Verwaltungsnetz erreicht 8006 und 22
Corosync Portscan aus dem Nicht-Cluster-Netz UDP 5405-5412 nicht erreichbar
Tokens pveum user token list je Benutzer Privilege Separation, Rotation dokumentiert
Updates pveversion -v Unterstützte Version, aktuelle Pakete
Zertifikat Browser-Zugriff Gültiges Zertifikat, Erneuerung automatisch
Dienste ss -tlnp Nur benötigte Dienste lauschen
Backup Restore-Protokoll Wiederherstellung mit Schlüssel erfolgreich

BSI und Security-Audit-Checkliste

Der BSI-Baustein SYS.1.5 Virtualisierung, Edition 2023 behandelt die Absicherung der Virtualisierungsinfrastruktur. Die folgende Zuordnung ist eine Arbeitshilfe, kein BSI-Nachweis und keine Zertifizierung:

Prüffeld Zu erhebender Nachweis
Zugänge und Rechte Konten, Realms, MFA, Token-ACLs und Notfallzugang
Netztrennung Netzplan, Regelwerk und erlaubte sowie abgewiesene Verbindungen
Pflege und Protokollierung Paketstand, Änderungsprotokoll und Log-Zugriff
Wiederherstellung Backup-Umfang, Schlüsselzugriff und Restore-Protokoll

Erfassen Sie je Punkt Status, Beleg, Abweichung, Zuständigkeit und Folgemaßnahme. Fehlende Nachweise bleiben offen; eine installierte Schutzfunktion allein ist keine bestandene Prüfung.

Abnahme und Betrieb

Prüfen Sie erlaubte und gesperrte Zugriffe, MFA, Tokenrechte, Alarmierung und einen dokumentierten Wiederanlauf. Der Restore-Test prüft den vereinbarten Wiederherstellungsweg. Für laufende Pflege gibt es Managed Proxmox.

Security-Audit: Den Prüfumfang für Proxmox-Sicherheit und Härtung mit WZ-IT abstimmen. Vertiefung: PBS-Restore testen.

Quellen

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